Buchhändlerfamilie aus München übernimmt Buchhandlung Herzog

„Keine Kette, das war uns wichtig“

von Redaktion

Die Buchhandlung Herzog ist in und um Wasserburg bekannt. Und das wird so bleiben, wenn ab 1. Juli neue Eigentümer übernehmen: Eine Buchhändlerfamilie aus München, die neben dem Geschäft in Wasserburg die Läden in Waldkraiburg und Mühldorf gekauft hat. „Keine Kette, kein Filialist, das war uns wichtig“, sagen Georg und Johanna Herzog.

Wasserburg/Waldkaiburg – „Bücher Herzog Medien OHG“ – unter diesem Namen werden die Buchhandlungen künftig firmieren. Die drei Geschäfte mit 14 Mitarbeitern, darunter acht in Vollzeit, gehören ab 1. Juli zu einer etwas größeren Familie aus der Branche. Bianca Kölbl und ihr Mann Dr. Stefan Müller-Kölbl aus München, die im Versandbuchhandel tätig sind und auch in Augsburg Buchhandlungen betreiben, haben Herzog gekauft.

Wird damit alles anders? Ganz sicher nicht, betonen die Herzogs, schon gar nicht im Hinblick auf das Personal. Die Übernahme der Mitarbeiter ist geregelt. Sie werden künftig allenfalls mehr Verantwortung vor Ort haben. Das Geschäft wollte keiner der Angestellten übernehmen. Und auch ihre Tochter, die nach dem Betriebswirtschaftsstudium im Buch-Großhandel arbeitet, hat sich dagegen entschieden.

Personal-Übernahme

Entgegen den Befürchtungen „konnten wir problemlos verkaufen“, sagt Georg Herzog, der die Situation im stationären Buchhandel lange Zeit wenig optimistisch eingeschätzt hatte. Dieser leide seit einem Jahrzehnt „massiv unter dem Druck der Online-Konkurrenz“. So wie im gesamten stationären Einzelhandel seien sinkende Umsätze die Folge.

Zuletzt ist im Buchhandel allerdings ein Trend hin zu kleineren Städten zu verzeichnen. Große Filialisten geben gleichzeitig große Flächen in den Spitzenlagen der Großstädte auf. Von diesem Trend haben Herzogs profitiert. „Offensichtlich ist es so, dass viele deutsche Buchhändler die Situation positiv einschätzen“, sagt Georg Herzog. Und er setzt hinzu: „Vielleicht ist die Talsohle erreicht.“

Vielleicht wird den Kunden wieder stärker bewusst, was sie an einer Buchhandlung am Ort haben. Der Erlebnisfaktor, der sich beim Online-Einkauf nicht einstellt, auch der soziale Kontakt. „Das ist eine ganz wichtige Funktion des Handels überhaupt“, so Johanna Herzog. Aktionen wie die Klassenbesuche, die jedes Jahr viele Hundert Schüler in die Buchhandlung locken, gibt es im Online-Handel nicht.

An Online-Handel war noch nicht einmal zu denken, als die Buchhandlung Herzog ihr Geschäft in Waldkraiburg eröffnete, damals am Stadtplatz 12. 1981 war das. Zusammen mit seinem Bruder Rudolf, der wenige Jahre zuvor eine Buchhandlung in Wasserburg aufgemacht hatte, ging Georg Herzog dieses Projekt an. Er war damals gerade im Referendariat, bereitete sich auf den Dienst als Gymnasiallehrer für Chemie und Biologie vor.

Doch es zeichnete sich längst ab, dass er nicht verbeamtet werden würde. Nach dem zweiten Staatsexamen verdiente der Lehrer sein Geld im Buchhandel.

Zwölf Jahre später war Bücher Herzog der Platzhirsch in der aufstrebenden Industriestadt, hatte sich gegen die Konkurrenz eines Schreibwarengeschäfts, das auch Bücher führte, durchgesetzt, dem Mitbewerber einen Großkunden abgejagt und schließlich den Konkurrenten übernommen.

