Hans Urban – der energiewende verschrieben

Hobby? „Das ist mein Hobby“

von Redaktion

Was für eine Welt wollen wir unseren Kindern hinterlassen? Diese Frage treibt Hans Urban aus Haag schon sehr lange an. Schnell kommt er dabei auf das Thema „Energiewende“. Damit befasst er sich so nachdrücklich und enthusiastisch, dass er mit seinen Ideen zur Fotovoltaik, Energiewende und zur Elektro-Mobilität über Haag hinaus bekannt ist.

Haag – Hans Urban hat damit eine Tätigkeit gefunden, die ihm sehr gut liegt. Hobby? „Das ist mein Hobby“, meint der 53-Jährige, der routiniert mit Stift und Papier Zusammenhänge der elektrischen Energiegewinnung ruckzuck aufmalt. Was wann und wo, bei welchen Kosten geschieht, das schüttelt er aus dem Ärmel.

Dabei stand er schon mehrmals vor schwierigen Herausforderungen, bei denen ihm oft die pragmatische Sicht seines Vaters half. Von ihm hatte er aus der Landwirtschaft Handwerkliches gelernt, wie den Umgang mit dem Schweißgerät oder der Motorsäge, aber auch ganz einfach rationelles Arbeiten und das Vertrauen auf den gesunden Menschenverstand. „Modernes Projektmanagement ist auch nichts anderes“, ist er überzeugt.

In der Schule – später im Wasserburger Gymnasium – war er recht gut, doch hingen die Noten teilweise auch durchaus „stark vom Lehrer ab, aber die meisten waren wirklich engagiert und manche haben mich auch sicher geprägt“. Ähnlich wechselhaft erging es ihm beim Elektrotechnik-Studium an der Technischen Universität in München, bei dem er die ersten vier Semester „dachte, ich bin im falschen Film“. Der Fachbezug fehlte für ihn völlig, die Professoren lebten „teilweise in ihrer eigenen Welt, ich hab oft nicht viel verstanden“ – bei einem Abiturschnitt von 1,7. Ein Wert, den er aber beim Studium letztendlich exakt wiederholen konnte, weil die zweite Hälfte den Bezug zur Praxis dann wieder herstellte. Die Frage, wer lernt schon gerne etwas, wenn er nicht weiß wofür?, beschäftigte ihn in dieser Zeit.

Ganz unspektakulär über das Arbeitsamt gelangte er zu seiner ersten Anstellung bei der Firma Schaltbau in München. Das Unternehmen benötigte modernere Strukturen, an deren Aufbau der junge Ingenieur beteiligt war. Im Kontrast zu alten verstaubten Kommunikationsformen im Betrieb einerseits standen Entwicklungen an der ersten damals brandneuen ICE-Generation mit Testfahrten durch ganz Europa andererseits. Nach zwölf Jahren kam er durch die Bekanntschaft in der Haager Kolpingsfamilie mit Ludwig Schletter ins Gespräch, der bot ihm eine Stelle in dessen wachsendem Unternehmen an. Hier kümmerte sich Urban um Entwicklung, Vertrieb und Marktaufbau der Montagesysteme für Solaranlagen. „Die ganze Technologie war damals ganz neu“, so Urban, „im Markt wurde noch viel gebastelt, und variable Baukastensysteme mit Qualitätsnachweis und mitgelieferten statischen Berechnungen waren genau das, was der Kunde verlangte. Da hat mir auch das Pragmatische wieder viel geholfen.“ Sehr früh habe man die Kundschaft mit vielen Informationen versorgt, Kurse und Vorträge gehalten, das war in der noch jungen Solarbranche gefragt.

