Baugebiet „Eiselfing-Nord“

Ein Asbestfund und seine Folgen

von Redaktion

Nach dem Asbestfund im Baugebiet „Eiselfing-Nord“ hat die Gemeinde Eiselfing mit den Folgen zu kämpfen. Nicht nur die Kosten für die Entsorgung des belasteten Erdreichs explodieren, auch die Vorschriften werfen immer wieder Fragen auf.

Eiselfing – „Dafür hätten wir uns auch ein neues Feuerwehrauto kaufen können“ – ein wenig Resignation ist aus der Stimme von Georg Reinthaler dann doch herauszuhören. Kunststück: Seit dem Asbestfund auf dem Baugebiet „Eiselfing-Nord“, muss der Bürgermeister viele Fragen beantworten. Eine, die wohl immer wieder gestellt wird, ist die nach den Kosten: Rund 350000 Euro hat die Gemeinde für die Fachentsorgung bisher aufgebracht, rund 400000 Euro werden es wohl noch werden. Eine Entschädigung dafür ist – jedenfalls kurzfristig – nicht in Sicht. „Wir haben Strafanzeige bei der Polizei gestellt und werden natürlich alles versuchen, den Verursacher für den Schaden zu belangen“, versichert der Gemeindechef.

„Die GSB teilt uns nur mit, wohin das Material geliefert werden muss, da sind uns die Hände gebunden.“Georg Bräustetter

Aber der Schaden ist nicht nur finanzieller Natur. Auf einem Teil des Geländes waren bei Baggerarbeiten (wie berichtet) asbesthaltige Eternitplatten freigelegt worden und außerdem altes Bauholz. Nach Untersuchungen durch eine Spezialfirma und einem Gutachten mussten bisher rund 2500 Tonnen an Erdreich weggefahren werden. Ein Großteil des im Baugebiet entdeckten und freigelegten Materials wird an die Grenze zu den neuen Bundesländern in eine Spezialdeponie gebracht – genauer gesagt nach Euerdorf im Landkreis Kissingen.

Rund zehn bis 15 Lastwagen verlassen Eiselfing täglich, um das Material in die rund 400 Kilometer entfernte Deponie zu bringen. In der Regel schicke man eine schriftliche Anfrage mit den Analyseergebnissen an Firmen und hole sich dann ein Angebot ein, erklärt Andreas Bräustetter, Altlastenmanager der beauftragten Firma Zosseder. Nicht aber in diesem Fall. „Bei asbesthaltigem Material haben wir keinen Einfluss auf den Abnehmer“, so Bräustetter, diese Entscheidung treffe alleine die GSB, eine Gesellschaft, die in Bayern seit 45 Jahren für die umweltgerechte Entsorgung von Industrieabfällen verantwortlich ist. „Die GSB teilt uns nur mit, wohin das Material geliefert werden muss, da sind uns die Hände gebunden“, erklärt Bräustetter das Prozedere. Ähnlich verhält es sich mit den Kommunen. „Gemeinden, aber auch die Städte sind – wie jeder Bürger – verpflichtet, entsprechende Fachunternehmen mit der Entsorgung der Abfälle zu beauftragen“, stellt Reinthaler klar.

Nicht ganz soweit wird der restliche, weit weniger belastete Aushub transportiert. Er wird in einem ehemaligen Braunkohlebergwerk nördlich von Regensburg eingelagert. „Wir haben zuerst bei den Grubenbetreibern in der Region nachgefragt. Aber viele von ihnen waren abgeschreckt, weil der Aushub auf einem asbestbelasteten Gelände gefunden wurde“, erklärt Bräustetter. Die Suche nach einem Abnehmer dauerte offenbar. Wochenlang lagerte der Humushaufen, der nur einen ganz geringen Schadstoffgehalt aufwies, neben dem Eiselfinger Baugebiet. „Dass wir den Humus im Gemeindegebiet ausbringen, ist uns vom Landratsamt untersagt worden“, berichtet Reinthaler. Es könne aber nicht angehen, dass man Aushub, der nicht hundertprozentig sauber sei, in „irgendeinem Bergwerk“ einlagern müsse. Das sei schon aus ökologischer Sicht nicht sinnvoll und sprenge jeden Kostenrahmen. „Bei uns in Eiselfing steht die Sanierung des Schulhauses an. Wenn ich schon einen sechsstelligen Betrag für die Entsorgung einplanen muss, ist das finanziell nicht stemmbar“, nennt Reinthaler ein Beispiel.

Der aktuelle Fall in Eiselfing dürfte Wasser auf den Mühlen der Firma Zosseder sein. Die plant seit Längerem eine DK1-Deponie in Odelsham (wie mehrmals berichtet). „Wir brauchen definitiv eine Bauschutt-Deponie in der Region“, fordert Firmenchef Simon Zosseder, „gerade das asbesthaltige Material aus Eiselfing könnte mit wenig Aufwand und deutlicher Kostenersparnis in Odelsham gelagert werden“. Unter anderem die Bürgerinitiative Wasserburger Land versucht seit Jahren, genau dieses Vorhaben zu verhindern. Bürgermeister Georg Reinthaler sitzt ein wenig zwischen den Stühlen: „Ich tue mir schwer, Stellung für eine der beiden Seiten zu beziehen. Schon deshalb, weil sich der geplante Standort nicht auf unserem Gemeindegebiet befindet. Ich kann die Ängste der Anwohner sehr gut verstehen, aber als Vertreter einer Gemeinde, die jetzt massiv betroffen ist, muss es erlaubt sein, offen und ehrlich über dieses Thema zu sprechen. Wir müssen uns ernsthaft Gedanken machen, wo und wie wir den Müll, den unsere Gesellschaft produziert, entsorgen wollen“.

Die Abwägung und finale Entscheidung, ob der seit Jahren diskutierte Standort für eine mögliche DK I-Deponie in Odelsham geografisch und umwelttechnisch geeignet ist, obliege aber „eindeutig der verantwortlichen Regierung von Oberbayern“. Hier seien Einwände und Befürchtungen betroffener Anwohner von den Behörden ebenfalls zu berücksichtigen.

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