Schätze der Eiszeit wiederentdecken

von Redaktion

Projekt der Landschaftsverbände: Toteiskessel sind „offensichtlich Haager Spezialität“

Haag/Wasserburg – Die Landschaft zwischen Haag und Wasserburg, also im Wesentlichen der nördliche Altlandkreis Wasserburg, entstand bis vor 10000 Jahren in der letzten Eiszeit. Die Gletscher reichten damals bis nach Maitenbeth, Haag und Gars hinaus und waren mit gewaltigen Mengen an Steinen, Kies und Sand beladen.

Mit einem gemeinsamen Projekt wollen nun die Landschaftsverbände der Landkreise Mühldorf und Rosenheim als Träger in der Zeit bis 2023 die Schätze der Eiszeitlandschaft und die Nutzung als traditionelle Kulturlandschaft erhalten. Sie setzen dabei möglichst auf die freiwillige Zusammenarbeit mit den Grundeigentümern aus Land- und Forstwirtschaft sowie auf die öffentlichen Besitzer.

Ebrach urzeitlicher Gletscherausfluss

Die Auftaktveranstaltung mit dem Botaniker und Leiter des Projekts, Jonas Garschhammer, fand im Landgasthof Staudham statt. Er und seine Arbeitsgruppe präsentierten schon erste Ergebnisse und kleinere Erfolgsmeldungen. Auch einige interessante Hintergründe hatten sie parat. Denn wer weiß schon, dass beispielsweise die Ebrach und der Nasenbach urzeitliche Gletscherausflüsse sind? Oder dass es bei Rechtmehring ein überaus wertvolles Hochmoor als Rest eines Hochmoorsees gibt? Gerade noch bekannt ist die wichtige Funktion der Torfmoore als CO2-Speicher.

Die Referentin Lucia Karrer bezeichnete mehrere Toteiskessel als „offensichtlich Haager Spezialität“. Nach dem Fällen von Bäumen und dem Entfernen von Wurzeln und Büschen wurden verfilzte Flächen und Löcher – sogenannte Toteisbiotope – mithilfe von Privatpersonen und Förstern wiedereröffnet. „Mit einfachen Mitteln und wenig Aufwand ist eine gute Zusammenarbeit entstanden, die in den vergangenen zehn Jahren schon einige Erfolge gebracht hat“ freute sie sich. Eine informative Wanderkarte über die Toteiskessel im Haager Land informiert über zwei verschiedene Routen.

Meist sind die Schätze, die die Eiszeit in der Landschaft zurückgelassen hat, erst auf den zweiten Blick zu erkennen. Die als Toteiskessel bekannten feuchten Senken und trockenen Moränenhügel entstanden beim Abschmelzen einzelner Eisblöcke und schafften über Jahrtausende Lebensraum für Tiere und Pflanzen. Moore, Weiher und Seen entstanden und aus den Hügelhängen wurden Quellmoore. Sie ermöglichten das Entstehen von fruchtbaren Wiesen. Der Mensch griff jedoch in der Vergangenheit mit verschiedenen Maßnahmen immer mehr in das System ein.

Garschhammer kritisierte als Referent des Abends zudem besonders die umfangreichen Arrondierungsmaßnahmen, wie die Drainierung von Mooren und die Verfüllung von Geländemulden mit Bauschutt und Unrat. Solche Maßnahmen werden zur Schaffung von Siedlungs- und Straßenflächen ergriffen. „Zwar ist der Mensch dabei nicht grundsätzlich der Zerstörer, aber unter geteerten Straßen werden eben auch Insekten mit ihrem Lebensraum begrabe

n“, bemängelte er dazu. Dass die traditionelle Mahd der feuchten Wiesen nicht mehr als Einstreu für die Ställe genutzt wird, führt dazu, dass Gewässer und Moore verlandeten und verbuschten. Auch heute noch sind in Waldgebieten viele Kesselbiotope davon betroffen.

Unterstützung durch Grundeigentümer?

Gemeinsam wollen nun die beiden Landkreise, unterstützt durch den BUND Naturschutz und die Bayerischen Staatsforsten, im Rahmen ihres Projekts wertvolle Landschaften durch Renaturierungsmaßnahmen wieder herstellen und somit zu erhalten. Sie hoffen dabei auf die Unterstützung vieler privater Wald- und Grundbesitzer und auf Hinweise aus der Bevölkerung.

In Staudham, das unmittelbar an einem eiszeitlichen Seengebiet liegt, ist das Interesse für das Projekt stark spürbar gewesen, zeigte die gute Resonaz auf eine Infoveranstaltung.. Das sollte besonders der Projektgruppe um Jonas Garschhammer Hoffnung machen.

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