„Frieden und Freiheit sind keine Selbstverständlichkeit“

von Redaktion

Jochen Fischer, 87 Jahre alt, Altbürgermeister von Waldkraiburg. Er wurde in Breslau geboren und flüchtete im April 1944 mit seiner Familie nach Niederbayern; in diesem Monat fiel sein Vater als Sanitäter beim Volkssturm in der „Festung Breslau“:

„Ich war in einer Zeit Schüler, da gab es nicht viel zu wählen. Heute haben die Menschen in der Europäischen Union die Wahl und können ein Zeichen setzen, dass Europa für sie nicht nur ein Wort ist, sondern eine Gemeinschaft von Ländern, die für Frieden und für Freiheit stehen. Frieden und Freiheit sind keine Selbstverständlichkeit. Die Europäische Union, so viele Fehler sie auch haben mag, steht dafür. Mein Vater ist im April 1945 als Sanitäter beim Volkssturm in der Festung Breslau gefallen. Durch den Ersten und den Zweiten Weltkrieg ist die Gemeinschaft der Völker in Europa schwer beschädigt worden. Ich habe mir in den 50er-Jahren nicht vorstellen können, dass die Menschen sich wieder annähern könnten. So groß kam mir die Last der Kriege vor, die Deutsche zu verantworten hatten. In mehreren europäischen Ländern, in denen ich später gearbeitet habe, in Schweden, in Luxemburg, in Bosnien, habe ich die großen Vorbehalte gespürt. Und ich habe die Kontakte, die mir angeboten wurden, wahrgenommen.

Heute haben wir alle die Pflicht, das Vertrauen, das unter den Menschen auf unserem Kontinent wieder entstanden ist, zu festigen. Wir müssen alles daran setzen, dass die guten Beziehungen weiter entwickelt werden in einem Europa, das nur gemeinsam seine Werte und Interessen vertreten kann. Wir müssen für den Frieden aufstehen, wenn Populisten versuchen, die Menschen wieder auseinanderzudividieren. Das ist doch am Ende des Tages nur zum Schaden aller.

Ich bin Optimist und glaube daran, dass wir gemeinsam Europa erhalten und stärken können, auch mit den Wahlen zum Europaparlament.“

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