„Meine Welt heisst Europa“

von Redaktion

Antonia Gottwald, 17 Jahre alt, Schülerin aus Wasserburg:

„Ich bin in einer heilen und gehüteten Welt aufgewachsen, ohne Krieg und ohne Grenzen. Ich bin mit meiner Familie in den Urlaub gefahren, ohne Passkontrollen und Währungswechsel. Ich kannte es nicht, mir Gedanken darüber zu machen, dass es Gewalt und Anschläge in meiner Welt gibt. Meine Welt heißt Europa. Frieden ist für mich normal, der Wohlstand, den sich unsere Welt aufgebaut hat, auch. Dass ich später im Ausland studieren kann, hab’ ich nie infrage gestellt. Dass Europa als große solidarische Gemeinschaft zusammen für ihre Werte von Gleichberechtigung, Chancengleichheit und Demokratie kämpft, war die Voraussetzung. Flüchtlinge kommen, der Brexit steht zumindest theoretisch bevor, die Pressefreiheit und andere demokratische Grundrechte werden eingeschränkt und auf einmal bricht diese Fassade von Solidarität, auf einmal gibt es verschiedene Seiten. Stichwort: pro EU – contra EU. Aber warum eigentlich? Ist die Angst derjenigen, denen es so gut geht, so groß, dass es anderen auch besser gehen könnte? Ist die Idee, durch die Europäische Union weiterhin gesicherte Arbeitsplätze und einen einheitlichen Markt zu haben, so schlimm? Oder hat man Angst davor, dass die EU es tatsächlich irgendwann hinbekommen könnte, eine effektive Klimapolitik auf die Beine zu stellen?

Wir sollten eigentlich Angst davor haben, dass das alles zerbricht, dass wir auf einmal keine Stimme mehr haben, eine ehrliche, tiefe Angst davor, diesen Frieden zu verlieren und auch die internationale Zusammenarbeit, um das zu bekämpfen. Ohne die EU werden wir keinen gesicherten Finanzmarkt mehr haben. Ohne die EU ist unsere Stimme nur noch die eines einzelnen Deutschland, die für die ,große Politik’ keine Rolle mehr spielt. Ich habe Angst davor. Angst, in einer zerbrochenen und verwirrten Welt, ohne Frieden und voller Grenzen erwachsen zu werden.“

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