Wasserburg – „Das ist eine Wertschätzung, die uns als Stadt und die Leser bereichert“, freute sich Bügermeister Michael Kölbl über die Schenkung der Skulpturen aus dem Nachlass von Louise Stomps. Stomps gehöre zu den bedeutenden Künstlerinnen der klassischen Moderne. Nachdem 16 Skulpturen von Louise Stomps (1900 bis 1988) seit einigen Jahren in der Bibliothek Wasserburg ausgestellt sind, schenkten die Enkel der Künstlerin – um Familie Schrader und Berthold Kogut aus Berlin – der Stadt nun offiziell die Werke.
An der Veranstaltung in der Bibliothek nahmen um die „Gastgeberin“ Elke Fleischer auch der Zweite Bürgermeister, Werner Gartner, Stadtrat Josef Baumann, Kulturreferentin Edith Stürmlinger, Sonja Fehler (Heimatmuseum) und die Bildhauerin Ute Lechner teil. Die Kumpfmühle, in der Louise Stomps gewirkt hat, hält sie als „Gebäudenachfolgerin“ in Ehren. Mit Anekdoten aus dem Leben der verstorbenen Künstlerin gab sie Eindrücke in den Charakter der selbstbewussten Frau: „Sie war nicht so freundlich zu Männern. Als sie ein Mann in der Kumpfmühle besucht hat und für sich eine Skulptur wollte, hat sie gesagt: Sie sind jung, machen Sie sich das selber.“ In einer Polizeikontrolle habe sie auf die Frage, warum sie ohne Licht gefahren sei, nur erwidert: „Ich wollte Strom sparen“. „Ihr Auftreten im öffentlichen Raum war für mich immer beeindruckend“, meinte Bürgermeister Kölbl und sprach damit auch die Motorradleidenschaft von Stomps (siehe Kasten) an. Bis ins hohe Alter sei sie mit ihrem Motorrad mit Beiwagen gefahren – mit einer Lederkappe auf dem Kopf.
Louise Stomps gehört zu den Bildhauerinnen des 20. Jahrhunderts, deren Werke kunsthistorisch wiederentdeckt werden. Viele ihrer Arbeiten finden sich heute in öffentlichen Sammlungen und Ausstellungen, wie der Nationalgarde Berlin oder der Pinakothek der Moderne München. Auch in Wasserburg stehen Skulpturen von Louise Stomps am Skulpturenweg, vor der Hauptgeschäftsstelle der Sparkasse und nun dauerhaft in der Bibliothek. „Wir wissen die Kunstwerke hier in guten Händen und es gibt ein interessiertes Publikum“, begründet Enkel Berthold Kogut.
Auch die Leiterin der Bibliothek, Elke Fleischer, ist zufrieden: „Die Kinder achten und lieben die Skulpturen. Sie wissen oft nicht genau, was die Skulpturen darstellen sollen, aber sie sind ganz begeistert, wenn sie hören, dass eine Frau diese Werke geschaffen hat.“