Wasserburg – Die Straßenbeleuchtung war noch an, da ging es am südlichen Kirchhofplatz schon rund: Erst kam der Kran, dann kamen die langen, dicken Balken und dann war die Nachbarschaft wach. Max Seitz ärgerte sich nicht lange, griff lieber zur Kamera. „Es war ganz schön spannend, die großen Balken da oben rein zu bekommen“, kann Robert Müller-Luckinger, der die Sanierung der Jakobskirche als Architekt begleitet, das Interesse der Nachbarn gut verstehen.
Die Balken ertüchtigen den Dachstuhl, der quasi seit dem 15. Jahrhundert unverändert ist. In seiner Struktur, aber auch in Details wie den Verbindungen der Holzteile. Da ist von den Zimmerern Fingerspitzengefühl gefragt.
Der erste Bauabschnitt nähert sich der Fertigstellung
Der erste Bauabschnitt der Fassadensanierung nähert sich unaufhaltsam der Fertigstellung. Unterhalb des Turmes ist ein Großteil der Arbeiten erledigt. Auch wenn die Schäden am Mauerwerk größer waren als gedacht und deswegen nachgearbeitet werden musste. Die Seitenkapellen müssen noch verputzt und mit einem feineren Tuffsteinantrich versehen werden, auch am Dach ist noch etwas zu tun. Ab der Jahresmitte wird das große Gerüst abgebaut, das Portal der Jakobskirche eigens eingehaust und dann saniert. „Der erste Bauabschnitt ist bis Ende des Jahres fertig“, so Müller-Luckinger. Ziel war ursprünglich die Jahresmitte, aber da machten die größeren Mauerschäden einen Strich durch die Rechnung. Ebenso wie durch die angesetzten vier Millionen Euro für diesen ersten Bauabschnitt. Wie viel mehr es tatsächlich wurde, das konnte das Erzbischöfliche Ordinariat gestern nicht beantworten.
Die Planung für den zweiten Bauabschnitt läuft bereits. Der umfasst dann laut Müller-Luckinger das Hauptdach von St.Jakob, beide Längsseiten der Kirche und den Chor. Es werde voraussichtlich eine Maßnahme mit mehreren Abschnitten, so Müller-Luckinger.
„Mehrere Abschnitte“ schon im Mittelalter
Mehrere Abschnitte sind für die Jakobskirche nichts Neues. Bevor die Sanierung überhaupt begann, hatte der Wasserburger Kunsthistoriker Dr. Gerald Dobler die Bauphasen aufgeschlüsselt: Zuerst kam von 1410 bis 1420 das Langhaus aus roten Ziegeln, dem folgte von 1445 bis 1448 der aus Tuffstein gebaute Chor, dem wiederum Westteil und Turmjoch bis unter die Uhren von 1448 bis 1461 und den Turm und den Abschluss der Seitenkapellen verantwortete dann der Wasserburger Baumeister Wolfgang Wieser. Im 19. Jahrhundert wurde schließlich noch die Südseite der Kirche „regotisiert“ – allerdings laut Dobler nach völlig falschen Vorstellungen, so habe die Kirche in der Gotik nie ausgesehen.
Dr.Hans Rohrmann vom Resort Bauwesen und Kunst des Erzbischöflichen Ordinariats bezeichnete St. Jakob bei einer Info-Veranstaltung für die Wasserburger im Jahr 2016 als eine der spannendsten Baumaßnahmen des Ordinariats. Nicht nur, weil an der Stadtpfarrkirche die bedeutendsten Baumeister und Steinmetze ihrer Zeit beteiligt waren, sondern auch, weil die Jakobskirche Einblicke in Ideengeschichte und Gefüge des Kirchenbaus gebe.