TSV 1880 Basketball

Neuausrichtung mit Hindernissen

von Redaktion

Die Euphorie der ersten Jahre ist vorbei. Die Basketballfans in der Stadt und der Region haben sich längst an Meistertitel in Serie gewöhnt. Nicht gewöhnt haben sich viele an eine Mannschaft mit ständig neuen Gesichtern. An eine Mannschaft, die die Verbindung zu den Fans nicht lebt. An eine Mannschaft ohne regionalen Bezug. Die geplante Neuausrichtung läuft. Nicht reibungslos.

Wasserburg – Es ist keine fünf Jahre her, dass Sportinteressierte, die sich zumindest in der Finalserie einmal die Wasserburger Basketballerinnen ansehen wollten, zwei Stunden vor Anpfiff da sein mussten, wollten sie einen vernünftigen Platz haben. Der erste Meistertitel und die erste Titelverteidigung lagen schon ein paar Jahre zurück, dennoch war es eine stimmungsvolle Saison in der sich Mannschaft und Fans gegenseitig hochschaukelten.

„Wir wollen mehr Gemeinschaft, mehr Mannschaft, mehr Identifikation.“ Abteilungsleiterin Regina Mittermair

An diese Zeiten anzuknüpfen ist das erklärte Ziel der neuen Führungsmannschaft der TSV-Basketballabteilung, nachzulesen auch auf der Homepage der Basketballabteilung. Eine gesunde Mischung aus internationalen Leistungsträgerinnen sowie nationalen Gesichtern, dazu vereinseigener Nachwuchs – bei dem es natürlich nicht permanent Riesentalente wie Anne Breitreiner und Svenja Brunckhorst geben kann – wird angestrebt. „Auch um den Preis, dass wir uns vorübergehend in ungewohnten Tabellenregionen wiederfinden“, so Abteilungsleiterin Regina Mittermair. „Wir wollen mehr Gemeinschaft, mehr Mannschaft, mehr Identifikation.“

Nun ist diese Neuausrichtung nicht nur der Tatsache geschuldet, dass die Euphorie rund um die Basketballerinnen in den letzten Jahren abgeebbt ist – „ich kann die ganzen Legionärinnen nicht mehr auseinanderhalten“ klagte ein langjähriger Fan. Die Neuausrichtung ist auch der Tatsache geschuldet, dass Hauptsponsor Meggle in seiner letzten Saison seine Mittel sehr deutlich gekürzt hat, anderes Haushalten gefragt ist. „Wir haben aber auch neue Sponsoren gewonnen“, so Regina Mittermair. Bei einigen weiteren seien die Verträge noch nicht abgeschlossen, gebe es bisher Zusagen der Unterstützung.

Was bei der Zusammenstellung des Kaders für heftige Diskussionen sorgt. Regina Mittermair findet, „man muss auch mal was wagen“ und Spielerinnen verpflichten, obwohl es noch offene Sponsorenverträge gibt, sieht sich da auch mit zweien ihrer Stellvertreter auf einer Linie. Zumal einige der Spielerinnen auf der Wunschliste gerne das Training von Jugendmannschaften übernehmen möchten, was der Abteilungsleitung mit Blick auf die Zukunft wichtig ist.

Zur Zeit allerdings liegt die Verpflichtung weiterer Spielerinnen auf Eis, bis die angekündigte finanzielle Unterstützung in trockenen Tüchern ist. Die Kaderplanung läuft weiter, es gibt Spielerinnen, mit denen man sich prinzipiell einig ist, die Unterschrift unter den Vertrag aber muss warten. „Die Zeit hängt uns im Nacken“, dessen ist sich die Abteilungsleitung bewusst.

Aber nicht nur bei den Finanzen kommt es immer mal wieder zu Diskussionen. So ist eine zweite Mannschaft für die Regionalliga gemeldet, bei der es fraglich ist, ob sie überhaupt zustande kommt. Eingekauft werden sollen für diese Mannschaft jedenfalls keine Spielerinnen, erklärt die Abteilungsleiterin.

„Wir können nach sechs Wochen im Amt nicht fehlerfrei arbeiten“, sagt Regina Mittermair. Die neue Abteilungsleitung wolle das Lebenswerk von Hans und Gaby Brei überhaupt nicht schmälern, es sei unglaublich, was Breis geleistet hätten, „aber wir wollen unsere eigenen Erfahrungen machen und auch mal neue Wege gehen.“ Weswegen das Triumvirat, das in den letzten Jahren die Basketball-Abteilung und das Bundesligateam gemanagt hat – Gaby Brei, Ulla Prantl-Küssel und Angi Sonnenholzner – derzeit „nicht so involviert“ ist, wie es eine der Drei lakonisch formuliert.

Gaby Brei ist dabei, die „Riesenbaustelle“ Bundesliga-Team und Abteilung Stück für Stück an die Nachfolger zu übergeben, „alles auf einmal würde jeden überfordern“ ist sie sich bewusst. Natürlich wäre sie bereit zu helfen, „aber ich dränge mich nicht auf. Die müssen sich erstmal sortieren.“ Es mag manchmal so gewirkt haben, als wollten die Neuen den Rat der Erfahrenen nicht, räumt Regina Mittermair ein. Das stimme so nicht, „aber wir mussten uns erstmal sortieren.“

Sprachregelung:

„Erstmal sortieren“

„Erstmal sortieren“ ist in der Basketball-Abteilung hörbar die aktuelle Sprachregelung. Erstmal sortieren muss sich auch die Abteilungsleitung. Eines der vor wenigen Wochen händeringend gesuchten und gefundenen neuen Mitglieder hat „grundsätzlich unterschiedliche Ansichten“ und sich noch nicht endgültig entschieden, ob es hinwirft oder weitermacht.

Davon etwas überrascht ist Sportreferent Markus Bauer, der insgesamt aber das Gefühl hat, es laufe rund. Dass es leichte Reibereien zwischen „Alten“ und „Neuen“ gibt, findet er durchaus natürlich. „Die müssen sich erstmal freischwimmen. Das dauert, wenn‘s läuft, ein Jahr und dann ist‘s gut.“ Ihm – langjähriger Fan – gefalle das neue Konzept, er trage es auch mit, will die Verwurzelung in der Region nicht alleine den Fußballern überlassen. Bauer optimistisch: „Ich habe nach einem anfänglich guten Gefühl mittlerweile ein sehr gutes Gefühl.“

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