Die Schöne aus Mexiko

von Redaktion

Eigentlich sind Weihnachtssterne Mexikaner, den ersten brachte Alexander von Humboldt 1804 nach Deutschland. Seit den 50er-Jahren fand er auch in Deutschland immer mehr Gefallen. Die dunkelrote Blüte und die tannengrünen Blätter passen gut zur Weihnachtszeit. Die Pflanze lässt sich aber auch Moden anpassen und so gibt es sie ab November in Supermärkten, Baumärkten, bei Gärtnereien, überall millionenfach – mittlerweile mit hellgelben Blüten, poppig pinkfarben, heuer beliebt gesprenkelte Blüten. Wie der schönen Mexikanerin das gefällt?

Wasserburg – „Die sind gestresst, wenn sie als Jungpflanze hier ankommen“, sagt Gärtnermeister Rainer Steidle vom Attler Markt. Dort stehen die Weihnachtssterne in den verschiedenen Farben, große und kleinere, in Reih und Glied auf den Tischen.

„Der Weihnachtsstern bringt schon eine schöne Atmosphäre in den Raum“, sagt Steidle und erzählt viel und lange wie es geht, bis die Spitzen der Blüten nach oben schauen, die Pflanze kräftig ist, wie das geht, dass man lange Freude am Weihnachtsstern hat, aber auch wie aufwendig es ist, die kleine Jungpflanze zum stattlichen Weihnachtsstern zu bringen, möglichst ohne Chemie.

In der Gärtnerei der Stiftung Attl gibt es keine chemikalischen Pflanzenschutzmittel. Seit vielen Jahren beschäftigt sich der Gärtnermeister im Bereich Gemüsebau, bei Jungpflanzen und Kräutern mit effektiven Mikroorganismen, Nützlingen, auch Homöopathie. Seit fünf Jahren arbeitet Steidle auch beim Bundesprojekt Bio-Zierpflanzenbau mit. „Chemische Pflanzenschutzmittel vergiften unsere Böden. Deshalb können wir diese Anwendung nicht mehr verantworten. Der Umstieg auf natürliche Pflanzenstärkende Präparate verschaffte uns viel Erleichterung, weil wir Gärtner ja ständig mit Pflanzen arbeiten“, stellt Rainer Steidle fest.

Die Erfahrungen: Es funktioniert auch ohne Chemie. Auch bei den Weihnachtssternen, „weniger Verlust wie bei konventionellen Verfahren bei unseren 3000 Jungpflanzen“, sagt Steidle. Allerdings halt auch ein bisschen aufwendiger, mehr Zeit, höhere Kosten für die biologischen Mittel für die Pflanzen.

Ganz unbelastete Sterne gibt es

noch nicht

Die meisten Weihnachtsstern-Jungpflanzen kommen aus Afrika, die Reise dauert zwei bis drei Tage, all die vielen Millionen unterliegen gleichen Quarantänebestimmungen, alle müssen sauber in Deutschland ankommen, was nicht heißt, dass sie nicht mit Chemie behandelt worden sind. Auch nach Attel kommen Jungpflanzen aus Afrika, ein kleiner Teil aus Südtirol, wo für Jungpflanzen gegen tierische Schäden Nützlinge eingesetzt werden, „ganz unbelastete Jungsterne gibt es noch nicht“, erzählt der Gärtnermeister. Mutterpflanzenhaltung in Attel sei undenkbar, viel zu intensiv über das ganze Jahr. Der Energieaufwand für Wärme, Licht oder auch Dunkelheit im Sommer mache ökologisch keinen Sinn.

Je nachdem, wo das Ziel der Jungpflanze ist, geht es unterschiedlich weiter mit ihnen. Wenn sie im Juni in Attel gestresst ankommen, vier bis fünf Zentimeter groß, mit kleinen Blättern und ein paar kleinen Würzelchen, bekommen sie „zur Begrüßung“ einen Topf mit dort selber gemischter Erde, begossen mit effizienten Mikroorganismen, Molkepulver, Homöopathie zur Entgiftung und zum Stressabbau. „Die Entgiftung beginnt sofort, der Stress ist weg, die Blattstellung wird anders, auch die Farbe der Blüte, die Pflanze lebt ja, sie macht mit und sieht gleich heiterer aus“, beschreibt das Rainer Steidle, der damit auch die besondere Atmosphäre meint, die der Weihnachtsstern ausstrahlt.

Und dann beginnt die wochenlange Zeit der Hege und Pflege einer in Attel etwas längeren Kulturzeit. Täglich werden die Sterne beobachtet, bei der großen Zahl der Sterne brauche es auch Erfahrung und Gespür, was welche Pflanze wann braucht.

Besonders sensibel sei der Stern bei Wasser, zu trocken, dann lässt er gleich Blüten und Blätter hängen, zuviel Wasser lasse die Wurzeln nach spätestens zwei Tagen absterben, Brausen vertrage er nicht, wenn ein einzelnes Blatt abfällt, mache dem Stern das nichts.

Rat des Gärtnermeisters

Der Rat von Rainer Steidle an Weihnachtssternkäufer: Sich für alles interessieren, was mit der Pflanze bisher gemacht wurde, wo sie herkommt, was gespritzt wurde. Es gehe entweder mit Chemie oder ohne, beides gehe nicht. Ohne Chemie habe die Pflanze keine Krankheiten und keine Schädlinge und sie sei ausreichend gestärkt. „Der Weihnachtstern hat eine andere Vitalität, eine andere Ausstrahlung“.

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