Wasserburg – Zum ersten Mal seit mehr als 20 Jahren wird die Stadt Wasserburg zum Jahreswechsel keinen gültigen Haushaltsplan haben. Der Stadtrat verschob die Beschlussfassung, nachdem vom Kämmerer überraschend neue Zahlen vorgelegt worden waren. Erst Stunden vor der Sitzung war der Kämmerei ein Fehler aufgefallen, der gravierende Auswirkungen hatte. Für 1992 waren Schulden in Höhe von elf Millionen Mark vorgesehen und man hatte sich schon gefreut, dass davon nur sechs Millionen in Anspruch genommen werden mussten. Dann kam die Enttäuschung: Ein Kassenkredit in Höhe von 2,5 Millionen war übersehen worden. Da außerdem die noch eingeplanten Einnahmen aus Grundstückverkäufen in der Burgau 1992 nicht zu tragen kommen, wird man jetzt doch zehn Millionen brauchen. Die neuen Zahlen sorgten in der Sitzung für zahlreiche Diskussionen und erhebliche Verwirrung – die Stadträte wollen den Haushalt nun am 14. Januar verabschieden.
Noch ist die „offene Behindertenarbeit“ der Stiftung Attl am Beginn. „Wir wollten einfach anfangen“, sagt Direktor Alfred Eiblmaier. Seit Anfang November ist das Attler Projekt offiziell genehmigt und bezuschusst sowie mit einer halben Planstelle ausgestattet. Die Heilpädagogin Rosi Fuchs-Ledermann hat angefangen, Kontakt zu Familien mit Menschen mit Behinderung aufzunehmen. Denn das Ziel ist, mit einem ambulanten Dienst die Familien zu entlasten und dem Menschen mit Behinderung so letztlich zu ermöglichen, dass er in seinem gewohnten Umfeld bleiben kann. Um sich ein Bild zu machen, was notwendig ist, fährt Rosi Fuchs-Ledermann zur Zeit zu den Familien der von Attl extern betreuten Menschen mit Behinderung. Ihre Arbeit steckt zwar noch in den Kinderschuhen, aber sie hat bereits festgestellt, dass es zwei Gruppen gibt: Bei der einen ist die Versorgung durch Angehörige gut, sinnvolle Freizeitbeschäftigung steht im Vordergrund. Beratung und konkrete Hilfe ist bei der anderen Gruppe gefragt, bei der die Eltern für die Betreuung meist zu alt sind. Weitere Meldungen in der Woche vom 11. bis zum 17. Dezember 1992:
Brüssel – Deutschland will seine Hilfe für Somalia deutlich verstärken. Bundesverteidigungsminister Volker Rühe gab bekannt, dass die Bundeswehr die Zahl der Hilfsflüge nach Somalia um ein Vielfaches steigern werde. Angesichts der katastrophalen Lage mit täglich 3000 an Hunger sterbenden Menschen müsse so rasch wie möglich gehandelt werden.
Tel Aviv – Auch strenggläubige Juden in Israel können sich jetzt einem weltlichen Vergnügen hingeben und in der ersten orthodoxen Discothek des Landes zu moderner Popmusik tanzen. Das Tanzlokal „Hallelujah“ wurde auf Initiative einiger Religionsstudenten in Tel Aviv eröffnet. Orthodoxe Juden können „weltliche“ Diskotheken nicht besuchen, weil sie „unzüchtige“ Kleidung ablehnen und unverheiratete Paare laut Tradition nicht miteinander tanzen dürfen.
München – Die Bundesbahn führt den „Doppeldecker“ wieder ein. Zweistöckige Personenwägen, wie sie schon seit Jahren bei der Reichsbahn, in Belgien und den Niederlanden zum Bahn-Alltag gehören, werden künftig zunehmend auch das Bild der Bundesbahn prägen.
Bonn – Auf vielen Hauptschlachtfeldern des Zweiten Weltkriegs in der ehemaligen Sowjetunion liegen auch 47 Jahre nach Kriegsende Tausende von Gefallenen unbeerdigt. Kanzler Helmut Kohl soll deshalb bei seiner Reise nach Moskau ein „Kriegsgräberabkommen“ schließen. Danach könnten auch deutsche Bundeswehr-Soldaten mithelfen, Tote zu beerdigen und Gräber anzulegen.
München – Jährlich gehen dem Amt für Abfallwirtschaft fünf Millionen Mark durch die Lappen. Geld bekommt die Müllabfuhr nur für registrierte Tonnen, clevere Hausbesitzer stellen zusätzliche Behälter vor die Tür und sparen mit ihren „Schwarztonnen“. Das vorsintflutliche Abrechnungssystem der Stadt macht es möglich: Auf kleinen Karteikärtchen sind Adresse, Stellplatz und Zahl der Tonnen vermerkt.hla