Wasserburg – Der Markt ist überfüllt, die Besucher parken kreuz und quer – für den kommenden Kathreinsmarkt plant die Stadt Wasserburg eine neue Gestaltung. Keine Änderung gibt es hingegen beim Schulsprengel in den umliegenden Gemeinden.
Der Schulsprengel im Bereich der Gemeinden Wasserburg, Ramerberg und Rott wird nicht geändert. Das geht aus einem Schreiben der Regierung von Oberbayern hervor. Zwar wird darin die „Wirtschaftlichkeit“ einer anderen Sprengeleinteilung betont, doch aufgrund der „offenen Ablehnung“ durch die Eltern und die Gemeinden Wasserburg und Ramerberg habe man von der Änderung abgesehen. In Rott, Ramerberg und Wasserburg hatte die Frage nach der Schulsprengeländerung im letzten Jahr die Räte und die Schulverantwortlichen bewegt. Offizieller Auslöser war das Schulamt in Rosenheim, das die Schüler in diesem Raum neu verteilen wollte. Derzeit besuchen die Kinder aus den bei Attel liegenden Ortsteilen von Ramerberg die Grund- und Teilhauptschule in Reitmehring. Sie sollten nach Rott, um dort die Hauptschule zu stärken. Gleichzeitig sollte die fünfte und sechste Klasse in Reitmehring geschlossen werden und die dortigen Schüler nach Wasserburg gehen.
Aus für fünfte und sechste Klasse in
Reitmehring?
Bürgermeister Dr. Geiger war einer der engagiertesten Vertreter dieser Lösung, da er so eine wirtschaftliche Lösung für die Stadt und eine Stärkung der Hauptschule verwirklicht sah. Doch der Stadtrat folgte ihm nicht. Abgelehnt wurde die Lösung auch in Ramerberg und Reitmehring, nachdem es dort massive Elternproteste gegeben hatte.
Einig waren sich wohl alle: So viele Leute wie dieses Jahr waren noch nie zum Wasserburger Kathreinsmarkt geströmt. Erstmals waren jeweils zwei Busse eingesetzt worden, die vom Badria-Parkplatz und vom Bahnhof in Reitmehring die Marktbesucher in die Altstadt brachten.
Trotz dieses Angebots, das im nächsten Jahr möglicherweise nochmals erweitert werden soll, versuchten viele in der Stadt einen Parkplatz zu finden. „Die Parkmoral ist grausam“, notierte ein Polizeibeamter in seinem Bericht. „Der Markt ist in seiner Aktivität ausgereizt, jetzt muss man schauen, dass er schöner wird“, so Manfred Gerer.
Der Wasserburger Wirtschaftsförderungsverband hat sich nicht nur Gedanken über die Parksituation gemacht, gemeinsam mit der Stadt will man auch erreichen, dass das Sortiment ausgewogener wird. Denn über das Angebot, in der Mehrzahl Kassetten und Stände mit Leggins und Sweatshirts, war man in diesem Jahr nicht besonders begeistert.
Weitere Meldungen in der Woche vom 18. bis zum 24. November 1994:
Kloster Banz – Nach dem Wegfall der Grenzkontrollen innerhalb der Europäischen Union (EU) soll die bayerische Polizei künftig auf Durchgangsstraßen, Flughäfen und Bahnhöfen auch ohne konkreten Verdacht Personen kontrollieren können. Damit solle vor allem die grenzüberschreitende Kriminalität bekämpft werden, teilte die Staatsregierung mit. Diese bundesweit bisher einzigartige Neuregelung der polizeilichen Personenkontrolle soll in erster Linie für einen 30 Kilometer breiten Streifen entlang der Grenze gelten.
Mainz – Die Anrede „Sie“ in Verbindung mit dem Vornamen macht im deutschen Sprachgebrauch zunehmend Boden gut. Diese Form werde mehr und mehr auf den Führungsetagen von Unternehmen, unter Universitätsbeschäftigten und in größeren Redaktionen üblich, so der Bamberger Sprachwissenschaftler Helmut Glück. Die Ende der 60er-Jahre aufgekommene Duz-Welle sei in den letzten Jahren stark abgeebbt.
Bremen – In die Diskussion um die Finanzierung der Pflegeversicherung ist neue Bewegung gekommen. Falls nicht alle Länder zur Kostenentlastung der Arbeitgeber den Buß- und Bettag als gesetzlichen Feiertag abschaffen, will Bremen im Gegenzug den Reformationstag als neuen Feiertag einführen. Dieser Vorstoß von Bürgermeister Klaus Wedemeier wurde von der Evangelischen Kirche in Deutschland begrüßt.
Hamburg – Für die Deutschen wird Sport weniger wichtig im Leben. Während nach einer Studie des B.A.T. Freizeit-Forschungsinstitutes 1987 noch 45 Prozent der Deutschen gelegentlich Sport trieben, waren es 1994 nur noch 38 Prozent. Verloren geht auch das Interesse an Sportveranstaltungen. Der Studie zufolge sank der Anteil der interessierten Sportzuschauer in Westdeutschland im laufenden Jahr von 31 auf 26 Prozent.
Tokio – Aus dem gebrauchten Öl für Pommes frites und Tempura lässt sich ein dieselähnlicher Kraftstoff herstellen, mit dem tatsächlich Autos fahren können. Das hat eine Verbraucher-Vereinigung in Kagoshima ermittelt. Zwei Autos mit Dieselmotor seien ohne Probleme tausende Kilometer – auch auf der Autobahn – mit dem Speiseöl gefahren. Das Öl wird nach dem Herausfiltern der Essensreste mit Methanol behandelt.