Altlandkreis – „Klar, die Lastwagenfahrer sind gut vernetzt und teilen sich Tipps für gute Übernachtungsplätze gegenseitig mit“, wissen der Soyener Bürgermeister Karl Fischberger, wie auch die Haager Bürgermeisterin Sissi Schätz, die das Problem in Haag an der B12 kennt. Einmal an der alten B12 bei Ramsau, eigentlich ein Radweg, zum zweiten am anderen Ortsende von Haag im Westen bei der Tankstelle. Beide Übernachtungsmöglichkeiten gibt es allerdings aktuell nicht mehr. Bei Ramsau liegt der Aushub nach den Bauarbeiten der Münchener Straße für Untersuchungen. „Dass die Laster weg sind, ist ein guter Nebeneffekt“, sagt Sissi Schätz. Bei der Tankstelle lagert nun Kies des benachbarten Kiesgrubenbetreibers, damit seinen Fahrzeugen der Weg nicht versperrt ist.
Seither seien, so Soyens Bürgermeister, nachts deutlich mehr Lkw auf der alten Bundesstraße in Soyen, die für Lastwagen über 7,5 Tonnen eigentlich gesperrt ist. Die Fahrer kommen aus vielen Ländern, meist aus Osteuropa. Dicht an dicht stehen sie, hin und wieder müssen Anlieger sogar mit ihren Autos umdrehen, weil sie nicht zu ihren Anwesen abbiegen können.
„Was tun?“, fragte Fischberger in der Gemeinderatssitzung im Oktober, ein extra aufgestelltes Verbotsschild nütze nichts. Klar ist auch, dass die Gemeinde Soyen die Straße nicht komplett sperren möchte, für Milch- oder Viehfahrer soll auch die Parkbucht bleiben. Die Polizei habe dargelegt, dass die Lastwagenfahrer ihre Ruhezeiten einhalten müssten. Die Regelung der Gefahren im Schwerlastverkehr – wie Übermüdung – habe Vorrang vor der Nichtbeachtung des Fahrverbots der Gemeinde.
Hinweiszettel für die Lastwagenfahren – aber in welchen Sprachen? Dixi-Klos – aber wer kümmert sich darum? Die Gemeinde hat den parallel zur B15 verlaufenden Straßenstreifen vom Staat geschenkt bekommen, nachdem die neue B15 gebaut worden war. Zuständig für den auf der Bundesstraße rollenden Verkehr ist das Staatliche Straßenbauamt in Rosenheim, Sanitärräume zu unterhalten ist nicht deren Aufgabe. „Das Problem ist bekannt, es ist nicht toll, irgendwo müssen die Lastwagenfahren ordentlich stehen können“, sagt Bernhard Reiter vom Amt in Rosenheim. Er versteht den Unmut der Gemeinden, denen er nur Umbauten bei der Zufahrt als Lösung des Problems raten kann. Das Problem fehlender Park- oder Rastplätze bleibt entlang der B15 wie auch der B12.
Bernhard Reiter erzählt aber auch von einem Autohof bei Forstinning, der eigentlich gut funktioniere. Lkw-Fahrer zahlen dort acht Euro für die Übernachtung, wenn sie dort etwas essen, wird das gutgeschrieben, „wirtschaftliches Interesse einer Privatperson könnte auch eine Lösung sein“. Dixi-Klos seien auf keinen Fall ratsam, wie auch aus Erfahrung Mülleimer nicht. „Komplett zugemüllt“, „Entsorgungsstation“ für Fernseher oder Schlachtabfälle seien solche Angebote auch schon gewesen.
Lösungen für dieses Problem könnten und sollten von übergeordneten Stellen geregelt werden, das meint Bürgermeisterin Sissi Schätz, das Thema zeige ein „komplettes Versagen der Politik“. Die Lastwagenfahrer bräuchten nun mal ordnungsgemäße Stellmöglichkeiten und Schätz schüttelte den Kopf, weil der Bund genau das Gegenteil tue, so bei der Schließung des eigenen Parkplatzes im Großhaager Forst.
„Entsorgungsstation“ für Fernseher oder Schlachtabfälle
Ähnlich sieht das auch Bürgermeister Josef Kirchmaier von der Nachbargemeinde Maitenbeth. Das Gewerbegebiet und das Feuerwehrhaus sind neben der B12. Sowohl bei der Feuerwehr parken immer wieder fünf bis sechs Lastwagen und dort gibt es Beschwerden, weil die Motoren am Laufen bleiben. Absolutes Halteverbot gilt an der Gewerbestraße, da die Straße nicht so breit ist, dass zwei Fahrzeuge aneinander vorbeikommen. Trotzdem, auch dort stehen nachts einige Lkw.
In Soyen versuchte man, das Parkplatz-Problem erst mit Steinquadern und Warnbaken zu lösen, was nicht funktionierte. Große Steine als Sperre dort sind nicht erlaubt, weil die Steine nicht beweglich, also für die Verkehrsteilnehmer gefährlich sind. Mittlerweile hat man eine andere Lösung gefunden: Der von Lastwagenfahrer als Rast- und Ruheplatz genutzte Bereich wird eine offizielle Baustelle. Bankettkies für Straßensanierungen soll dort gelagert werden, übliche Warnbaken und blinkendes Licht sollen darauf aufmerksam machen.