Wasserburg – Es war kalt, es regnete und trotzdem versammelten sich Vereinsmitglieder, Stadträte, Feuerwehr und etliche Wasserburger gestern am Volkstrauertag zur Gedenkfeier am Kriegerdenkmal am Heisererplatz, musikalisch umrahmt von der Stadtkapelle.
„Wir gedenken heute den Opfern von Krieg, Terror und Gewalt überall auf der Welt“, so Bürgermeister Michael Kölbl bei seiner Ansprache. Man gedenke den getöteten Soldaten der beiden Weltkriege, unzähligen Zivilopfern, denjenigen, die wegen ihrer Religionsangehörigkeit oder politischer Verfolgung Opfer wurden, die wegen Krankheit oder Behinderung ermordet wurden, wie die Bewohner von Attel und Gabersee, sowie den Flüchtlingen und Vertriebenen. „Sie alle wurden Opfer von Diktatoren, Gewaltherrschaft oder Terror. Sie sind Opfer von Politikern und Staatslenkern oder Ideologien, die Krieg und damit Millionen Tote als zulässiges Mittel zur Durchsetzung von politischen Zielen ansahen und ansehen“.
Krieg sei nicht Politik mit anderen Mittel, wie es immer wieder heiße, Krieg sei die Bankrotterklärung der Politik und gleichzeitig die größte Missachtung von Freiheit und Würde jedes einzelnen Menschen.
Es sei nicht selbstverständlich, dass man wie in Deutschland seit 1949 im Westen und seit 1990 im friedlich vereinten Deutschland in Friede auf einer freiheitlich demokratischen Grundordnung leben könne. „Es sind viele Menschen in der Politik, in der Wirtschaft, viele Menschen im ganz normalen gesellschaftlichen Miteinander, denen das zu verdanken ist, sie alle haben den Auftrag auf ein menschenwürdiges Miteinander ernst genommen und nehmen ihn ernst“.
Jedes Jahr mahne der Volkstrauertag vor dem Hintergrund von Millionen sinnlos getöteter Mensch zum Frieden, zur freiheitlichen demokratischen Grundordnung und zum menschenwürdigen Umgang miteinander und dafür könne jeder an seinem Platz etwas tun, denn jeder sei Teil dieser Gesellschaft. Es gehe um Gemeinschaft, Solidarität und nicht um egoistische und nationale Egoismen.
Wenn im täglichen Miteinander Verständigung und Versöhnung vorgelebt werde, wenn man sich für Demokratie einsetze, am Arbeitsplatz, am Stammtisch oder bei Demonstrationen, man menschenwürdigen Umgang zu den Mitmenschen pflege, egal welcher Hautfarbe, Nationalität, Religion, Behinderte, ob Asylbewerber oder Flüchtling, „dann wird Friede, Demokratie und Menschenwürde in einer Gesellschaft verankert“. Zwar seien Diktatur und Gewalt in solchen Gesellschaften nicht mehr so leicht möglich wie vor dem Ersten oder Zweiten Weltkrieg, aber die Gefahr sei gegeben, „wir müssen engagiert und aufmerksam sein“.
Als Zeichen der Trauer und Erinnerung, aber auch als Zeichen der Mahnung und Aufforderung zum menschenwürdigen Miteinander, zur Demokratie und zum Frieden legte der Bürgermeister einen Kranz nieder.
Für den Verband Deutscher Kriegsopfer, den VdK und die Wasserburger KSK und Reservisten legte deren Vorsitzender Josef Pletschacher einen Kranz nieder. Wegen des schlechten Wetters hatte er auf eine Ansprache verzichtet. In seiner Funktion als Vorsitzender der Krieger- und Soldatenkameradschaft und Reservisten war es seine letzte Kranzniederlegung, der Verein befindet sich in der Auflösung. vo