Die Firma Schletter wuchs kräftig. In diese Zeit fiel der Neubau in Kirchdorf, die weltweite Expansion, aber später auch der Einbruch der Auftragslage mit Neuausrichtung im vorigen Jahr, die er nicht mehr mittragen wollte. An diese 16 Jahre, zuletzt als Prokurist, denkt er durchaus zwiespältig zurück. Aber man konnte trotz unterschiedlicher Meinungen „sehr viel bewegen, jede Menge lernen und vor allem auch viele interessante Menschen kennenlernen.“

Heute betreibt Hans Urban freiberuflich ein Ingenieurbüro. Er berät Solarfirmen und aktuell auch die hiesigen Kraftwerke. Privat versucht Hans Urban, mit seinem Wissen andere vom notwendigen Weg der Energiewende zu überzeugen. Das geschieht mit Vorträgen und Aktionen wie zuletzt dem Elektro-Mobilitätstag in Haag. Er will zeigen, dass umweltfreundliche Energiegewinnung funktioniert und unterhält daher auch selbst etliche Fotovoltaikanlagen. Das sei durchaus spannend, „man lernt dazu und es ist auch eine Art Altersversorgung.“ Hinzu komme, dass man jetzt nicht wisse, wohin mit dem Atommüll, die Entwicklung daraus sei mit ihren Folgen noch gar nicht abzusehen. Die aktuelle Flüchtlingskrise sei nichts gegen die Menge an zu erwartenden Klimaflüchtlingen, ist er überzeugt, wenn dem Klimawandel nicht jetzt und sofort aktiv entgegengesteuert wird. „Es gibt ja die technischen Lösungen, das war für mich schon von klein auf faszinierend.“ Umso mehr berührt ihn Energieverschwendung und das stetig wachsende CO2-Problem. Spritschluckende SUVs im Straßenverkehr etwa hält er nicht dafür geeignet, die Energiewende voranzubringen. Seine Familie trägt dieses Denken durchaus mit, wenn auch manchmal „die Begeisterung nicht immer sofort erkennbar ist“, drückt er es diplomatisch aus.

„Es gibt ja die technischen Lösungen, das war für mich schon von klein auf faszinierend“ Hans Urban

Doch, ein paar andere Hobbys gibt es. Abschalten gelingt ihm zum Beispiel gut bei der Waldarbeit. Und da ist vor allem auch der Bezug zur Kirche. Zusammen mit seiner Frau Christiane ist er Lektor und neuerdings auch Wortgottesdienstleiter. Bei Umweltthemen sei angesichts der göttlichen Schöpfung das Engagement der Kirche durchaus noch ausbaufähig, meint er. Papst Franziskus sei ja gerade auf diesem Gebiet ein großes Vorbild, die Umsetzung seiner Ideen suche man in der Kirche leider oft noch vergebens.

Singen und lustige Geschichten ausdenken, das kann er gut im Haager Viergesang zusammen mit seiner Frau Christiane und Barbara und Walter Glück. Manchmal begleitet das Quartett Toni Deuschl mit seiner Harfe. Das Repertoire reicht von geistlicher Musik bis zum Haager Starkbierfest, zu dem er seit einigen Jahren die Lieder und teilweise auch die Texte für das Singspiel verfasst, ein Talent, das ihm seine Mutter vererbt habe.

Kurz und bündig

Was gibt Ihrem Leben Sinn?

Die Familie, mein Einsatz für die Gesellschaft und für die Umwelt.

Was können Sie nicht ausstehen?

Leute, die für Argumente nicht aufgeschlossen sind und Ungerechtigkeit in jeder Form.

Was würden Sie gerne einmal tun?

Eigentlich bin ich ganz zufrieden. Eine Europa-Tour mit dem E-Auto wäre ganz nett. Oder wieso nicht ein Fernsehauftritt mit dem Haager Viergesang?

Wann sind Sie an Ihre Grenzen gestoßen?

In so manchen Diskussionen mit anderen.

Worauf sind Sie stolz?

Auf meine Kinder und meine Familie, auf meine Heimat und auf unsere Kultur.

Steckbrief

Name: Hans Urban

Beruf: Diplom-Ingenieur für Elektrotechnik

Geboren: 14. April 1964

Familienstand: verheiratet, drei Kinder

Wohnort: Haag

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