Obing – Die Gemeinderäte der Verwaltungsgemeinschaft Obing, Pittenhart, Kienberg hatten sich letzthin angesichts der Veränderungen in der Altersstruktur in ihrer Bevölkerung mit Überlegungen zur Schaffung eines Quartiersmanagements beschäftigt, wie es in Seeon-Seebruck bereits erfolgreich praktiziert wird. Das dahinterstehende Quartierskonzept hat zum Ziel, dass ältere Mitbürger solange wie möglich zu Hause wohnen bleiben können durch die Schaffung von Versorgungs- und Betreuungsstrukturen.
Die Tendenz in den Diskussionen ging zu einem gemeinsamen Quartiersmanager für die gesamte Verwaltungsgemeinschaft; darüber hinaus wurde deutlich, dass noch Informationsbedarf besteht. Daher ließen sich nun alle drei Ratsgremien in einer gemeinsamen Sitzung von der Quartiersmanagerin Seeon-Seebrucks Ulrike Ganslmeier vorstellen, wie das Quartierskonzept in Seeon-Seebruck funktioniert.
Ein grundlegender Teil ihrer Tätigkeit sei die Wohnberatung, denn oft könne die angestammte Wohnung mit passenden Veränderungen auch bei Einschränkungen des Bewohners von ihm noch genutzt werden. Information über Betreuungsangebote sei ein weiterer Schwerpunkt. „Natürlich helfe ich auch mal bei der Organisierung von Pflege und trete mit den Sozialdiensten in den Krankenhäusern in Kontakt, wenn Not am Mann ist“, so Ganslmeier, doch prinzipiell gehe es darum, ein Wohnumfeld zu schaffen, in dem ältere Menschen lange selbstständig leben können, beispielsweise auch durch ein barrierearmes Wohnumfeld und eine Versorgungsinfrastruktur, die fußläufig erreichbar ist.
Weitere Themen waren in Seeon-Seebruck die Förderung von Mobilität ohne Auto unter anderem mit dem „Mitfahrbankerl“ und einer Mitfahrbörse und der große Bereich der sozialen Teilhabe.
Gerade bei der Schaffung von Begegnungsmöglichkeiten – auch generationsübergreifend – sei viel geschehen, berichtete Ulrike Ganslmeier, vom „Gute-Laune-Frühstück“ über den Spielenachmittag und die PC- und Handy-Sprechstunde bis zum „Bürgertreff Seeon“, der die räumlichen Voraussetzungen biete.
Der Quartiersmanager müsse dabei für Organisation, Öffentlichkeitsarbeit und Vernetzung sorgen und vielleicht auch einmal initiativ werden, doch in erster Linie müssten die Unternehmungen von den Bürgern ausgehen, von den Senioren selbst und von den bereits jetzt schon engagierten Helfern.
Quartiersmanagement
soll Angebote
koordinieren
Überhaupt sei die Einbindung der Ehrenamtlichen extrem wichtig. Das Quartiersmanagement solle die vorhandenen Angebote nicht ersetzen, sondern koordinieren.
In Seeon-Seebruck könne die Quartiersmanagerin auf den „Arbeitskreis Soziales, Senioren und Gesundheit“ zurückgreifen und auf einen Pool von ehrenamtlichen Helfern, die immer wieder punktuell eingesetzt werden können, aber nicht oder nicht mehr für einen Aufgabenbereich die Verantwortung übernehmen wollten, erläuterte Ulrike Ganslmeier.
Bestätigt wurde Ulrike Ganslmeier in ihren Ausführungen von Bürgermeister Bernd Ruth. „Das Gesamtkonzept macht’s“, umriss Ruth den großen Vorteil der Professionalisierung in der Umsetzung eines niederschwelligen Betreuungskonzepts für die älteren Gemeindebürger. Denn das Ziel, die alten Mitbürger im Ort zu halten, sei kein innerfamiliäres Problem, sondern eine gesellschaftliche Aufgabe. Daher habe man in Seeon-Seebruck 2016 die Möglichkeit staatlicher Förderung für ein Quartiersmanagement ergriffen und nach Auslaufen der Förderung nach zwei Jahren die Gesamtkosten für die Quartiersmanagerin als Gemeinde selbst übernommen. „Das ist gut investiertes Geld“, zeigte sich der Seeon-Seebrucker Bürgermeister überzeugt.
In der Diskussion der Gemeinderäte von Obing, Pittenhart und Kienberg wurde deutlich, dass die Mitglieder der Gremien die Notwendigkeit eines „Ansprechpartners rund ums Alter“ sehen, aber nach einer Lösung suchen, die der Größe ihrer jeweiligen Gemeinden angemessen ist.
Ulrike Ganslmeier informierte, dass man bei dem Konzept Quartiersmanagement davon ausgehe, dass eine Vollzeitstelle etwa eine Gesamtbevölkerung von 5000 Einwohnern abdecke und sie sei in Seeon-Seebruck mit dieser Gemeindegröße gut ausgelastet, so dass man sich für die gesamte Verwaltungsgemeinschaft von etwa 7500 Einwohnern eine eigene Lösung überlegen müsse.
Unter anderem wurde die Aufteilung auf mehrere Teilzeitstellen ins Gespräch gebracht.