Haag – Das Haager Krankenhaus in seiner Entstehungsgeschichte stand im Mittelpunkt des vierten „Haager Bürgerabends“ unter Moderation von Thomas Sax im Stadel des Hofcafés.
Begleitend zu den historischen Anekdoten, die Ludwig Meindl präsentierte, erläuterte Thomas Kitzeder von der Krankenhausverwaltung alte Fotos und die Bauphase 1956.
In Haag sowie im gesamten Landgerichtsbezirk gab es im 19. Jahrhundert lange kein Krankenhaus. Die Haager hatten insofern ein Privileg, dass ihnen seit 1466 das Leprosenhaus am Ende der Kapellenstraße zur Verfügung stand, im Volksmund auch das Armenhaus genannt. Der Gräfin Kunigund war dann 1538 die Stiftung des Spitals zu verdanken.
Die zwölf „Pfründner“ zogen ein und wurden auch medizinisch versorgt. Es sollte allerdings bis in das Jahr 1833 dauern, dass der Markt Haag eine gemeindliche Krankenanstalt in einem Privathaus einrichtete – mit zwei Zimmern.
Bereits 1822 gab es im Landgerichtsbezirk Wasserburg einen Distriktsfonds. Dahinein zahlten Dienstboten und Handwerksgesellen, um eine stationäre Behandlung zu finanzieren. 1833 entwarf Bürgermeister Grabmair Statuten für eine „Krankenanstalt für Dienstboten und Handwerksgesellen beyderley Geschlechts“. Darin hieß es: „Bisher fand sich im Markte Haag keine Anstalt oder allgemeine Hülf vor, wodurch den Gemeindemitgliedern als auch ihren Angehörigen die große Wohlthat eröffnet wäre, in beschwerlichen Krankheitsfällen dafür gesorgt zu wissen.“
Dienstboten und
Handwerksgesellen
hatten eigene Räume
So wurden im Privathaus zwei geräumige und heizbare Zimmer angemietet. Das war in der ehemaligen Fronfeste (heute Maler Holzner neben rechtem unteren Schloss neben dem alten Pfarrhof). „Kost und Trunk“ lieferte ein „hiesiges Wirtshaus“.
Der Arzt schrieb es im Diätbuch auf, der Krankenwart holte es.
„Als dann 1854 das Forstamt von Haag nach Ebersberg verlegt wurde, da reagierte die Gemeindeverwaltung richtig und kaufte das Gebäude an der heutigen Krankenhausstraße.
Acht Zimmer wurden eingerichtet“, betonte Meindl.
Dienstboten und Handwerksgesellen hatten eigene Räume. Lauter Protest von rundum erhob sich 1866 gegen die Einrichtung eines Distriktskrankenhauses in Haag, das aber danndoch für 17993 Gulden und 24 Kronen ausgebaut wurde und über 19 Zimmer verfügte. Zwei Barmherzige Schwestern besorgten die Krankenpflege. Der erste Haager Krankenhausarzt war Dr. Carl Breitenstein. Zur Hand gingen ihnen ein Hausknecht und eine Magd.
An der Spitze standen Krankenhausverwaltung, Vorsteherin und die Hauspolizei. Was der Garten nicht lieferte, durfte eingekauft werden wie Brot, Schmalz, Kerzen, Öl „an jenen Plätzen, wo sie am billigsten zu haben sind“. Nach Bedarf konnten die Schwestern auch Milchkühe halten. Die zwei Schwestern verfügten über drei Zimmer, ein Speisezimmer, ein Schlafzimmer und ein Geschäftszimmer.
Wie man sich im Krankenhaus richtig verhält, das schrieb am 25. April 1865 die Hausordnung des Distriktskrankenhauses vor. So musste man beim Eintreffen alles Geld und Wertgegenstände an die Frau Oberin abgeben. Es war verboten, sich bekleidet im Schlafrock, ledernen Hosen und Schuhen auf das Bett zu legen. Während der täglichen Gebete war der gehörige Anstand zu beobachten. Übertretungen zogen Entlassung oder Bestrafung nach sich.
Zu den 1960er-Jahren erläuterte Thomas Kitzeder den ersten Röntgentisch, der heute in einem Museum steht, den „nach allen Richtungen verstellbaren Operationstisch“ und den Fadenwagen mit den in Alkohol eingelegten Fäden zum Operieren. „Gewürzt“ waren die Ausführungen zum vierten Haager Bürgerabend mit den bayerischen Klängen der „Weißbier Musi“ und den Schmankerln von Matthias Bachmeier. xy