Obing – Im Rahmen eines Leader-Projektes hatten 23 Kommunen aus vier Leader-Aktionsgruppen (LAG) eine Machbarkeitsstudie zu einem regionalen Energieversorgungsunternehmen mit dem Arbeitstitel „Regionalwerk Chiemgau-Rupertiwinkel“ erstellen lassen. Das Ergebnis stellten sie nun in Obing vor. Darin kommen sie zu dem Schluss, dass der Aufbau eines Regionalwerks als gemeinsames Kommunalunternehmen sinnvoll ist, wenn sich mindestens fünf Gemeinden daran beteiligen.
Besonders effektiv ist es, wenn möglichst viele Gemeinden mitmachen. Ein solches Kommunalunternehmen übernimmt in etwa die Rolle, die die Stadtwerke in der Stadt spielen.
Die Gemeinderäte der Verwaltungsgemeinschaft Obing, Pittenhart, Kienberg trafen sich, um ihre Entscheidung vorzubereiten, mit dem Gemeinderat von Schnaitsee zu einer gemeinsamen Sondersitzung. Eingeladen hatten sie Hans Jörg Birner, den Bürgermeister von Kirchanschöring. Er ist der Initiator des Vorhabens. Er informierte die Gemeinderäte über Struktur, Ausrichtung und die Geschäftsfelder eines gemeinsamen Kommunalunternehmens. Der für ihn ausschlaggebende Vorteil war für ihn: „In wichtigen Aufgaben der kommunalen Daseinsvorsorge bekommen die Gemeinden so das Heft in die Hand. Sie können über die Energieerzeugung und Energieversorgung die Gestaltung der Energiewende mitbestimmen.“ Ein solches Werk könne Strom und Wärme aus der Region einkaufen und damit regionale Anbieter stärken. Das sei vor allem angesichts des künftigen Wegfalls der Einspeisevergütung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) wichtig.
Gemeinden könnten
staatliche
Förderungen erhalten
Als Geschäftsfelder für das zu gründende Unternehmen nannte Hans Jörg Birner die Stromvermarktung und Projektentwicklung und Betrieb von Wärmenetzen etwa im Rahmen von Quartierskonzepten. Dabei könne man auch von einer Reihe staatlicher Förderungen profitieren.
„Die Gemeinderäte von Kirchanschöring, Fridolfing, Kirchweidach, Feichten, Halsbach, Laufen und Breitbrunn am Chiemsee haben beschlossen sich an dem gemeinsamen Kommunalunternehmen zu beteiligen, und legen für die Jahre 2020 und 2021 je 25000 Euro zurück“, erklärte Birner. Wenn zu diesen sieben Gemeinden weitere hinzukämen, könne der Jahresbeitrag auf 15000 Euro sinken. In der nächsten Zeit steht in einigen Gemeinden die Entscheidung über das Vorhaben an.
Weitere Stimmen dazu:
„Das Regionalwerk ist für die Kommunen die Möglichkeit, im Energiebereich zu agieren, nicht nur zu reagieren“, zeigte sich Obings Bürgermeister Sepp Huber (FW) überzeugt. Anstehend in Obing sind der Ausbau der Wärmeversorgung in Frabertsham und eine ähnliche Lösung für das künftige Gewerbegebiet.
Der Obinger CSU-Gemeinderätin Fanni Mayer war es dabei wichtig, dass das Regionalwerk allein von den Gemeinden gesteuert wird. Das sei dadurch gegeben, dass sich nur Kommunen und deren Eigenbetriebe beteiligen können, erläuterte Bürgermeister Birner. Einzelne Projekte könnten in Zusammenarbeit mit Privatpersonen – zum Beispiel in Form von Bürgerbeteiligung – durchgeführt werden. Sie seien aber dadurch beschränkt, dass über das Vorgehen des Regionalwerks nur die an ihm beteiligten Gemeinden entscheiden.
Simon Voit aus Obing (Bürgerliste) plädierte für eine schnelle Entscheidung für die Gründung des Regionalwerks: „Wenn wir’s nicht machen, kommen möglicherweise die Stadtwerke München zu den Produzenten regenerativer Energien und die Chance für die Einflussnahme der Kommunen ist vertan.“
Werk sollte
bürgernahe
Leistungen anbieten
Thomas Breu (Politische Alternative Obing) sah in der Schaffung eines regionalen Energieversorgers eine Werbung für mehr Regionalität im Konsum insgesamt. In diesem Zusammenhang sei es wichtig, dass das Regionalwerk mit bürgernahen Serviceleistungen punkte, kam aus den Reihen der Gemeinderäte. „Einen Teil des anvisierten Verbraucherkreises kann man durch die Vermarktung von zertifiziertem Ökostrom gewinnen“, ergänzte Gerhard Weiße von der Bürgerliste Kienberg.