Wasserburg – 1,2 Millionen Mark fehlen für den neuen Standort des Wasserburger Theaters Belacqua, einem Projekt, das nicht nur Gerry Mierbeth am Herzen liegt. Und: Für die Wasserburger Kinder zerplatzt der Traum des Rodelns ohne Schnee auf dem Christkindlmarkt.
Zusammen mit seinem Architekten hat Gerry Mierbeth einen Plan für ein neues Theater an der Neustraße ausgearbeitet: Mit 150 Quadratmetern ist es deutlich größer als das jetzige Belacqua, dazu gehören eine Theaterkneipe, Platz für Kostüme und Requisiten, „alles was das Herz sich wünscht, aber auch notwendig ist“, so Mierbeth. Mit dem Bau soll demnächst begonnen werden, eine Tafel verweist bereits auf den „Neubau eines Geschäfts- und Kulturzentrums an der Knoppermühle“. Derweil fehlen dem Theatermann aber noch wenigstens 1,2 Millionen Mark für dieses Projekt, das spätestens Anfang 1996 in Betrieb gehen müsste. Denn dann werden die alten Räume des Theaters abgerissen. „Ich tue alles, dass dieses tolle Projekt realisiert werden kann“, so Mierbeth, „aber hier müssen ganz viele Leute an einem Strang ziehen“. Dennoch gibt es für ihn bestimmte Grenzen. Zwar könne er sich vorstellen, dass im neuen Haus Vereine oder Gruppen mitmachen, damit dieses möglichst immer benutzt wird, aber eines möchte er nicht – „dass aus meinem Theater ein Gemischtwarenladen wird.“ „Wenn man zusammenhilft, müsste es gehen“, zeigt sich Bürgermeister Dr. Geiger hoffnungsvoll. Es brauche Aktivisten, die sich jetzt „auf die Socken machen“.
Der Traum vom Rodeln auf dem Christkindlmarkt ist für die Wasserburger Kindern zerronnen. Bei den Kindern war das „Schlittenfahren“ auf Stroh ein Hit, der sich allerdings schnell ins Gegenteil verkehrte: Die Rutsche an der Hofstaat, verkleidet mit großen Strohballen, die der Wirtschaftsförderungsverband als weitere Attraktion für das vorweihnachtliche Wasserburg hatte aufstellen lassen, wurde noch vor der offiziellen Eröffnung wieder abgebaut.
Stroh-Rutsche wird
wieder abgebaut
Die Kinder hatten mit solcher Begeisterung in der Strohburg herumgetollt, dass sich die Ballen auflösten und das Stroh auf dem Platz herumflog. Schließlich griff die Polizei wegen „akuter Brandgefahr“ ein: Die Feuerwehr spritzte in der Nacht 6000 Liter Wasser auf das Stroh, am Tag darauf wurden die durchnässten Winterträume abgebaut – nun bleibt nur mehr die Hoffnung auf eine Schneeburg mit Nassrutsche. Weitere Meldungen in der Woche vom 2. bis zum 8. Dezember 1994:
Jerusalem – Bundespräsident Roman Herzog hat zum Abschluss seines Besuches in Israel die freundschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und dem jüdischen Staat gewürdigt. Er habe eine „außergewöhnliche Herzlichkeit und gegenseitiges Vertrauen“ vorgefunden, „wie man es eigentlich nur unter Freunden erwarten kann“, so Herzog. Er besuchte auch die Entwicklungsstadt Jerocham am Rande der Negev-Wüste, wo er von Hunderten von Bürgern begeistert empfangen wurde.
Paris – Für 70 Prozent der Franzosen ist ein „gewisses Maß an Korruption unvermeidbar“. Die Politiker des Landes wurden in einer Umfrage von 71 Prozent der Befragten als „sehr häufig oder gelegentlich“ korrupt eingeschätzt. Auch ranghohe Beamte, Manager und Journalisten halten die Franzosen für bestechlich.
München – Bücher werden 1995 nach Angaben der Bertelsmann Buch AG erheblich teurer. Frank Wössner, Vorstandsvorsitzender des nach eigener Darstellung größten Verlags- und Buchvertriebsunternehmens der Welt, begründete dies mit drastisch steigenden Papierpreisen um 20 bis 30 Prozent. Die bisherige Schwellenangst von 50 Mark bei gebundenen Ausgaben von Büchern werde wohl nicht zu halten sein.
Peking – Ab Mai nächsten Jahres brechen für Hundefreunde in China harte Zeiten an. Nach monatelanger Debatte wurde nun das umstrittene Gesetz zur Hundehaltung verabschiedet: Jeder Haushalt darf höchstens einen Hund haben. „Große und bissige Hunde“ dürfen nicht mehr gehalten werden. Gassi gehen dürfen die Besitzer mit ihren Vierbeiner nur im Dunkeln, von acht Uhr abends bis sieben Uhr morgens.
München – 33 Steuerarten und 22 Quasisteuern gibt es in Deutschland. Allein die wichtigsten Vorschriften umfassen 2500 Paragrafen auf fast 3000 Druckseiten. Dieser Steuer-Dschungel müsse rigoros gelichtet werden, verlangt der Bund der Steuerzahler in Bayern. Die vielen unterschiedlichen Steuerarten müssen nach Ansicht des Vereins auf wenige wichtige zusammengestrichen werden. Außerdem sollen sachfremde Aufgaben, wie beispielsweise der Denkmalschutz, ganz aus dem Steuerrecht verschwinden.