Das Ausgehen soll attraktiver werden

von Redaktion

Wasserburg möchte das Nachtleben beleben, doch das ist einfacher gesagt als getan

Wasserburg – Die Sperrzeiten sind wieder gelockert worden, die Disco Universum hat neu eröffnet. Und trotzdem könnte die Ausgehstadt Wasserburg noch etwas mehr Schwung gebrauchen, finden manche Partygänger und Nachtschwärmer. Doch eine weitere Belebung ist einfacher gesagt als getan, zeigte sich im Haupt- und Finanzausschuss des Stadtrates. Die Fraktionsgemeinschaft Bürgerforum/Freie Wähler hatte zwei Anträge eingereicht, die sich der Thematik Ausgehen und Feiern in Wasserburg widmeten.

Antrag eins: Einführung eines Nacht-Shuttle-Busses.

Der Antrag fiel im Ausschuss durch. „Unausgegoren“ nannte Bürgermeister Michael Kölbl (SPD) den Antrag, der – begründet und ausformuliert – mit nur zehn Zeilen eine Lösung für eine komplexe verkehrsrechtliche Thematik fordere und viele Fragen offen lasse. Tatsache ist: Es gibt bereits ein Nachtangebot. Der Stadtbus verkehrt zwischen Altstadt und Badria täglich bis 23.25 Uhr im Stundentakt, in der Nacht von Freitag auf Samstag und von Samstag auf Sonntag bis 0.25 Uhr. Freitagnacht und Samstagnacht ist zusätzlich der Nachtexpress vom Badria über die Altstadt unterwegs. Er fährt weiter nach Edling, Pfaffing, Albaching und Haag.

„Die Diskothek Universum ist damit einer der wenigen Veranstaltungsorte in der Region, die überhaupt Anschluss an eine Nachtbuslinie besitzt“, stellte Kölbl fest. 2.30 Uhr ist als letzte Abfahrtszeit trotzdem zu früh, wandte Edith Stürmlinger als Vertreterin der Antragsteller ein. In der Tat wird im Uni in der Nacht von Samstag auf Sonntag oft bis gegen 5 Uhr gefeiert.

Die Stadt findet jedoch, der Antrag des Bürgerforums/Freie Wähler reagiere allein auf die Bedürfnisse eines einzelnen Betreibers und seiner Zielgruppe: die Besucher der Disco. „Die Finanzierung eines solchen Angebots ist nicht Aufgabe der öffentlichen Hand“, betont der Bürgermeister, der die Gefahr einer „unzulässigen Subventionierung eines Betriebes“ sieht.

So empfindet es auch SPD-Fraktionsvorsitzender Wolfgang Janeczka, der auch nicht den Bedarf für einen weiteren Bus – parallel und nach 2.30 Uhr ergänzend zum bisherigen Stadtbus und Nachtexpress – erkennt. „Wir sind hier nicht an der Kö in Düsseldorf oder in Schwabing. So ein Angebot muss man sich leisten können und wollen.“

Zweiter Bürgermeister Werner Gartner (SPD) sieht die Gefahr, dass Steuergelder verbrannt werden – um eine Lokalität zu fördern. Markus Bauer, Fraktionsvorsitzender der CSU, sah die Kosten in keinem Verhältnis zum Nutzen stehend. Er ist außerdem überzeugt, dass ein solcher Bus Gefahr laufe, ein „Promilleexpress“ zu werden. Er fördere nur das Vorglühen. Nachts seien nach 2.30 Uhr die Taxiunternehmen gefordert, bereit zu stehen für Fahrten. Bei diesem Angebot gebe es in der Tat Probleme.

Edith Stürmlinger verteidigte mit Vehemenz den Antrag ihrer Fraktion. Es gehe mitnichten darum, einen Betreiber zu bevorzugen. Von dem zwischen Altstadt und Badria kreisenden Shuttle-Bus würden vor allem die Wirte im Zentrum profitieren. Vor dem Besuch der Diskothek Uni könnten die jungen Leute am Badria parken, mit dem Bus zum Essen in die Altstadt fahren, dann dort noch in die Kneipe ziehen und später in die Disco – oder auch andersherum. Es gehe in erster Linie darum, die Altstadt wieder attraktiver zum Ausgehen zu machen.

