Obing – So ein Hokuspokus – bei Florian Otto geht es im wahrsten Sinn des Wortes, magisch zu. Der 26-Jährige ist nämlich Zauberkünstler. Doch auf Zylinder, Kaninchen und Zauberkoffer wartet man bei dem sympathischen jungen Mann vergebens. Lederhose und Holzfass sind das Markenzeichen des waschechten Bayern, der seine Magie gerne mit einer gehörigen Portion Humor kombiniert. Seine Requisiten transportiert er nicht im Zauberkoffer sondern im Fass. „UnFassbar“ ist dementsprechend auch der Name des gleichnamigen Programms. Die Zauberkunststücke sind es ohnehin: Mit klassischen und selbstkreierten Tricks verblüfft er Zuschauer aller Altersgruppen und hat selbst großen Spaß dabei. Wohl auch, weil er seine professionellen Nummern mit bayerischem Kabarett verbindet und sein Publikum miteinbezieht. Gerne kokettiert er damit, dass seine Vorführungen im ersten Versuch augenscheinlich misslingen, ehe sie dann – witzig moderiert und noch erstaunlicher für das Auge des Betrachters – eben doch funktionieren. Florian Otto quittiert’s mit verschmitztem Zaubererlächeln. „Ich möchte die Zuschauer mit meiner weißblauen Zauberkunst aus dem Alltag herausholen, sie zum Lachen und zum Staunen bringen“, sagt der mehrfach ausgezeichnete Wahl-Obinger. Wichtig sei ihm deshalb auch, Kunststücke nicht aneinanderzureihen sondern sie in eine durchgängige Geschichte, beispielsweise Bayern, König Ludwig oder Oktoberfest, zu verpacken. Und mit Comedy zu würzen, „damit’s a magische Gaudi wird“.
„Man muss sich
auf sich selbst
verlassen können“
Gefragt seien neben Schlagfertigkeit und Spontanität natürlich eine gewisse Fingerfertigkeit und höchster Perfektionismus. Jeder Handgriff müsse blind sitzen, doch dürfe sich keinesfalls Routine einschleichen. Deshalb müsse man sich auf sich selbst zu hundert Prozent verlassen können, denn die kleinste Nachlässigkeit könne eine Nummer zum Kippen bringen.
Begonnen hat es mit
einem Zauberkasten
zu Weihnachten
Für den gebürtigen Ebersberger ist der magische Moment nur dann erreicht, wenn die Zuschauer Freude haben und begeistert sind, ohne darüber nachzudenken, wie es funktioniert. Die ersten fünf Minuten jeder Show sind für ihn selbst die spannendsten. Dann weiche das eigene Lampenfieber und beim Publikum sei der Wechsel von Skepsis in Begeisterung zu spüren, erzählt er. Der gelernte Bankkaufmann ist längst über das Stadium des Zauberlehrlings hinaus und hat seine Leidenschaft zum Beruf gemacht. Begonnen hat alles mit einem Zauberkasten unter dem Weihnachtsbaum. Als siebenjähriger Bub habe er damals sofort Feuer gefangen und fortan die Familie „bis zum Abwinken mit Kartentricks beglückt“, lacht Otto, dessen Vorbild damals der große David Copperfield war. Das habe dazu geführt, dass er sein komplettes Taschengeld für weitere Kartentricks ausgegeben und sich jedes Jahr Weihnachten ein neuer Zauberkasten eingefunden habe. Als 17-Jähriger habe er die Sache dann professioneller angehen wollen. Deshalb sei er dem Magischen Zirkel in München beigetreten. Kein einfaches Unterfangen, denn wer ernsthaft Mitglied werden will, muss sich zu absoluter Geheimhaltung verpflichten und erst eine einjährige Probezeit durchlaufen. In der muss monatlich ein Kunststück präsentiert werden, um an einer umfassenden Aufnahmeprüfung teilnehmen zu können, ehe es ans Eingemachte geht und die Größen der Szene professionelle Anleitung zu großen Zaubernummern geben. Deshalb ist Florian Otto schon auch ein wenig stolz, dass er 2011 gleich Deutscher Jugendmeister der Zauberkunst geworden ist. Mit diesem Motivationsschub hat er fleißig an seiner Erfolgsgeschichte – oder besser gesagt seinen Zaubergeschichten – weitergeschrieben. „Super Tricks gibt es nicht zu kaufen“, sagt Florian Otto. „Gefragt sind neben dem zauberischen Handwerkszeug, auch Kreativität und Visionen und die Fähigkeit, Ideen für Zauberkunststücke publikumswirksam umzusetzen“. Dramaturgie, Spannungsbogen, Effekte, Musik und Text spielten dabei eine große Rolle. Dazu kommt viel Probenarbeit und Organisatorisches. Ob nun große Bühne oder auf kleinem Raum mit zwei Quadratmetern, die er mindestens braucht. „Die Zauberei lebt vom Geheimnis. Nur wenn keiner sieht, wie es geht, ist es perfekt.“
Im neuen Jahr ist
Otto fest engagiert
im Bayernpark
Er zaubert auf Firmen- oder Familienfeiern, Tagungen, Produktpräsentationen oder auf großer Bühne. Gelegenheiten gibt es reichlich. An seiner Seite sind – je nach Bedarf – Bühnenhelfer und Freundin und Assistentin Anna-Lena Weber.
Im kommenden Jahr erfüllt sich ein weiterer Traum für Florian Otto. Nach einem Gastspiel in diesem Jahr wird er dann in einem Festengagement mit eigener Show die Bayern-Parkbesucher bezaubern. Zwei Vorstellungen am Tag, an sieben Tagen in der Woche über einen Zeitraum von acht Wochen, sei schon eine Herausforderung, freut sich der gebürtige Ebersberger. Bleibt nur zu wünschen: „Gut Trick“, wie es unter Zauberern so üblich ist.