Johanna Herzog war da schon im Geschäft. Mitte der 1980er-Jahre war sie nach abgebrochenem Studium als erste Auszubildende gekommen. Vor allem in den Anfangsjahren hat sich Bücher Herzog als Kulturveranstalter profiliert und gemeinsam mit der Volkshochschule Top-Autoren zu Lesungen geholt. „Die Suhrkamp-Taschenbuch-Reihe rauf und runter“, so Georg Herzog. Das sei aber immer schwieriger geworden, einen Grund sieht er darin, dass „der städtisch subventionierte Kulturbetrieb das Kleinkunst-Publikum abgeschöpft hat“.

„Die Waldkraiburger geben im Verhältnis weniger aus für Bücher als der Wasser-

burger Beamte und der Mühldorfer Bürger“ Johanna Herzog

Seit 1993 ist die Buchhandlung in der Berliner Straße 22, 2003 zog sie ein Haus weiter. 1999 kauften die Herzogs die Buchhandlung am Unteren Tor in Mühldorf, wenige Jahre später übernahmen sie dort die Buchhandlung Geiger – und zogen nach der Schließung des Geschäfts am Unteren Tor ins Geigerhaus. Kurz darauf kauften sie die Buchhandlung Herzog GmbH in Wasserburg.

Drei Standorte, deren Publikum sich durchaus unterscheidet. „Die Waldkraiburger geben im Verhältnis weniger aus für Bücher als der Wasserburger Beamte und der Mühldorfer Bürger“, weiß Johanna Herzog aus Erfahrung. Das Ladengeschäft sei in Waldkraiburg etwas schwächer, ausgeglichen werde dies durch die Industriekunden in Waldkraiburg und Aschau-Werk und die Schulen, früher auch durch das BFZ Peters.

Künftig werden die Herzogs nicht mehr im Geschäft stehen, sich anderen Aufgaben widmen können. Georg Herzog, der keine Gymnasiasten in Biologie unterrichten durfte, kehrt gewissermaßen zu den Wurzeln zurück. Der Buchhändler, der sich scherzhaft als „akademischer Gärtner und Waldbesitzer“ bezeichnet, wendet sich seinem Hobby zu. „Den Bulldog für die Waldarbeiten habe ich schon gekauft.“

Für die Wasserburger Kunden ändert sich nicht viel

Wasserburg – Nicht „ganz so glücklich mit der Situation“, ist Johanna Herzog, wie sie im Gespräch mit der Wasserburger Zeitung in der Filiale in der Salzsenderzeile verriet. Die Trennung vom Geschäft werde ihr schwerfallen. „Ich brauche wohl zunächst etwas Abstand.“ Später im Laden bei Bedarf auszuhelfen, könne sie sich schon vorstellen. Dennoch freue sie sich auf den neuen Lebensabschnitt „mit Zeit fürs Garteln, und lesen werde ich auch weiterhin“. Und: „Endlich mal mit meinem Mann Ausflüge und Reisen unternehmen, was wir geschäftsbedingt bisher selten machen konnten.“ Für die Wasserburger Kunden der Buchhandlung wird sich nach Einschätzung von Johanna Herzog zunächst nicht viel ändern. Die Ansprechpartner werden nicht wechseln, im täglichen Geschäft wird alles beim alten bleiben und ihre Schwägerin, Monika Herzog-Lamas, wird als Filialleiterin weiterhin die Geschicke führen. Aber: „Wer weiß, vielleicht wird‘s unter den neuen Inhabern noch besser, mit mehr Engagement, besseren Ideen.“ Das sieht auch Monika Herzog-Lamas so, die seit 36 Jahren in der Buchhandlung arbeitet. Die 52-Jährige beurteilt den Inhaberwechsel positiv und erwartet neue Impulse. „Wir sind hier ein gutes Team, allerdings sind wir dabei aufzustocken, denn eine Kollegin ist schwanger und eine junge Kollegin hört auf. Derzeit sind wir auf der Suche nach Verstärkung, um wieder im Fünfer-Team für unsere Kunden bereitzustehen.“ ul

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