Ohne ein gutes Angebot an Beförderungsmöglichkeiten würden die Partygänger auf der Straße stehen – auf Taxis wartend, außerdem sich oft lärmend von den Altstadtkneipen aus durch Wohngebiete Richtung Uni bewegend. Zum Transport müsse außerdem kein großer Bus eingesetzt werden, findet Edith Stürmlinger, ein kleiner reiche aus. Dass ihre Argumente nicht Gehör fanden, musste sie schließlich angesichts der Ablehnung aller anderen Mitglieder akzeptieren – sichtlich verärgert.

Antrag zwei: Auffoderung an die Stadt, die Möglichkeiten für einen neuen Biergarten zu überprüfen.

Dieser Antrag fand die Zustimmung aller Ausschussmitglieder. Trotzdem sind die Chancen auch hier gering, dass es klappt – obwohl es eventuell sogar ein Grundstück gibt: Am Inndamm hinter dem Fußballplatz könnte sich die Stadt einen Biergarten vorstellen. Sie will jetzt beim Freistaat, dem die Fläche gehört, nachfragen, ob dieser zur Verfügung steht.

Am Inndamm hinter
dem Fußballplatz?

Das kann gut sein, doch damit ist der Biergarten noch lange nicht eröffnet. Denn es muss sich ein geeigneter Betreiber finden. Und das ist schwer, weiß CSU-Fraktionsvorsitzender Markus Bauer, nicht nur Geschäftsführer der Bauergruppe, sondern auch Gastwirt. Ein Biergarten könne nur etwa sechs Monate im Jahr betrieben werden, die Hälfte dieser Zeit sei aufgrund schlechten Wetters ebenfalls zu streichen. Hinzu komme das Personalproblem: Servicekräfte seien heutzutage nur noch schwer zu finden, so Bauer.

Tatsache ist: Die Wasserburger trauern ihrem Fletzinger Biergarten nach. Seitdem er entfernt und das Gelände bebaut wurde, gibt es kaum eine Bürgerversammlung, in der nicht ein Ersatz in der Altstadt gefordert wird. Das war auch der Grund für den Antrag der Fraktionsgemeinschaft berichtete Edith Stürmlinger. Doch: „Auch der Fletzinger-Biergarten war kein Selbstläufer“, betonte Bauer. Er wisse, dass die Gastronomie dort zu kämpfen gehabt habe. Und das werde auch Nachfolgeeinrichtungen passieren. „Alle wollen einen neuen Biergarten, doch Gastronomen können rechnen, rentabel sind sie oft nicht“, betonte auch Janeczka. Es gibt außerdem bereits Biergärten in der Stadt – unter anderem das Cafesito am Bürgerbahnhof. Die musikalischen Freitage beispielsweise werden dort gut angenommen, doch die Öffnungszeiten sind generell nicht attraktiv genug, hieß es mehrfach im Ausschuss. Der Biergarten am Theater Wasserburg liegt vielen außerdem zu abgelegen.

Attraktiv wird auch ein Biergarten am Inndamm nicht sein, zeigte sich der Bürgermeister überzeugt. Zu früh am Abend werde es dort frisch, so die Erfahrung vom Inndammfest im Hochsommer. Trotzdem findet Edith Stürmlinger, es sei einen Versuch wert. Vielleicht könnten auch weitere Grundstücke gefunden werden. Die Stadt müsse dann auch finanziell in Vorleistung gehen, einen Platz herrichten, eventuell mit einer Bedachung ausstatten. Stürmlinger schwebt ein Kultur-Biergarten vor – mit regelmäßigen Veranstaltungen und spontan aufspielenden Musikgruppen, „die den Hut rumgehen lassen“.

Tolle Idee, waren sich alle einig. Doch die Stadt könne nur als Verpächter oder Vermieter auftreten, nicht durch öffentliche Mittel in den Wettbewerb eingreifen und mit Steuergeldern eine Gastronomie fördern. Die Kommune liege ein Biergarten sehr wohl am Herzen, zeigte sich Kölbl bereit, aktiv zu werden bei der Suche nach einem Grundstück. „Bisher haben mir die Betreiber jedoch nicht gerade die Tür eingerannt“, warnte er aber vor zu großen Erwartungen.

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