Wasserburg – Nun hat auch die CSU Wasserburg ihre Kandidatenliste für die Wahl des Stadtrats beschlossen. Heike Maas (52), die bereits im Juni als Gegenkandidatin von Bürgermeister Michael Kölbl (SPD) nominiert worden war, kam wie erwartet auf Platz eins. Die Überraschung des Abends: Andreas Aß (61) zieht sich zurück. Otto Zwiefelhofer (75) – bisher Dritter Bürgermeister – verzichtet altershalber auf eine neue Kandidatur.
Der Vorsitzende der CSU Wasserburg, Wolfgang Schmid, betonte im Gespräch mit der Wasserburger Zeitung am Rande der Veranstaltung, Ziel seiner Partei sei, Sitze im Stadtrat dazuzugewinnen. Bisher ist die CSU mit sechs Mandaten vertreten. „Das ist nicht so viel“, so Schmid. Bei der Wahl im Jahr 2014 errang die CSU 26,7 Prozent, die SPD kam auf 31 Prozent (sieben Mandate). „Wir sind aber Realisten – wir wissen um die Wählerstrukturen in Wasserburg. Die Stadt ist eher bunt“, sagte Schmid. Aber die CSU versuche, den Bürgermeister zu ärgern, zu „tratzen“, wie er sich ausdrückte.
Schmid sprach einen „herzlichen Dank“ an die Kandidaten aus. „Man muss ehrlicherweise sagen: Die Bereitschaft, in der heutigen Zeit Verantwortung zu übernehmen, wird immer schlechter.“ Die Zusammensetzung der Liste – ein Jahr habe die Suche nach geeignetem und willigem Personal gedauert – würdigte er als „Gesamtkunstwerk“.
Mit der Liste werde deutlich, dass die CSU eine Volkspartei sei. „Wir haben Akademiker, wir haben Beamte, wir haben Arbeiter, wir haben Handwerker.“ Alle Schichten, alle Berufsgruppen seien vertreten.
Zum Auftakt der gut zweistündigen Sitzung stellten sich die Kandidaten einzeln vor: Darunter Georg Machl, der sich auf einen guten Wahlkampf freut. „Ich glaub‘ auch, dass wir super aufsteigen werden.“ Elisabeth Fischer sagte, mit 69 „fühle ich mich im Kopf noch nicht so alt.“
Jakob Schedel erklärte, dass man in der Stadt „wahnsinnig viel erhalten kann und muss“. Sein Anliegen sei es, ein familienfreundliches Fahrradkonzept zu entwickeln. Markus Bauer betonte, die Steuergelder seien so auszugeben, „dass es für alle sinnvoll ist“. Sven Karthäuser will sich für die Digitalisierung im Dienste der Menschen einsetzen. Lukas Krumpholz sagte, Wasserburg habe ein großes Potenzial, und er wolle bei der Gestaltung der Zukunft mithelfen.
Für Dr. Sandra Wagner ist es toll, in Wasserburg zu leben. „Es wäre gut, wenn man das weiterführen könnte.“ Simone Huber will sich für das Handwerk einsetzen und insbesondere ein Auge auf die kleinen Firmen werfen.
Hannes Fellermayr möchte für „frischen Wind“ in Wasserburg sorgen und dafür, dass junge Leute integriert werden. Robert Zeislmeier sieht sich als Verstärkung der „Abteilung Attacke“ und für Rudi Meingassner, Polizeibeamter, hat das Thema Sicherheit höchste Priorität. Toni Westner beklagte dagegen: „Jeder haut auf den anderen drauf, egal was er sagt.“
Die von Ex-Stadtrat Oliver Winter routiniert geleitete Wahl der 24 Kandidaten (siehe Infobox) – erfolgte nach Vorschlag des Vorstands in vier Sechsergruppen. Insgesamt 18 Mitglieder waren wahlberechtigt. Es wurde Einstimmigkeit erzielt – bei zwei Enthaltungen. Nur sechs Listenplätze sind mit Frauen besetzt. „Wir sind froh um jede Frau, die sich einbringt“, sagte dazu Wolfgang Schmid.
Aß hat
„die Schnauze voll“
Zum Rückzug von Aß bemerkte er: „Der Andi hat einfach – auf gut Bayerisch – die Schnauze voll gehabt.“ Er habe sich in seinem Geschäft zu oft angegriffen gefühlt, hatte keine Ruhe mehr. „Wir konnten ihn nicht mehr überzeugen. Das hat mir sehr leid getan“, so Schmid.
Die Festlegung der Marschrichtung der CSU für den Wahlkampf will Schmid im Wesentlichen der Spitzenkandidatin Heike Maas überlassen. „Sie ist hervorragend vernetzt.“ In einer mit Leidenschaft vorgetragenen Rede betonte Maas zuerst den Aspekt Beschäftigung: „Arbeit ist für uns Ausgangspunkt und Grundlage für Wohlstand. Das Geld muss erst verdient werden, bevor man es großzügig ausgeben kann.“
Aufgabe sei es, alle Unternehmen und Einrichtungen zu unterstützen, damit bestehende Arbeitsplätze erhalten und neue geschaffen werden können. Auch das Thema Demografie ist ihr wichtig: Es seien Rahmenbedingungen zu schaffen, damit Senioren möglichst lange selbstbestimmt und eigenständig leben können. Zum anderen müsse Wasserburg aber noch stärker als attraktive Heimat für junge Familien gestaltet werden. Mit Blick auf die Umwelt sprach sie sich gegen Verbote und Regulierungen aus.
Den bevorstehenden Wandel müsse man gestalten, den könne man nicht verwalten: „Wasserburg braucht jetzt Anpacker und Macher.“
Vor gut zwei Jahren, als die beiden Kinder aus dem Haus gingen, zog Heike Maas, gebürtige Rosenheimerin, mit ihrem Mann nach Wasserburg. Thematische Schwerpunkte von Heike Maas waren in den vergangenen Jahren, bedingt durch ihre Biografie als Mutter und Diplom-Kauffrau, die Familien- und Wirtschaftspolitik. Hier engagierte sie sich in diversen Projekten. Am Herzen liegt ihr auch die Integration der Flüchtlinge.