Obing – Alles, nur kein allzu großes Aufheben um seine Person wünscht sich Pfarrer Christoph Kronast. Seit 2016 ist er im Pfarrverband und schon längst im dörflichen Leben integriert.
Der Ruhestandspfarrer ist eher ein Mensch der leisen Worte, doch wenn es um die Sache geht, beispielsweise bei der Dorferneuerung an früherer Wirkungsstätte oder aktuell beim Seligsprechungsprozess von Bruder Ildefons bezieht er klar Stellung und unterstützt, wo er kann. Ansonsten mag es der Hobby-Fotograf gern bescheiden und poetisch.
Bereits seit seiner Studienzeit verfasst er weltliche und geistliche Texte und Gedichte. So stammt beispielsweise der Text für den Kreuzweg am Kalvarienberg in Wolfratshausen aus seiner Feder und auch viele Pfarrbriefe und Veranstaltungen wurden durch seine Beiträge bereichert.
„Nett“, „umgänglich“, „hilfsbereit“, „engagiert“ – so wird Kronast häufig von seinem näheren Umfeld beschrieben. Für ihn klar, dass sein 40-jähriges Priesterjubiläum ohne viel Brimborium und ganz gemütlich im Rahmen des Pfarrfestes gefeiert werden soll. Genau diese zurückhaltende Art schätzen die Obinger an ihrem Austragler. „Wir sind froh, dass er bei uns ist“, ist eine oft gehörte Aussage, denn Pfarrer Kronast ist fest ins Seelsorger-Team eingebunden. Er geht auf die Menschen zu. Interessiert nimmt er am gesellschaftlichen Alltag teil und bringt sich auch in kirchliche Gremien und Vereine ein.
„Ohne unsere Ruhestandler ginge es nicht, da sind wir in einer privilegierten Lage“, bringt es Pfarrer David Mehlich auf den Punkt. Pfarrer Kronast sei ebenso wie Pfarrer Valentin Tremmel eine große Unterstützung im Pfarrverband mit rund 5500 Gläubigen.
Im Zentrum
steht die Liebe
Nur so könne das seelsorgerische Angebot in diesem Maße aufrechterhalten werden. „Ich mache das gerne“, sagt Pfarrer Christoph Kronast. Er liebt seinen Beruf, der ihm die Möglichkeit bietet, für die Menschen in vielfältigster Form da zu sein. Im Zentrum steht die Liebe. Sein Primizspruch: „Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe zueinander habt“ (Joh. 13,35) wurde zum Leitgedanken im erfüllten Priesterleben.
In der Kirche habe sich in den vier Jahrzehnten seines Amtes ein Wandel vollzogen. Früher sei der Besuch des Sonntagsgottesdienstes noch vielfach eine Selbstverständlichkeit gewesen und man habe sich eingebracht, weil man dazugehört habe. Das reiche heutzutage nicht mehr aus. „Es müssen neue Wege beschritten werden, um die Menschen wieder für die Kirche begeistern zu können“, betont der Seelsorger. Christoph Kronast hat es nie bereut Priester geworden zu sein, wenngleich im Laufe der Jahre immer mal wieder Zweifel aufgekommen seien. „Aber es gehört zum Leben, sich zu hinterfragen und weiterzuentwickeln“, so Kronast, der während seines Studiums auch mal den damals neu eingeführten Beruf des Pastoralreferenten ins Auge gefasst hatte. Letztendlich sei die Entscheidung, Pfarrer zu werden, aber der richtige Weg gewesen.
Bereits als Neunjähriger hatte der Bub in seinem Schulheft geschrieben, dass er später Pfarrer werden wolle. Inspiriert wurde er dabei sicherlich auch von zwei Onkeln, die ebenfalls Priester waren und von seinem älteren Bruder Konrad, der damals bereits im Priesterseminar war. Auch seine Lehrer hatten schon früh das Potenzial des guten Schülers entdeckt und ihn für das Gymnasium empfohlen. Für den damals zehnjährigen Buben, der am 8. Juli 1946 als zehntes von 13 Kindern auf einem kleinen landwirtschaftlichen Anwesen in Unterrating in der Gemeinde Amerang geboren wurde, war der Wechsel an das Chiemgau-Gymnasium in Traunstein gleichzeitig mit einem Internatsaufenthalt im Studienseminar St. Michael in Traunstein verbunden. Freilich sei die Trennung vom Vater und den Geschwistern nicht einfach gewesen, doch der frühe Tod der Mutter 1954 sei ohnehin ein tiefer Lebenseinschnitt gewesen und alles in allem erinnert sich Kronast gerne an seine Schulzeit. Mit ehemaligen Mitschülern trifft er sich immer noch gerne zum „Abiturstammtisch“ in Traunstein.
Nach dem Abitur 1965 hat Kronast dann in Freising und Tübingen Theologie und anschließend zusätzlich Pädagogik für Lehramt an Volksschulen in Augsburg studiert. Anschließend war der Diplomtheologe vier Jahre Lehrer an der Volksschule in Obergünzburg. Irgendetwas habe aber in seinem Leben gefehlt und deshalb habe er sich dann, während eines zweijährigen Pastoralpraktikums in Glonn, ganz bewusst für den Priesterberuf entschieden.
Am 1. Juli 1978 wurde Christoph Kronast in Freising durch den damaligen Erzbischof Joseph Kardinal Ratzinger zum Priester geweiht. „Das mag etwas Außergewöhnliches sein, wenn man von einem späteren Papst zum Priester geweiht worden ist. Aber man ist deswegen nichts Besonderes“, bemerkt er im Rückblick auf die Weihe.
Nach Kaplanstellen in Edling bei Wasserburg und Wolfratshausen und einer dreijährigen Präfektenzeit im Studienseminar Traunstein wurde die Pfarrei und der spätere Pfarrverband Kirchanschöring über ein Vierteljahrhundert für ihn eine Heimat. Hier hat sich der Träger des Ehrenrings der Gemeinde Kirchanschöring große Verdienste erworben. Unter anderem wurden das Pfarrzentrum und das schmucke Pfarrhaus während seiner Amtszeit erbaut, das Pfarrfest eingeführt und auch in der Vorstandschaft „Dorferneuerung“ und in die Planungen zum mittlerweile fertiggestellten „Haus der Begegnung“ eingebracht.
2011 wechselte er als Pfarrvikar (zweiter Priester) zum Pfarrverband Anger-Aufham-Piding mit rund 6400 Katholiken. 2016 wurden mit Eintritt in den Ruhestand erneut die Umzugskartons gepackt. „Ich bin in der Gemeinde Amerang zu Hause und wollte gerne in der Nähe meiner Heimat den Lebensabend verbringen“, erzählt Christoph Kronast. Doch erst einmal freut er sich darauf, morgen, Sonntag, 10.15 Uhr, mit dem Pfarrverband und vielen Menschen, die ihm nahestehen, sein Priesterjubiläum in der Pfarrkirche zu feiern. ca