Wasserburg/Attel – Der Sonntag beim Attler Herbstfest wird traditionell vom Brauchtum bestimmt. So begannen die Schirmherrin Johanna Bittenbinder, die Vorstände Franz Hartl und Jonas Glonnegger sowie die Festwirte mit den Bewohnern und Besuchern den Tag mit einem Festgottesdienst in der gut gefüllten Attler Pfarrkirche Sankt Michael. Den Gottesdienst zelebrierte der Präses der Caritas der Erzdiözese München und Freising, Pfarrer Augustinus Bauer, zusammen mit Ibalayam Hippolyte vom Pfarrverband Edling, Diakon Georg Wimmer sowie mit zahlreichen Ministranten und dem Attler Seelsorger Anton Helminger.
Der Arche-Noah-Kreis der Stiftung gestaltete den Gottesdienst mit Einlagen und stellte ihn diesmal unter das Motto: Mit Herz und Verstand arbeiten und feiern. „Wer Herz und Verstand zusammenbringt, der ist ein weiser Mensch“, sagte Augustinus Bauer in seiner Predigt. „Wir können bestimmt nicht weise werden, wenn wir nicht aufeinander hören.“ Auch die Fürbitten, die unter anderen die Schirmherrin vorlas, hatte der religiöse Kreis formuliert. Für die gehörlosen Kirchgänger übersetzte sie ein Mitarbeiter der Stiftung Attl in Gebärdensprache.
Einzug mit Kutsche und Hochrad
Für einen modernen und stimmigen Rahmen des Gottesdienstes sorgte die Attler Kirchenband unter der Leitung von Benedikt Leinenbach mit Percussion, Querflöte, Gitarren, Keyboard und Gesang. An der Kirchenorgel spielte der ehemalige Einrichtungsleiter Alfred Eiblmaier. Nach dem Gottesdienst lud die Bewohnerin Sophie Schuhbeck zum feierlichen Einzug ins Festzelt und zum Frühschoppen ein. Zumindest beim Umzug hielt das Wetter noch. Und die Stadtkapelle Wasserburg, angeführt vom vierten Attler Festwirt Andreas Palmberger sowie von der Kutsche mit Bewohnerin Sophie Schubeck, Schirmherrin Johanna Bittenbinder sowie den Vertretern der Feuerwehr Reitmehring-Attel zusammen mit den Hochradfahrer aus Albaching, erreichten trocken das Festzelt.
Leider hatten die Freunde alter Fahrzeuge Rott, die seit mehr als einem Vierteljahrhundert ein fester Bestandteil des Oldtimer- und Bulldogtreffens sind und es seit einigen Jahren auch organisieren, weniger Glück. Doch die wahren Oldtimerfans ließen sich von dem leichten Nieselregen nicht abschrecken und sorgten trotz des Wetters für einen vollen Attler Hof und eine gut gefüllte Wiese. „Es kamen etwa 160 Teilnehmer“, sagte Vorstand Stefan Köppelreiter. „Das sind zwar weniger als im vergangenen Jahr, aber wir sind zufrieden.“
Im vergangenen Jahr hatte der bayerische Abend erstmalig stattgefunden. Er war bei den Besuchern gut angekommen.
Deswegen weiteten die Veranstalter das Angebot diesmal aus. Die Roader Blechblosn spielten Polkas und Walzer zum Tanzen und die Attler Volkstanzgruppe und die Rieder Goaßlschnalzer sowie Schuhplattler sorgten mit ihren Einlagen für einen kurzweiligen Abend. Partystimmung kam am Samstag mit der Griesstätter Band „Rock Wave“ auf.
Spiel und Bewegung standen dagegen im Mittelpunkt des Samstags. Diesmal mussten die Veranstalter allerdings wegen des unbeständigen Wetters auf das Gelände der Förderschule mit Turnhalle, Aula und Pausenhof ausweichen. „Wir haben uns am Donnerstag kurzfristig zum Umzug entschlossen“, erzählt Organisator Heinz Neugebauer. „Zwar gab es diesmal weder Bobbycar-Parcour noch Menschenkicker, aber die Mitarbeiter und ehrenamtlichen Helfer haben das Gelände der Förderschule optimal genutzt und konnten vor allem auch den Eltern viele Nischen zum Ausruhen bieten.“
Die abwechslungsreiche Gestaltung kam bei den Besuchern gut an. So fanden sich auf dem Pausenhof die meisten Kreativ- und Bastelangebote und in der Aula spielte das Kasperltheater, während sich die Bewegungsangebote wie Bauecke, Zielscheiben-Fußball und Hüpfburg in der Sporthalle versammelten. Auch das Ponyreiten konnten die Veranstalter wieder als Höhepunkt realisieren, außerdem standen noch Alpakas zum Streicheln bereit.
Malwerkstatt
und Fühlparcours
Bei der Eisenbahn und dem Kinderschminken sprangen erneut 16 Ehrenamtliche der LfA-Förderbank München ein, die schon seit Jahren zum Attler Familienfest kommen. „Wir schätzen die lockere Atmosphäre und den familiären Charakter“, sagte der Generalbevollmächtigte Bernhard Schwab. Und Personalchef Helmuth Barth ergänzte. „Es macht uns allen Spaß hier, nicht zuletzt, weil wir in Attel immer herzlich empfangen werden. Und im Vergleich zur Arbeit in der Bank erdet unser Einsatz hier ungemein.“
Der Spielenachmittag mit den gut 20 Stationen wird überwiegend von den Mitarbeitern aus dem Bereich Wohnen organisiert. Neu in diesem Jahr waren die Malwerkstatt auf Holzschablonen und der Fühlparcours, bei dem die Besucher barfuß und mit der Hand verschiedene Materialien ertasten konnten. Als Bezahlung kamen erneut die Attel-Taler zum Einsatz, die auch für die Rundfahrten mit dem Traktor gültig waren.
Auch für das leibliche Wohl war bestens gesorgt. Um Kaffee und Kuchen kümmerten sich die Mitarbeiter der Rotter Wohngruppen Valentin und Martinus, die einen Großteil der Torten und Kuchen in den vergangenen Tagen zusammen mit den Bewohnern gebacken haben. „Wir verwenden den Erlös aus dem Stand jedes Jahr für unseren Nikolausausflug“, erzählt Ilona Kromer von der Marinusgruppe. „Unser Einsatz kommt damit direkt den Bewohnern zugute – das ist unsere Motivation.“
Organisator Heinz Neugebauer lobte die gute Stimmung beim Spiele- und Bewegungsnachmittag. „Wir konnten wieder viele Besucher begrüßen und erlebten eine gelungene Veranstaltung“, lautete seine Bilanz des Tages.