Heroische Schlachten, pfiffige Gänse

von Redaktion

Was wird denn hier gespielt? Objekt des Monats im Museum Wasserburg

Wasserburg – Ein Belagerungsspiel aus dem frühen 19. Jahrhundert stellt das Museum in Wasserburg diesen Monat vor. Lange Zeit gab dieses Objekt den Museumsmitarbeitern Rätsel auf.

Bei dem Objekt handelt sich um ein kreuzförmiges, gepunktetes Spielbrett mit militärischen Szenerien in den Ecken. Eine Spielanleitung hatte sich nicht erhalten. In Vorbereitung der aktuellen Sonderausstellung „Was wird denn hier gespielt? Zur Geschichte der Gesellschaftsspiele“ fielen einer ehemalige Volontärin Ähnlichkeiten mit dem Spiel Solitär auf. Auch diesem Spiel liegt ein kreuzförmiger Spielplan zugrunde. Beim Solitärspiel versucht ein einzelner Spieler, alle Spielkegel so durch Überspringen aus dem Spielbrett zu schlagen, dass nur noch ein Kegel in der Mitte des Spielbretts übrig bleibt.

Zu klären galt weiterhin, was es mit den militärischen Szenerien auf dem historischen Spielbrett auf sich hat. Ein Restaurator reinigte und konservierte das Spielbrett und brachte so die Szenen mehr zum Leuchten. In den oberen Ecken links und rechts sind eine Burg und ein Feldlager zu sehen. Darunter befinden sich Kennzeichen des Lager- und Soldatenlebens: links Gewehre, rechts Pulverfässer, Würfel und Karten gegen die Langweile, ein Topf über dem Feuer gegen den Hunger, eine Schleifkanne gegen den Durst und eine Pfeife für die Gemütlichkeit.

Beim Belagerungsspiel werden heroische Kriegsgeschichten aufgegriffen, in denen sich einige wenige Verteidiger erfolgreich gegen eine Übermacht behaupten. Der kreuzförmige Spielplan des Belagerungsspiels hat 33 Schnittpunkte. Neun Punkte bilden eine Festung, die von einem Spieler mit zwei Verteidigern besetzt werden. Die übrigen 24 Punkte übernimmt der Angreifer, er darf 24 Kegel darauf platzieren. Nun versucht der Angreifer, die neun Punkte der Festung zu besetzen, der Verteidiger muss für einen Sieg mehr als 15 Angreifer durch Überspringen schlagen. Damit beide Seiten ausgeglichene Gewinnchancen haben, darf der Angreifer nur vorwärts ziehen, während der Verteidiger sich in alle Richtungen bewegen und schlagen darf.

Bei weiteren bekannten Varianten wird die Übermacht umgedreht: Eine große Anzahl an Hühnern oder Schafen, versucht, sich gegen wenige angreifende Füchse oder Wölfe zu erwehren.

Hochphase im
19. Jahrhundert

Dieses klassische Belagerungsspiel erlebte seine Hochphase im 19. Jahrhundert als Variante des Damespiels. Es entwickelten sich zahlreiche Versionen und Spielpläne. Auch das Solitärspiel ist eine Weiterentwicklung des Belagerungsspiels für einen Spieler.

Die Ursprünge liegen wahrscheinlich im Island des 10. Jahrhunderts. Dort gab es ein Fuchsspiel mit vergleichbarem Grundgedanken und selbem Spielfeld. Ein Fuchs schlägt durch Überspringen eine Vielzahl von Gänsen, oder die Gänse kreisen den Fuchs ein, damit dieser nicht mehr ziehen kann.

Ein solches Spiel befindet sich ebenfalls in der aktuellen Sonderausstellung, die noch 6. Januar läuft.

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