Ein Zuschuss in Millionenhöhe

von Redaktion

Beispiel 1: Das Kältenetz Lokschuppen

Rosenheim – Wohin die Zuschüsse der Europäischen Union fließen, ist selten deutlich sichtbar – es sei denn, eine Bautafel informiert. In Rosenheim soll Geld aus der EU unter anderem in ein Projekt fließen, dessen Endprodukt überhaupt nicht sichtbar ist. Die Rede ist vom „Kältenetz Lokschuppen“, wo mithilfe von Fernwärme Kälte erzeugt werden soll. Dabei spielt eine Hummel eine entscheidende Rolle.

Bereits seit vielen Jahren beschäftigt sich die Stadt Rosenheim damit, wie sie ihren CO2-Verbrauch reduzieren kann. In der Folge wurde im Jahr 2012 das integrierte Energie-, Klima- und Umweltschutzkonzept „Rosenheim 2025“ aufgelegt. Ein Teil davon ist das „Kältenetz Lokschuppen“. Es nahm seinen Anfang im Jahr 2015.

CO2-Einsparung von 180 Tonnen pro Jahr

Im Mittelpunkt steht die Hummel. Ein griffiger Name für eine Maschine, die in der Fachsprache „Absorptionskälteanlage“ heißt. Und deren Aufgabe es ist, der Umgebung Wärme zu entziehen. Das funktioniert über das Verdampfen eines Kältemittels, das zusammengesetzt ist aus Wasser und dem Salz Lithiumbromid. Um diesen Effekt zu erreichen, werde kein Kompressor gebraucht und auch nur wenig Strom, teilt die Stadt mit. Betrieben wird die Hummel mit Fernwärme – und die kommt von den Rosenheimer Stadtwerken genauer gesagt, vom Müllheizkraftwerk an der Bayerstraße. Dort entsteht 85 Grad warmes Wasser, als Nebenprodukt der Stromerzeugung.

Die Hummel, die wiederum beim Betrieb Wärme erzeugt, wird durch das Wasser des Mühlbachs gekühlt. Zusätzlich ist zur Rückkühlung aber auch eine Rückkühlanlage in Planung, die in dem Betriebsgebäude Platz finden wird, in dem auch die Hummel untergebracht wird.

In der Summe ist die Hummel als Kern einer stadteigenen zentralen Kälteversorgung gedacht. Ihr nachgeschaltet wird ein Kältenetz, das es möglich macht, die Räume mehrerer näher zusammenliegender städtischer Gebäude zu kühlen, die unter Denkmalschutz stehen: Für den Lokschuppen, die Rathaus-Gebäude in der Königstraße 14 und 24, für die städtische Galerie und das städtische Archiv soll die Hummel im Endausbau einmal so etwas wie eine klimaneutrale Klima-Anlage sein, die die bisher durch Strom erzeugte Kühlung ablöst.

Von dem Projekt verspricht sich die Stadt eine CO2-Einsparung von 180 Tonnen pro Jahr. Nach Angaben der Stadt führt das „zu einer Senkung von zwei Prozent der gesamten CO2-Emission bezogen auf den Strombezug des kommunalen Bereiches der Stadt Rosenheim“. Außerdem wird davon ausgegangen, dass sich jährlich rund 46000 Euro Betriebskosten einsparen lassen. Zu ihnen zählen die Verbrauchs- und Wartungskosten sowie die jährlichen Instandsetzungskosten.

Die Stadt rechnet mit einem Investitionsvolumen von 4,1 Millionen Euro. Ursprünglich war sie von 3,9 Millionen Euro ausgegangen. Die Verwaltung hofft auf einen Zuschuss aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung Bayern 2014 bis 2020 (EFRE). Sie rechnet mit bis zu 1,7 Millionen Euro.

Die Förderung umfasst die zentrale und die gebäudeinterne Anlagentechnik zur Kühlung der fünf städtischen Gebäude sowie eine Pauschale für die notwendigen Planungskosten. Allerdings drängt die Zeit, denn das Förderprogramm legt fest, dass alle notwendigen Arbeiten bis Ende nächsten Jahres abgeschlossen sind.

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