Katharina Bauer – gegen das Klischee

„Bloß nicht entmutigen lassen“

von Redaktion

„Frauen und Technik – das passt nicht zusammen!“ Zum Glück ist dieses Klischee überholt. Wirklich? „Frauen werden in technischen Berufen besser akzeptiert als früher. Aber das Schubladendenken ist nach wie vor vorhanden“, sagt Katharina Bauer. Die 27-Jährige weiß, wovon sie spricht.

Schönberg – Katharina Bauer studiert in Rosenheim Wirtschaftsingenieurwesen und hat gerade erst einen im wahrsten Sinne des Wortes ausgezeichneten Bachelor-Abschluss hingelegt. Für ihre Arbeit mit dem Titel „Konzipierung einer OEE-Datenerfassung für den gesamten Backrohr-Fertigungs- und Logistikprozess auf Basis eines bestehenden MES-Systems und Umsetzung einer Pilotanwendung“ bekam die junge Frau vom bayerischen Wissenschaftsministerium einen mit 2000 Euro dotieren Preis. Diese begehrte Auszeichnung wird seit 1982 jährlich an nur fünf Frauen vergeben. „Darauf bin ich sehr stolz“, erzählt Katharina, „der Fleiß hat sich gelohnt!“ Sie hat den Abschluss in der Regelstudienzeit von sieben Semestern geschafft. Schon allein das ist bemerkenswert: etwa die Hälfte ihrer Kommilitonen ist im Laufe des Studiums gescheitert.

„Ich habe lieber mit Matchboxautos, als mit Puppen gespielt.“ Katharina Bauer

Jetzt setzt die gebürtige Schönbergerin einen Masterstudiengang obendrauf, für die Masterarbeit im Frühjahr 2018 sucht sie gerade ein Unternehmen. „Als Wirtschaftsingenieurin kann ich viele Aufgaben übernehmen“, sagt Bauer. Mögliche Stellen wären vor allem im Produktions- und Logistikbereich – beispielsweise in der Fertigungssteuerung oder in der Fabrikplanung. „Ich bin für viele Themen offen, auf jeden Fall etwas im technischen Bereich“.

Dass der sympathischen jungen Frau viele Wege offen stehen, liegt auch an ihrer doch recht umfangreichen Qualifikation. „Ich wollte nach dem Abi zuerst einmal die echte Berufswelt kennenlernen“. Also hat sie zunächst eine Ausbildung zur Industriekauffrau abgeschlossen und gleichzeitig noch eine Weiterbildung zur Fremdsprachenkorrespondentin für Englisch gemacht. Erste Erfahrungen in der Arbeitswelt sammelte Katharina beim Automobilzulieferer Dräxlmaier in Vilsbiburg.

Ihr Studium finanziert sich die ehrgeizige junge Frau selbst. „Ich arbeite seit acht Jahren nebenher bei einer kleinen Firma für Veranstaltungstechnik. Das ist eigentlich mehr ein Hobby, als ein Job und für mich ein schöner Ausgleich zum Studium“, lacht Katharina, „und am liebsten kümmere ich mich um die Lichttechnik.“ Sprich: Sie plant, wann welcher Scheinwerfer beispielsweise auf eine Bühne strahlt, richtet die Lampen aus, kümmert sich um Farb- und Lichteffekte und hat ein Auge drauf, dass alles reibungslos abläuft. „Da geht es auch viel um Programmierung“. Bei einem Auftrag dieser Art hat es vor eineinhalb Jahren kräftig gefunkt, aber nicht wegen falscher Lampen-Anschlüsse, sondern zwischen ihr und ihrem heutigen Freund und Lebensgefährten Christian. Die beiden ergänzen sich nicht nur in der Freizeit, sie schwimmen auch beruflich auf der gleichen Welle: Der 32-Jährige ist Energietechnik-Ingenieur. Zurzeit baut das Paar gerade an einem gemeinsamen Haus in der Nähe von Christians Heimat Taufkirchen.

Noch eine Leidenschaft, die beide teilen, ist eher außergewöhnlich: „Ich fahre wahnsinnig gerne Achterbahn“, erzählt Katharina mit einem Augenzwinkern, „und Christian fährt mit!“. Zwei Tage im Europa-Park Rust seien wie drei Wochen Urlaub, schwärmt Katharina und verrät dann, dass sie sogar die Zeit dort akribisch plant. „Ich schaue, wann Schulferien sind, auch in denangrenzenden Ländern Frankreich, Liechtenstein und der Schweiz“, erklärt sie. Außerhalb der Ferien gäbe es erfahrungsgemäß einige Tage, an denen nicht so viele Menschen im Park wären.

Für Technik hat sich Katharina schon als Kind interessiert. „Ich habe lieber mit Matchboxautos, als mit Puppen gespielt“, erinnert sie sich. Von wem die Tochter eines Maurers und einer Verkäuferin diese Leidenschaft in die Wiege gelegt bekommen hat, ist nicht so ganz geklärt. Doch scheint es eher der väterliche Part der Familie zu sein, denn ihr jüngerer Bruder studiert Maschinenbau, während die ebenfalls jüngere Schwester Erzieherin geworden ist. „In meinem Umfeld waren anfangs nicht alle davon begeistert, dass ich eine technische Richtung einschlage. Aber mittlerweile hat sich das gelegt“, berichtet die Studentin.

Sicherlich spielt dabei auch eine Rolle, dass die 27-Jährige den Preis von der Staatsregierung bekam – so was macht natürlich Eindruck. Katharina möchte auch andere junge Frauen motivieren, einen technischen Beruf zu ergreifen. „Je mehr in diese Richtung gehen, desto schneller kann ein Umdenken in den Köpfen stattfinden, dass Frauen in diesen Bereichen doch etwas zu suchen haben. Und kaum ein Unternehmen kann es sich heute noch leisten, Frauen mit technischem Abschluss nicht einzustellen“. Dafür müsse man aber Selbstbewusstsein zeigen und ehrgeizig sein. Ihr Rat: „Das mit ganzen Herzen machen, wohinter man zu einhundert Prozent steht und sich nicht von anderen entmutigen lassen!“ Dann stellt sich der Erfolg auch ein.

Kurz und bündig

Name: Katharina Bauer

Beruf: Studentin

Geboren: 9. November 1990

Familienstand: ledig

Wohnort: Schönberg (Landkreis Mühldorf)

Steckbrief

Was gibt Ihrem Leben Sinn?

Ich bin froh, in einer Gesellschaft zu leben, die mir die Möglichkeit gibt, beruflich das zu machen, was ich wirklich will. Damit kann ich mich sinnvoll einbringen, weil ich voll und ganz hinter dem stehe, was ich mache.

Was können Sie nicht ausstehen?

Menschen, die eine große Klappe haben, hinter der nichts steckt.

Was würden Sie gerne einmal tun?

Fallschirmspringen

Wann sind Sie an Ihre Grenzen gestoßen?

Als ich eine Absage für einen dualen Studienplatz bekommen habe, der mir mündlich fest zugesagt war. Doch wie heißt es so schön ‚die eine Tür geht zu, dafür eine andere auf‘ – im Nachhinein hat sich herausgestellt, dass das ganz gut so war.

Worauf sind Sie stolz?

Dass ich einen so guten Bachelor-Abschluss in einer von Männern dominierten Studienrichtung geschafft habe und damit die beste Absolventin meines Jahrgangs war.

Artikel 10 von 11