Reichertsheim – Mit einem vollen Haus zur Premiere startete die Theatergruppe des Trachtenvereins Reichertsheim mit dem neuen Stück „Der keusche Josef“ das heurige Herbsttheater. Mit beeindruckender Spiellaune zeigten die Laienspieler einen beeindruckend dargestellten Schwank, der zu der humorvollen Handlung von Wortwitz und in Reimform präsentierten Wortspielereien geprägt ist. Immer wieder rissen die Darsteller bei den beiden ersten Vorstellungen die Zuschauer zu Beifallsstürmen und Lachsalven hin.
Eine „kleine“ Dummheit begangen
Zum Stück: Die ledige Anna (Christiane Konstantin), Haushälterin ihres verwitweten Schwagers Josef Meier (Konrad Nußreiner), beichtet dem Dorfpfarrer, dass sie als junges und unerfahrenes Mädchen eine „kleine“ Dummheit begangen und eine Tochter hat, die seit der Geburt in der Stadt aufgewachsen ist. Aus Angst vor dem sittenstrengen Schwager hat sie sich nie getraut, den Fehltritt von damals einzugestehen. Jetzt möchte sie das Mädchen aber lieber unter ihre Obhut nehmen, um zu vermeiden, dass diese die gleiche Dummheit begeht.
Zur gleichen Zeit befindet sich der so auf Moral und Sittlichkeit bedachte Josef mit seinem Kumpan Xaver Lackner (Richard Schwarzenbeck), der sich eine Auszeit von seiner gestrengen Ehefrau Therese (Claudia Kropf) nimmt, in der Stadt, angeblich wegen einer Kindstaufe. In Wirklichkeit jedoch und weit weniger sittsam in einem Weinhaus: natürlich nicht zu seinem eigenen Vergnügen, vielmehr zur Hebung der Moral, denn als Vorstand des Sittlichkeitsvereins „Weiße Taube“ ist er geradezu verpflichtet, solche Lokalitäten aufzusuchen, um andere vor deren Gefahren zu warnen. In seiner weinseligen Stimmung macht der gar nicht so keusche Josef die Bekanntschaft der reizenden Annerl (Verena Knollhuber) und ist von ihrer frischen, jugendlich-unkomplizierten Art hingerissen. Dass aber das Annerl bereits am nächsten Tag in die gute Stube des Josef platzt, um ihren „Teddybär“ zu besuchen, womöglich auch, um sich für länger einzuquartieren, ist dem Witwer gar nicht recht, könnte doch die Verbindung ein schiefes Licht auf seinen Lebenswandel werfen. In seiner sittlichen Not gibt er sie vor dem Pfarrer (Hardl Holzgaßner) als seine Nichte aus. Vollends infrage gestellt wird die Moral des keuschen Josef, als ein Amtsbruder des Pfarrers aus dem Nachbardorf schreibt, dass eines seiner Schafe als Folge einer Fahnenweihe, an dem auch Josef teilgenommen hat, ein uneheliches Kind entbunden hat und als Vater einen gewissen Josef Meier angibt: Die Beschreibung dieser Person passt genau auf den Sittlichkeitswächter. Vorher war irrtümlich sein Sohn Sepp (Stefan Wimmer) verdächtigt worden.
Damit ist der Heiligenschein des keuschen Josef endgültig verblasst, dem Verein „Weiße Taube“ droht die Auflösung und dem Vorstand reichlich Ärger, wenn nicht noch Schlimmeres.
Eine glückliche
Hand bewiesen
Die beiden Theaterleiter Georg Hanslmeier und Richard Schwarzenbeck haben damit bei der Auswahl des Stücks und der Rollenverteilung einmal mehr eine glückliche Hand bewiesen. Hinter der Bühne sorgten für perfekt abgestimmte Kostüme, Maske und Frisuren Resi Huber, Monika Lechner und Christine Hanslmeier, die auch die Bühne dekorieren. Als Einsager fungieren Georg Hanslmeier und Sabine Schwarzenbeck. Bestens organisiert ist auch die Bedienung der Gäste durch die Bedienungsmannschaft des Trachtenvereins im altehrwürdigen Gutsgasthof, der bereits beim Betreten des Fletz mit stimmungsvoller adventlicher Dekoration aufwartet.
Weitere Aufführungen sind am Freitag, 13. Dezember und Samstag, 14. Dezember, jeweils um 20 Uhr sowie am Sonntag, 15. Dezember um 14 Uhr und 20 Uhr. Für die Theatermusik sorgen am Freitag die Vereinsmusikanten, am Samstag „Fast nur Blech“, am Sonntagnachmittag die „Biertragl-Musi“ und abends die „K4-Musi“.