Eines der ersten Modelle einer Miele Waschmaschine zu sehen

von Redaktion

In der Sonderausstellung des Wasserburger Museums „Die Reinlichkeit betreffend“ ist eines der ersten Modelle einer Miele Waschmaschine zu sehen. Ein bedeutendes Objekt der Technikgeschichte, das die heutige Wahrnehmung von Hygiene und Haushaltsführung beeinflusst.

Wasserburg – Vor etwa 100 Jahren konnte Wäsche nicht mal schnell nebenbei in die Maschine geworfen werden. Vielmehr verlangte es einiges an Vorbereitung und viel Kraft und Mühe, um den großen Waschtag zu bewältigen.

Eine Hausfrau berichtet, wie man in vielen Haushalten bis zum Ende der 50er- Jahre Wäsche wusch: „Früh morgens wird der Kessel angeheizt mit Papier und Holz wie der Küchenherd, dann Kohle aufgelegt. Die Kochwäsche wird aus der Einweichbrühe gewrungen und in den Kessel gelegt, Persil hinzugefügt und zum Kochen gebracht. Kocht die Wäsche, wird sie mit dem Wäschestampfer tüchtig gestampft. Hat die Wäsche tüchtig gekocht, lässt man das Feuer etwas herunterbrennen, dann werden mit dem Wäscheholz die Wäscheteile aus dem Kessel in eine Bütte gehoben, kaltes Wasser darüber, damit man sich nicht die Hände verbrennt. Nun wird Stück für Stück auf den Tisch gelegt, mit Seife eingerieben und mit der Bürste gebürstet, falls notwendig. Danach mehrmaliges Ausspülen mit klarem Wasser. Die Buntwäsche in die nun etwas abgekühlte Waschlauge im Kessel, mit dem Stampfer bearbeiten und ebenfalls auf dem Tisch tüchtig durchbürsten, danach tüchtig ausspülen.“

Der Waschtag begann um zwei Uhr morgens und endete erst spät in der Nacht. Kein Wunder also, dass man nach technischen Lösungen für diese mühevolle und zeitraubende Arbeit suchte. Die ersten Waschmaschinen entwickelte man schon im 18. Jahrhundert. Sie erleichterten zwar einzelne Arbeitsschritte, aber die Wirkkraft der mit Muskelkraft betriebenen Maschinen blieb im Vergleich zu heute sehr gering. Deswegen bemühte man sich um ständige Weiterentwicklung und es entstanden unterschiedliche Geräte, wie die Zapfenwaschmaschine, die Walzenwaschmaschine oder die Schaukelwaschmaschine.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde diese nicht besonders leistungsfähige Vielfalt an Maschinen von der sogenannten Bottichwaschmaschine abgelöst. Der Name leitet sich von der Form der Maschine – sie besteht aus einem großen hölzernen Bottich – ab. Diese bewährte sich den anderen Modellen gegenüber durch leichtere Bedienbarkeit. Außerdem konnte sie an einen Motor angeschlossen werden. Ein wichtiger Punkt aber fehlte noch, um das Waschen zu automatisieren: Das Wasser konnte noch nicht in der Maschine geheizt werden, es musste extra heiß gemacht und eingefüllt werden. Ingenieure versuchten zwar dieses Problem zu lösen, der Ausbruch des Zweiten Weltkriegs jedoch führte zur Einstellung jeglicher Forschung im Bereich Haushaltstechnik zugunsten der Waffenentwicklung.

Erst in den Zeiten des Wirtschaftswunders (1950/ 60er-Jahre) setzte man die Weiterentwicklung der Waschmaschinen fort. Man erkannte, dass die Zukunft nicht in den Bottich-, sondern in Trommelwaschmaschinen liegt. Aus den Trommelwaschmaschinen entstanden schließlich unsere heutigen Vollwaschautomaten.

Männer trugen Hemden etwa eine Woche lang

Die Erfindung der Waschmaschine erleichterte nicht nur die alltägliche Haushaltsführung, sondern verbesserte auch in erheblichem Maße die Hygienestandards. Da nun der große Arbeitsaufwand eines großen Waschtages wegfiel, konnte die Kleidung häufiger gewechselt werden. Männer trugen bis in die 1970er Jahre Hemden etwa eine Woche lang oder sogar noch länger. Auch das tägliche Wechseln der Unterwäsche fand weder bei Männern noch bei Frauen statt. Man versuchte, große Berge an Schmutzwäsche und damit anfallende Waschtage zu vermeiden. Der Vollautomat machte die mühevollen Waschtage überflüssig und heute ist es selbstverständlich, täglich neue Unterwäsche und Hemden zu tragen. Diese bestehende Reinlichkeit ermöglicht es, Krankheiten zu vermeiden. Dank der Erfindung der Waschmaschine.

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