zum Tod von Pater Josef Stemmer

Erfülltes Leben in der Seelsorge

von Redaktion

Nur wenige Tage vor seinem 85. Geburtstag verstarb Geistlicher Rat Pater Josef Stemmer im Kloster der Redemptoristen in Gars. Unter großer Anteilnahme der Bevölkerung wurde er auf dem Klosterfriedhof beigesetzt. Die Pfarr- und Klosterkirche Gars konnte die Gläubigen kaum fassen, die gekommen waren, um das Requiem für Pater Stemmer mitzufeiern und ihn auf seinem letzten Weg zu begleiten.

Gars – An den Beginn des Gottesdienstes stellte Provinzvikar Pater Peter Renju, Hauptzelebrant unter 30 Geistlichen, die Überzeugung, dass Pater Josef Stemmer ein erfülltes Leben in die Hände seines Schöpfers zurückgegeben habe. Die sich anschließenden biblischen Texte, die Lesung aus der Offenbarung des Johannes über den neuen Himmel und die neue Erde und das Evangelium über die klugen und törichten Jungfrauen, stellten die zentrale, auf die Zukunft gerichtete Botschaft Jesu vom Reich Gottes, die auch das Leben des Verstorbenen bestimmt hatte, in den Mittelpunkt. „Das Ziel unseres Lebens ist nicht das Nichts, sondern der neue Himmel und die neue Erde, in der Leid nicht mehr sein und Gott alle Tränen abwischen wird“, führte Pater Edmund Hipp in seiner Predigt aus. „Bei Gott ist Erlösung und Leben in Fülle.“ An diesem Leitspruch der Redemptoristen habe Pater Josef Stemmer sein Leben ausgerichtet. Wie die klugen Jungfrauen im Evangelium sei er wachsam und bereit gewesen, als Gott ihn zu sich gerufen habe. Mit Leib und Seele sei er Priester gewesen, schon auf seinem Primizbild habe gestanden „Für euch geweiht, für euch bin ich Priester“, das habe Pater Stemmer mit Überzeugung gelebt.

„Das Ziel unseres Lebens ist nicht das Nichts, sondern der neue Himmel und die neue Erde, in der Leid nicht mehr sein und Gott alle Tränen abwischen wird.“ Pater Edmund Hipp

Geboren wurde Josef Stemmer am 21. Dezember 1932 in Schonstett, wo sein Vater bis zur Nazizeit Bürgermeister war. Da die Mutter früh verstarb, wuchs Josef, sechstes Kind der Familie, bei Verwandten auf. Nach dem Besuch der Volksschule erlernte er das Müllerhandwerk in Stetten bei Amerang. Als er dort im Jahr 1951 eine Primiz erlebte, reifte in ihm der Plan, Priester zu werden. Dieses Ziel vor Augen, besuchte er das Spätberufenenseminar in Fürstenried, legte das Abitur ab und trat in das Noviziat der Redemptoristen in Gars ein. Von 1957 bis 1963 studierte er an der damaligen Ordenshochschule Philosophie und Theologie. Julius Kardinal Döpfner weihte ihn am 28. April 1963 zum Priester. Nach dem Abschluss seines Noviziats und nach der Profess übernahm er im Orden verschiedene Aufgaben: Im Internat Forchheim wirkte er als Präfekt, dann folgten Aushilfen in Gars, seelsorgliche Tätigkeiten als Vikar in Stuttgart – Botnang, in Daugendorf und als Pfarradministrator in Zell und Bechingen in der Nähe von Riedlingen an der Donau. Das Jahr 1973 führte ihn als Kaplan nach Gars zurück, wo er ab 1980 das Amt des Pfarrers innehatte und dann auch Leiter des Pfarrverbandes Gars mit Au, Mittergars, Lengmoos und Wang wurde.

Bis zu seinem Ruhestand im Jahr 2002 wirkte der engagierte, allseits beliebte Seelsorger, der es in seiner unverwechselbaren humorvollen Art immer verstand, Menschen anzusprechen und ihnen seelsorglich nahe zu sein, überaus erfolgreich im Pfarrverband. Wohl wenige vermochte es zu verwundern, dass Pater Stemmer im Ruhestand noch über weitere zehn Jahre die Kuratiegemeinde Jettenbach mit Grafengars als Seelsorger betreute.

Als Würdigung seiner Arbeit wurde ihm von kirchlicher Seite die Ernennung zum Geistlichen Rat zuteil. Die Ehrenbürgerwürde der Gemeinden Gars, Unterreit und Jettenbach, zudem die Ehrenmedaille in Bronze der Gemeinde Jettenbach legen weiterhin beredtes Zeugnis davon ab, welche Anerkennung sein Wirken auch von weltlicher Seite erfuhr.

Bis in jüngste Zeit übernahm Pater Stemmer Aushilfen in verschiedenen Pfarreien. Mit wachem Geist verfolgte er alle neuen Entwicklungen der Zeit. Solange er konnte, ging er in die Berge, wo er über Jahre hin Bergmessen feierte. Sein Interesse galt auch der Kunst, bei zahlreichen Kirchenführungen gab er sein Wissen weiter und besuchte noch in jüngster Zeit Kunstausstellungen. In den deutsch-französischen Partnerschaftsvereinen Gars und Jettenbach war er aktives Mitglied, er lernte Französisch, nahm an Reisen nach Frankreich teil und gestaltete mit den französischen Geistlichen die sonntäglichen Eucharistiefeiern. Sein letztes großes Fest, sein 60-jähriges „diamantenes“ Professjubiläum, konnte Pater Stemmer noch in diesem Jahr am 1. September feiern.

Nach dem Gottesdienst und bevor Rektor Pater Josef Schwemmer die Zeremonie auf dem Friedhof des Klosters leitete, wurde der Verstorbene durch Nachrufe geehrt. Monsignore Thomas Schlichting sprach im Auftrag von Kardinal Reinhard Marx, Petra Eder bedankte sich im Namen des Pfarrverbandsrats, die Bürgermeister Norbert Strahllechner und Gerhard Forstmeier würdigten Pater Stemmer als ehemaligen Seelsorger der Gemeinden Gars und Unterreit. Konrad Pfaffenberger vertrat den Pfarrgemeinderat von Jettenbach und Karl Gaigl sprach im Auftrag des Alpenvereins, Sektion Haag. Im Vordergrund all dieser Nachrufe standen Anerkennung und Dankbarkeit für die Verdienste Pater Stemmers als Seelsorger und als Mensch, der sich für seine Aufgaben eingesetzt habe, bis ihn die Kräfte verließen.

Insgesamt 14 Fahnenabordnungen von Vereinen gaben dem Trauergottesdienst einen feierlichen Rahmen. Für die würdige musikalische Gestaltung sorgten die Chorgemeinschaft Mariä Himmelfahrt Gars, die Kirchenchöre aus Mittergars und Jettenbach sowie die Blechbläser des Garser Musikvereins.

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