Wasserburg/Mwanza – „Der Idealismus und der Glaube an das Gute waren meine wichtigsten Weggefährten“, sagt Dr. Thomas Brei. Der gebürtige Wasserburger ist sowohl Arzt, als auch Priester – in einem eigenen Krankenhaus in Tansania. Zu Hause in Wasserburg war er schon seit mehreren Jahren nicht mehr. „Mit Sicherheit ist das auch ein Zeichen dafür, dass ich hier in Tansania eine zweite Heimat habe, wo ich mich gebraucht und zu Hause fühle“, erklärt er der Wasserburger Zeitung. Wie kam es dazu?
Pfarrvikar in
Velden und
Mammendorf
Nach seiner Priesterweihe im Alter von 29 Jahren arbeitete er als Kaplan und Pfarrvikar in den Pfarrverbänden Velden und Mammendorf. Seit 2011 ist er als Missionsarzt und Fidei-Donum-Priester in Tansania tätig. Er unterstützt das Wasso Hospital im Norden der Serengeti und baut selbst ein Krankenhaus in Mwanza auf. Dort, in seiner St.-Clare- Klinik am Viktoriasee, möchte Brei Armen, Kranken und Notleidenden helfen. Einen Konflikt zwischen Arzt und Priester Brei sieht er nur beim Zeitmanagement: „In der Religion geht es um das ,Heil des Menschen‘ – in der Medizin auch. Der Priester hat als sein wichtigstes ,Arbeitsmittel‘, dem Hilfesuchenden sein Ohr und seine Zeit zu schenken. Der Arzt muss oft sehr zeiteffizient denken, um seine Aufgaben zu bewältigen.“
Für medizinische Diagnostik und Behandlung auf dem Stand der modernen Technik sorgen in seinem Krankenhaus Unfallchirugen, Augen- und Zahnärzte, sowie Urologen. Finanziert wird das Projekt über Spendenaktionen – auch in Wasserburg.
Und die haben schon einiges bewirkt: Nach dem Baubeginn im Jahr 2015, hat die St.-Clare-Klinik einige Untersuchungsräume, vier Operationssäle, eine Zahn- und Augenarztpraxis und eine radiologische Abteilung zur Verfügung. 80 Betten stehen für Patienten bereit. Die großen Gebäude sind seit März fertiggestellt, seit Oktober führt die Klinik den offiziellen Krankenhausstatus des Landes.
Mit der Eröffnung der stationären Versorgung soll ab Januar des kommenden Jahres der gesamte Betrieb anlaufen. Für eine sogenannte „One-Man-Show“ von Brei ist die St.-Clare-Klinik inzwischen zu groß. Deswegen erhält er seit November Unterstützung von einem tansanischen Verwalter.
Ziel: Perspektiven
schaffen für die
Bevölkerung
Das Ziel von Thomas Brei und seinen Helfern ist nachhaltige Entwicklungshilfe. Sie wollen nicht nur die medizinische Versorgung verbessern, sondern auch Perspektiven für die Bevölkerung schaffen.
Für den Erfolg des Projekts waren aber auch einige Hindernisse zu bewältigen: Es stand keine ausreichende Infrastruktur zur Verfügung. Deswegen bohrten Thomas Brei und sein bayerischer Freund Erhard mithilfe einiger tansanischer Handwerker einen Brunnen. Für eine günstige Wassernutzungslizenz ist die Wasserversorgung der Klinik damit gesichert.
Auch die Bürokratie erschwerte die Durchführung des Projekts einige Male. Der Transport eines Computertomografen und die Einführung nach Tansania etwa dauerte im Jahr 2016 mehrere Monate. Wegen unzureichender Stromversorgung musste eine Anlage zur „unterbrechungsfreien Stromversorgung“ gekauft werden, die eine permanente Stromversorgung gewährleistet. Der Einfuhrzoll darauf sollte laut tansanischem Staat 43 Prozent des Kaufpreises betragen. Eine lange Auseinandersetzung folgte.
Derzeit läuft das Einstellungsverfahren für das Personal. Denn die St. Clare Klinik soll als Arbeitgeber jungen Leuten eine gesicherte Existenz ermöglichen. Mit einem für dortige Verhältnisse guten Lohn, können sie ihre Familie ernähren. Die Initiative für Entwicklungszusammenarbeit „Senior Experts“ unterstützt das Projekt von Thomas Brei. Deutsche Experten stellen ihr Know-how zur Verfügung und schulen damit die Auszubildenden im Krankenhaus in Afrika. Die dadurch entstandenen Kontakte bleiben, indem sich die Partner über Social Media auf dem Laufenden halten, sich absprechen und helfen.
Dr. Jürgen Truß aus Deutschland besucht das medizinische Personal zweimal im Jahr und unterrichtet es in Radiologie und Radiografie.
Mit dem Verlauf seines Projektes kann Thomas Brei zufrieden sein. Sein Ziel sei es nun, das Erreichte zu festigen, erklärt er auf Nachfrage der Wasserburger Zeitung.
Dass er genau in Tansania wirkt, sei lebensgeschichtlicher Zufall. Tansania entspreche mit Serengeti, Kilimanjaro und Sansibar auch seinem „Traum von Afrika“. Seine Herkunft hat er aber nicht vergessen: „Wasserburg war eine großartige Heimat für mich zum Aufwachsen. Mein jetziges Leben ist auf dem Boden meiner Kindheit und Jugend im Raum Wasserburg entstanden.“ Aber auch durch eindrückliche Unternehmungen von dort in die weite Welt hinaus. „Ich glaube, dass ich eigentlich für die Tropen gemacht bin.“ Denn, was er an Wasserburg gar nicht vermisst, ist die herbst- und winterliche Kälte. Weitere Informationen über das Projekt St.-Clare- Krankenhaus und Spendenmöglichkeiten gibt es auf der Homepage des Projekts stclare-foundation.com.