Aus dem bauausschuss

Es tut sich was in der Altstadt

von Redaktion

„Ich muss mich entscheiden, ob ich in einem Denkmal leben will oder in einem Haus mit vielen Balkonen.“ Christian Stadler war nicht amüsiert, über die diversen Abweichungen von der Gestaltungssatzung. Seine Kollegen im Bauausschuss auch nicht.

Wasserburg – Gleich fünf Umbauten und Sanierungen von Altstadthäusern hatte der Bauausschuss jetzt auf der Tagesordnung stehen. In vier Fällen wurden Abweichungen von der städtischen Gestaltungssatzung beantragt.

So ist bei der Sanierung des Hauses Kaspar-Aiblinger-Platz 12 nicht nur eine neunte Wohneinheit vorgesehen, für die das Dach moderat angehoben werden soll. Das Dach soll auch Dachflächenfenster und einen Dacheinschnitt bekommen. Auf einen flachen Anbau nach hinten soll eine Terrasse entstehen und im zweiten Obergeschoss ein Balkon. Außerdem will der Bauherr auf der rückwärtigen Fassade auf Sprossenfenster verzichten. Auf den Sprossenfenstern bestanden aber sowohl Bauamt wie Bauausschuss. Die Dachanhebung wäre für Christian Stadlers (Grüne) Begriffe schöner zu lösen und überhaupt nur möglich, wenn der Dachstuhl nicht mehr original wäre. Ist er laut Stadtbaumeisterin nicht, „da gab es mal einen Brand.“ Bei einem Baueinzeldenkmal habe er mit dem Dacheinschnitt Probleme, mit dem Balkon im zweiten Stock – es wäre der zweite Balkon für diese Wohnung – auch. Zumal der wohl auch historisch nicht nachweisbar ist. Damit waren sprossenlose Fenster, Dacheinschnitt und Balkon abgelehnt, den Dachflächenfenstern und der Dachterrasse im ersten Stock müssen die Denkmalschutzbehörden zustimmen, erst dann gilt die Zustimmung der Stadt.

Ganz knapp fiel die Entscheidung bei einem Haus nur ein paar Meter weiter aus: Am Kaspar-Aiblinger-Platz 20 hatte der Bauausschuss der Sanierung schon im September zugestimmt, nur mit den Fenstern gab es noch Probleme. Da lag nun ein überarbeiteter Entwurf vor. In zwei Varianten, die sich nur dadurch unterschieden, dass im obersten Stock auf der Rückseite des Hauses das mittlere Fenster einmal die selbe Größe hat wie die Fenster links und rechts, einmal ein wenig größer ist und an eine ehemalige Ladeluke erinnern soll. Wegen der besseren Beleuchtung des großen Raumes dahinter bevorzugt der Bauherr Variante zwei. Dafür stimmten vier Ausschussmitglieder, drei waren dagegen.

Die Häuser Hofstatt 5 und 7 sind in den oberen Stockwerken schon lange zusammengelegt, die Ladenflächen im Erdgeschoss waren dies bisher nicht. Das soll nun im Zuge einer grundlegenden Sanierung nachgeholt werden. Zur Belichtung und als Rauchabzug sind Dachflächenfenster nötig, eine Dachterrasse ist geplant und an einem Anbau zum Weg „Hinter den Mauern“ soll das Pultdach abgenommen und durch einen Balkon „ersetzt“ werden. Der solle aber, so Stadler, zum einen möglichst filigran gestaltet werden und zweitens ein gutes Stück hinter den Anbau zurückspringen, sonst komme man dem Gegenüber sehr nah. Die Dachterrasse sei okay, sollte aber möglichst flach auf dem Dach liegen und von der Salzsenderzeile aus nicht zu sehen sein, regte er noch an. Die Sanierung dieser Baueinzeldenkmäler ist noch mit den Denkmalschutzbehörden abzusprechen, die Stadt ist mit den Abweichungen einverstanden.

„Mit anderen Worten: Wir hätten‘s problem-

los genehmigt, hätte man uns vorher gefragt?“Christian Stadler

Peter Stenger (SPD) war sauer, dass auf der Salzsenderzeile 6 ungefragt eine Dachterrasse gebaut, der Bauantrag erst nachträglich gestellt wurde. Außerdem zerstöre die Terrasse die Dachlandschaft. Das sah die Stadtbaumeisterin anders: Die Dachterrasse sei zwar für die direkten Nachbarn sicher störend, von der schönen Aussicht aber nur mit viel Mühe zu sehen. „Mit anderen Worten: Wir hätten‘s problemlos genehmigt, hätte man uns vorher gefragt?“ wollte Stadler wissen und erntete ein bestätigendes Nicken von Mechtild Herrmann. Damit war das Thema durch, der Bauausschuss sprach sich für eine Ausnahme von der Gestaltungssatzung aus – vorausgesetzt, die Denkmalschutzbehörden sind einverstanden.

Um die Umnutzung der Ladenfläche im Erdgeschoss ging es am Heisererplatz 3. Dort soll eine Wettannahmestelle einziehen. Das geht, wenn dort keine Live-Wetten möglich sind, es keine „Vergnügungsstätte mit kommerzieller Unterhaltung“ – sprich ein Wettbüro – ist. Dem Beschlussvorschlag stimmte der Ausschuss zu.

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