Vor 25 Jahren in der Wasserburger Zeitung

Adieu Schwestern, willkommen Krebse

von Redaktion

Nach 130 Jahren verabschieden Stadt und Pfarrerei die letzten sieben „Barmherzigen Schwestern“ aus Wasserburg und würdigen ihre Arbeit am Nächsten, im Altenheim St.Konrad. In Edling halten 900 Edelkrebse Einzug in die Adler Kiesgrube und sollen sich von dort in die regionalen Gewässer ausbreiten.

Wasserburg – Sieben von ihnen waren am Ende noch übrig geblieben. Zu wenige, um die Arbeit im Altenheim St. Konrad noch verrichten zu können. Zwischen Weihnachten und Neujahr verlassen die „Barmherzigen Schwestern“ der Kongregation von St. Vinzenz von Paul Wasserburg – nach über 130 Jahren. Stadt und Stadtpfarrerei verabschiedeten die Schwestern am Christkönigsfest im Rahmen eines festlichen Gottesdienstes in St. Jakob und würdigten deren Wirken in Kranken- und Altenpflege. Die Schwestern hätten ihr Leben lang „gedient und nicht verdient“, erinnerte Stadtpfarrer Ludwig Bauer in seinen Abschiedsworten.

Nachwuchsmangel zwingt die „Barmherzigen Schwestern“ nun zur Aufgabe, ihre Pflichten übernehmen unter der Leitung der Caritas weltliche Kräfte. Die Gräber der Schwestern im Wasserburger Altstadtfriedhof werden auch nach dem Weggang der Schwestern gepflegt, die Stadt übernimmt diese Aufgabe.

Keine Frage war es im Hauptausschuss auch, dass mit städtischen Mitteln als erstes die Grabkreuze der Schwestern restauriert werden.

Edling – Früher gab es sie in praktisch allen heimischen Gewässern: 900 Edelkrebse hat der Kreisfischereiverein Wasserburg jetzt in der Kiesgrube Adler in Edling ausgesetzt und damit einen Versuch gestartet, die Schalentiere wieder anzusiedeln. Wenn alles gut geht, sollen von dort aus auch andere Bäche und Seen bestückt werden. Der Krebs gilt als Gesundheitspolizei des Gewässers. Er ist ein Allesfresser und ernährt sich von Wasserpflanzen, Würmern und Schnecken, verschmäht aber auch tote Fische nicht. Die Tiere werden zwölf bis 15 Jahre alt und etwa 300 Gramm schwer. Wirtschaftlich seien die Tiere für die Fischer nicht interessant, obwohl sie essbar sind, so der Verein. Vielmehr will man die Aktion als „Beitrag zum Natur- und Artenschutz“ verstanden wissen. Die Badegäste brauchen sich übrigens angesichts der respektablen Scheren der bis zu 18 Zentimenter langen Krebse keine Sorgen zu machen. Das Tier ist nachtaktiv und verkriecht sich am Tag.

Weitere Themen

der Woche

Weitere Meldungen in der Woche vom 20. bis zum 26. November 1992:

Tübingen – Die Deutschen haben große Angst vor Europa: 92 Prozent der Bürger sind der Meinung, „dass durch die EG wenige reiche Länder viele strukturschwache Länder mitfinanzieren müssen und dadurch selbst in wirtschaftliche Nöte geraten“. 74 Prozent im Westen und 87 Prozent im Osten sind sich sicher, dass durch die wegfallenden Grenzkontrollen der Kriminalität Tür und Tor geöffnet werden.

Peking – China hat seine bevölkerungspolitischen Zielsetzungen korrigieren müssen. Wie die Familienplanungskommission mitteilte, kann das Ziel, die Einwohner bis zum Jahr 2000 auf 1,2 Milliarden zu begrenzen, nicht eingehalten werden. Es wird mit einer um 100 Millionen höheren Zahl gerechnet.

Rom – Überall in Italien sind Zigaretten ausverkauft, 13,5 Millionen Raucher sitzen auf dem Trockenen. Der Streik der Beschäftigten im Tabakmonopol geht in die vierte Woche. Ganze 86 Angestellte des Monopols zwingen die Nation in die Knie. Für ihre 13000 Kollegen, die sich von Privatisierungsplänen bedroht fühlen, verweigern sie seit Anfang November die Endkontrolle der Zigarettenlieferungen beim Verlassen des Depots. Auf dem Schwarzmarkt liegt der Preis für eine Zigarette schon bei bis zu sechs Mark.

Concordia – Der Katalog „Russian Connection“ einer nordkalifornischen Heiratsvermittlung soll amerikanischen Singles zu russischen Ehefrauen verhelfen. 300 Rubel müssen die heiratswilligen Damen für die Aufnahme in den Katalog zahlen. Die amerikanischen Junggesellen blättern für ein „Jahresabonnement“ rund 650 Dollar hin und können zehn Frauen aus den Katalogen auswählen. Die Geschäftsstelle prüft die Herzensverbindung mithilfe von Fragebögen, dann haben die Damen 90 Tage Zeit, sich für eine Heirat zu entscheiden. Die meisten Frauen geben als Grund für ihren Schritt zu, dass sie in ihrer Heimat keine Zukunft sehen.

Bonn – Die Spitzen der Bonner Regierungskoalition haben sich grundsätzlich auf weitere Milliardenhilfen für den Aufbau der Wirtschaft in Ostdeutschland geeinigt. Es herrsche vor allem Übereinstimmung, dass die „industriellen Kerne“ in den neuen Bundesländern erhalten werden müssten, so ein Sprecher der CDU.

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