Wasserburg – Kann eine Werkstatt für Menschen mit Behinderungen für eine industrielle Produktion zuliefern? Diese Frage lässt sich klar mit ja beantworten, wie sich in Wasserburg zeigt. Jakob Brummer von der Fachstelle Inklusion im Landratsamt Rosenheim hatte zu einer Informationsfahrt eingeladen, einschließlich Firmenbesichtigungen.
Die Firma Gronbach Gerätetechnik und Maschinenbau lässt Teile in den Inntal-Werkstätten der Stiftung Attl produzieren. Gerhard Eder, der stellvertretende Produktionsleiter, gerät regelrecht ins Schwärmen: „Das Vertrauen zu Attel hat sich entwickelt. Die Zusammenarbeit ist sehr gut. Wenn wir mehr solche Lieferanten hätten, dann hätten wir keine Probleme.“
Zur Unterstreichung seiner These hält er während der Führung durch das Unternehmen eine kleine Tüte mit wenigen Schrauben und einem Inbusschlüssel in die Luft. Sie sind allen Produkten beigelegt, die zu Hause noch zusammengebaut werden müssen. „Wenn diese Tütchen maschinell gefüllt werden, dann sind zehn von 1000 fehlerhaft. Die Tütchen aus Attel waren noch nie fehlerhaft.“
Aufgrund der guten Erfahrungen ging man bei Gronbach noch einen Schritt weiter. Ein Außenarbeitsplatz der Stiftung Attl in dem Unternehmen wurde geschaffen und nun ist Thomas Koberstein seit beinahe drei Jahren einer von rund 300 Mitarbeitern bei Gronbach. Er hilft in der Produktion mit und kann in mehreren Bereichen eingesetzt werden. „Thomas ist ein Glücksfall für uns“, sagte Gerhard Eder.
Die Integration von Thomas Koberstein in die Belegschaft war nie ein Problem und so plant Gronbach, sollte eine neue Halle gebaut werden, eine behindertengerechte Toilette und einen behindertengerechten Sozialraum mit zu bauen – um weitere Außenarbeitsplätze für Menschen mit Behinderung zu schaffen.
Die Informationsfahrt zum Thema „Menschen mit Behinderung und Arbeit“ begann im Cafésito im BürgerBahnhof. Die rund 35 Teilnehmer der Exkursion wurden vom zehnköpfigen Team mit Kaffee und einem Frühstück empfangen. In dem Café arbeiten Menschen mit und ohne Behinderung zusammen. Sie sind Mitarbeiter der FairJob gGmbH, einer im April 2015 gegründeten einhundertprozentigen Tochter der Stiftung Attl. Unternehmensziel ist die Integration von Menschen mit Behinderung. Geschäftsführer Guido Zwingler sagte, 40 Prozent der Mitarbeiter haben eine Schwerbehinderung. Zu ihrer Betreuung braucht es mehr Personal. Für Zwingler eine Herausforderung, denn immerhin hat das Cafésito 70 Stunden die Woche geöffnet und muss wirtschaftlich betrieben werden. Diese letzte Bedingung müssen auch die anderen Bereiche „Garten- und Landschaftsbau“ und „Malerei“ der FairJob gGmbH erfüllen.
Bei der Privatmolkerei Bauer lag der inhaltliche Schwerpunkt etwas anders. Es ging um Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, die jahre-, oft jahrzehntelang im Unternehmen tätig sind und durch Unfall oder Krankheit nur noch eingeschränkt arbeiten können. Der Personalleiter von Bauer, Michael Müller, stellte gleich zu Beginn klar: „Es ist uns ein Anliegen, mit Mitarbeitern fair umzuge-hen.“ Die immer älter werdende Gesellschaft war für Müller ein weiterer Grund, sich mit der Belegschaft auseinanderzusetzen. Bauer setzt seit 2007 auf ein betriebliches Eingliederungsmanagement, um Menschen nach Krankheit oder Operation eine Umschulung anbieten zu können.
Der Schwerbehindertenvertreter im Unternehmen, Josef Götz, wusste aus Erfahrung, dass es oft viel Überzeugungsarbeit braucht, damit Mitarbeiter ihre Einschränkung akzeptieren. Laut Götz beschäftigt Bauer derzeit 23 Menschen mit einer Schwerbehinderung und weitere 20 Mitarbeiter, die gleichgestellt sind.
Konkrete Lösungen für konkrete Probleme
Wie Lösungen aussehen können, zeigte der Betriebsratsvorsitzende Helmut Tagliasachi an einigen konkreten Beispielen. Sie reichen vom Umbau einer Maschine, der Reduzierung von Arbeitszeit, den Wechsel innerhalb des Unternehmens in eine neue Aufgabe bis zur Umschulung in einen anderen Beruf.
Zudem setzt Bauer auf Prävention. Beispielsweise werden den Mitarbeitern Kurse zu Yoga, Laufen, Nordic Walking, Rückengesundheit oder Schulungen zu richtigem Tragen und Heben angeboten.
Am Ende der Tour kündigte Organisator Jakob Brummer an, dass es im kommenden Jahr eine vergleichbare Exkursion geben wird.