Vogtareuth/Söchtenau/Prutting – Rund 565 Hektar groß ist das Gebiet, das im europäischen Biotopnetzverbund Natura 2000 den Namen „Moore und Seen nordöstlich Rosenheim“ trägt. Es beginnt zwischen Zaisering und Prutting an der Staatsstraße nach Wasserburg und zieht sich in einem relativ schmalen Streifen, einer ehemaligen Gletscherrinne, nach Nordosten bis kurz vor Halfing. Für genau dieses Gebiet soll ein Managementplan erarbeitet werden.
Nun sind Grundeigentümer – gleich ob sich auf ihrem Grund ein See, ein Acker oder ein Wald befindet – nicht immer die eifrigsten Befürworter von Naturschutzmaßnahmen. Deswegen lädt das Amt für Landwirtschaft, Ernährung und Forsten (AELF) alle Betroffenen zu einer Auftaktveranstaltung ein. So können schon im Vorfeld eventuelle Bedenken ausgeräumt werden. Und es können alle Belange, ob sozial, ökologisch oder ökonomisch, angesprochen werden. 120 Frauen und Männer waren es bei der Auftaktveranstaltung in Vogtareuth. „Es war eine sehr konstruktive Diskussion – ohne jeden Angriff auf den Naturschutz“, freut sich Uwe Holst vom AELF Rosenheim, der für dieses Gebiet zuständig ist und die Moderation des Treffens übernommen hatte.
Burger Moos, Hofstätter und Rinser See, das Stucksdorfer Moos und das Gebiet der Urschlag-Quellen sind Hoch- und Zwischenmoorkomplexe, dazu kommen kalkreiche Niedermoore, großflächig auch sekundäre Moorwälder sowie nährstoffreiche Seen und Quelltrichter von naturschutzfachlich hoher Wertigkeit. Außerdem ist das Gebiet „Moore und Seen nordöstlich Rosenheim“ eng mit den Schutzgebieten am Inn, am Simssee und der Eggstätter Seenplatte verbunden. Das macht das ganze Gebiet zu einem Rückzugsgebiet für seltene, zum Teil sogar vom Aussterben bedrohte Tier- und Pflanzenarten, so Holst. Zum Beispiel gibt es hier entlang der Murn noch Auenwälder mit Erle und Esche, denen die EU eine herausragende Bedeutung zumisst.
In der Diskussion ging es laut Holst unter anderem um die Frage, wie es mit der Verkehrssicherungspflicht aussieht, wenn Totholz stehen bleibt; welche Auswirkungen die Wasserentnahme durch die Stadtwerke Rosenheim im Bereich Hofstätter See hat; was mit dem Biber im Bereich Rinser See ist, was ist mit Wegebauten in FFH-Gebieten und noch einiges mehr.
Der Hinweis, dass der Managementplan nicht rechtsverbindlich ist, sondern lediglich auf vernünftige Erhaltungs- und Wiederherstellungsmaßnahmen hinweist, nahm Schärfe aus der Diskussion. Was allerdings gilt: Ein Verschlechterungsverbot gegenüber der Ist-Situation.
In diesem und im kommenden Jahr gehen zwischen Vogtareuth, Söchtenau, Prutting und Halfing die Kartierungsarbeiten über die Bühne für den ersten Entwurf des Managementplans. Der wird laut Holst voraussichtlich im Frühjahr 2021 in den Gemeindeverwaltungen, beim AELF und im Landratsamt ausgelegt.
Danach gibt es einen runden Tisch, „zu dem werden die Grundeigentümer dann wieder persönlich eingeladen“, so Holst.