Eine heiße Sause

von Redaktion

Nationenfest Fröhlich und friedlich feiern Tausende in der Altstadt

Wasserburg – Die Hitze brütet, die Altstadt ist ein bisschen lahmgelegt. Am Abend, endlich, kommt das Fest in Fahrt, nach einem langen Tag mit gleißender Sonne und nur ab und zu einem sanften Lüfterl. Musiker greifen in die Saiten, an den Imbissständen dampft und brutzelt es. Die Gassen füllen sich, Mütter mit Kinderwägen, Männer mit Hunden an der Leine, Gruppen und Paare ziehen durch die Altstadt. Kinder sausen herum, Jugendliche kaufen sich Eis.

Es herrscht eine entspannte, heitere Stimmung. „Es läuft sehr gut“, sagt Robert Obermayr, Vorsitzender des veranstaltenden Vereins Rio Konkret. Zufrieden verfolgt er den Auftritt der orientalischen Tanzgruppe El Sharkiat: „Die reißen was, die Fans sind begeistert!“ Dicht gedrängt stehen die Zuschauer im Kreis um die Tänzerinnen.

Bei der Eröffnung des 26. Wasserburger Nationenfests ist es noch ruhig zugegangen, nur zwei Dutzend Zuschauer scharten sich um die Bühne an der Frauengasse. Dort lobte Bürgermeister Michael Kölbl den Einsatz der ehrenamtlichen Helfer von Rio Konkret: „Es ist immer enorm viel Arbeit, bis alles organisiert ist“, sagt Kölbl. Nachhaltig und fair miteinander – unter diesem Motto steht das Nationenfest diesesmal.

Ein Motto, das Kölbl in seinem Grußwort aufgriff: „Diese Erde sollte möglichst lange für uns Menschen zur Verfügung stehen, und das wird nur dann gelingen, wenn wir nachhaltig in allen Bereich handeln.“ Er erinnert daran, dass in Wasserburg 90 Nationen „sehr gut und friedlich miteinander leben“.

Kölbls Amtskollege aus der rumänischen Stadt Cugir, Adrian Teban, stellt fest, Europa sei in einer sehr schwierigen Situation. „Aber das Nationenfest ist ein Exempel.“ Cugir ist seit 2006 offizielle Partnerstadt von Wasserburg. Mit Teban sind rund 20 Musiker einer Jugendkapelle aus Rumänien angereist, die die Zuhörer mit zünftiger Blasmusik unterhält.

Es ist wieder einmal eine große Fete, bei der Leckeres aus der ganzen Welt aufgetischt wird: Elsässer Flammkuchen, marokkanisches Gebäck, türkisches Börek, Thai Curry, Schweinebraten, polnische Wurst, afghanische Maultaschen, ungarische Langosch, kenianische Reisgerichte, Grillspezialitäten vom Balkan. Die prächtig afrikanisch gekleidete Dorothy, Kultfigur am Stand von Ghana, zeigt sich bestens gelaunt, wieder einmal bietet sie ein leckeres Spinatgericht mit gemahlenen Kürbiskernen an. „Seit 15 Jahren mache ich jedes Jahr das Gleiche, das kommt immer gut an.“

Und was für Klänge hallen durch die Gassen! Leidenschaftlich, explosiv, virtuos „De Farykte Kapelle“ in der Hofstatt. Und in der Herrengasse sorgen Ami und Wally Warning dafür, dass niemand ruhig sitzen oder stehen bleibt: Vater und Tochter spielen Reggae und Latin-Musik vom Feinsten. Davor gibt es bayerischen Rock und karibische Ska-Musik.

„Also mir gefällt die Atmosphäre hier“, schwärmt eine Frau aus Edling. „Ganz klasse ist es hier“, bestätigt ihre Tischnachbarin. „Ich finde es einfach toll, wenn so viele verschiedene Nationen zusammenkommen.“

In der Herrengasse nimmt derweil das Gedränge zu, am Stand der Libanesen bildet sich eine lange Schlange. Doch geduldig warten die Leute auf ihre Falafel. Auch am Asia-Laden und am Café Marrakesh muss man lange anstehen. Es lohnt sich auf jeden Fall. Gegen Mitternacht geht die Riesensause zu Ende.

Auf Nachfrage der Zeitung erklärt Sylvia Hampel von Rio Konkret, das Orga-Team habe ausschließlich positive Rückmeldungen erhalten. „Es war ein super schönes Fest. Friedlich und fröhlich“, so Hampel. Was das Nationenfest für sie ausmacht? Dass sich alle Mitwirkenden immer gegenseitig helfen. „Stromkabel zu kurz? Dann schließt man beim Nachbarn an. Oder Weltladen und Linke teilen sich ein Waschbecken zum Gläserspülen. Improvisiert? Logisch. Aber es klappt immer.“

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