Schnaitsee – „Hobt’s mi?“, rief Prof. Rowley gleich zu Beginn seines Vortrags ins Publikum. Der bekannte Sprachforscher mit englischen Wurzeln hatte etwa 180 Besucher in den Festsaal des Schnaitseer Wirth gelockt. Ein Drittel davon waren Auswärtige, kein Wunder, denn Rowley ist bayernweit bekannt durch die Sendung „Wir in Bayern“, wo er bisher noch keinem Anrufer die richtige Lösung („Host mi?“) schuldig geblieben ist über die Bedeutung der schwierigsten Mundartwörter, nicht nur der altbairischen, sondern auch der fränkischen und schwäbischen – die gehören ja schließlich auch zu Bayern.
Und so stellte Heimatvereins-Vorsitzender Reinhold Schuhbeck den Zuhörern gleich zu Beginn in Aussicht, selber am Ende des Vortrags den Herrn Professor mit ausgefallenen Wörtern testen zu können. Dass Rowley überhaupt von Augsburg ins entlegene Schnaitsee fand, ist dem Verein für bairische Sprache Chiemgau zu verdanken, dessen Vorsitzender Rudi Mörtl auf diesem Gebiet exzellente Verbindungen pflegt.
Was dann keiner erwartet hatte: Prof. Rowley hielt einen hochwissenschaftlichen Vortrag über die bairische Sprache, aber so locker und witzig, dass alle begeistert waren. Und fünf Musikanten vom Musikverein trugen mit ihrer feinen bairischen Tanzlmusik das ihrige zum Gelingen des Abends bei.
Der Inn ist die ungefähre Linie zwischen einem westlichen und östlichen oberbairischen Sprachraum
Zu Beginn stellte der Redner klar, dass Bairisch kein Dialekt, sondern eine Sprache ist, durch die sogenannte Lautverschiebung zu unterscheiden von der niederdeutschen, sprich norddeutschen Sprache. Als „Hochdeutsch“ bezeichnet man richtigerweise nur das, was wir schreiben, also die Schriftsprache. Zahlreiche Beispiele machten diese Aussage verständlich, und die Zuhörer beteiligten sich mit Vergnügen beim Ausprobieren der unterschiedlichen Aussprachen. Richtig lustig wurde es dann beim Vergleich des Oberbairischen mit dem Oberpfälzischen, Fränkischen und Schwäbischen, wobei natürlich der alte Kalauer nicht fehlen durfte: „Wie bringt man die Oberpfälzer zum Bellen?“. Aber Rowley ging noch viel weiter ins Detail. Mithilfe von Landkarten klärte er die Schnaitseer darüber auf, dass sie hart an einer Sprachgrenze leben, und dass dabei der Inn die ungefähre Linie zwischen einem westlichen und östlichen oberbairischen Sprachraum ist. Dabei fragte er immer wieder die Zuhörer, wie sie das eine oder andere Wort aussprechen.
Woher weiß der Professor eigentlich, wie die Schnaitseer, Wasserburger oder Laufener ihr Bairisch sprechen? Das hängt mit den Fragebögen zusammen, welche die Akademie der Wissenschaften seit über 100 Jahren an ehrenamtliche lokale Sprachforscher im ganzen Land verschickt. Für Schnaitsee waren das bisher die Hauptlehrer Josef Schäffler und Ludwig Mair, von denen Beispiele gezeigt wurden. Und so war Rowley hocherfreut, als eine Schnaitseerin mit Peterskirchener Wurzeln sich bereit erklärte, diese Arbeit fortzuführen.
Am Ende des Abends waren noch zwei Fragen zu klären: Was bedeutet der bei uns heute noch vorkommende Ausdruck „gnetta“, und wieso bekam ausgerechnet ein gebürtiger Engländer die Leitung der Kommission zur Erstellung des Bayerischen Wörterbuchs?
Die erste Frage konnte auch Rowley nicht klären, so dass sich am Ende im Publikum die Ableitungen von „Gnade“ und „Not“ unversöhnlich gegenüberstanden. Leichter war die Antwort, warum ausgerechnet ein Engländer die Kommission Bayerisches Wörterbuch leiten darf: „Hauptsach, es is koa Preiß!“