Auto nein – Bahn ja?

von Redaktion

Jahresrückblick der Wasserburger Zeitung Stadtgeschehen von Juli bis September

Wasserburg – Mit dem 26. Nationenfest startete Wasserburg in den Juli. Tausende Besucher tanzten und schlemmten sich durch die sommerliche Altstadt. Traditionell ist das Nationenfest der Startschuss in die bunte Wasserburger Feste-Saison.

Die haben diese vier vielleicht ganz besonders ausgelassen gefeiert: die Schulleiter Franz Stadler, Peter Rink, Franz Stein und Christa Fiedler verabschiedeten sich heuer aus dem Berufsleben in den Ruhestand. Stadler war 14 Jahre lang der Chef der Grundschule Reitmehring, Rink hat 14 Jahre lang das Gymnasium geführt, Stein war elf Jahre der Chef der Mittelschule und Fiedler war 13 Jahre lang Rektorin der Grundschule Wasserburg. Die Nachfolger werden an der Mittelschule Maria Albert und Martin Stümpfl, am Gymnasium Verena Grillhösl, an der Wasserburger Grundschule Sabine Obermaier-Tanner und an der Grundschule Reitmehring kommissarisch Barbara Hilbert-Rieger.

Verwirrung um Trinkwasserbrunnen

Sie werden in ihrer freien Zeit nun vielleicht viel wandern oder bummeln durch Wasserburg. Das macht, gerade im heißen Juli, Durst. Praktisch wäre es, wenn man sich an den Brunnen seine Trinkflasche auffüllen könnte. Doch ist das Wasser daraus genießbar? Das hat sich auch die Fraktionsgemeinschaft aus CSU und Wasserburger Block gefragt. Und erfahren: Wenn an einem Brunnen nicht steht, dass das Wasser nicht trinkbar ist, ist es trinkbar. Wie bitte? Etwas kompliziert, fanden auch die Politiker. Sie forderten, dass Trinkbrunnen deutlicher gekennzeichnet werden, etwa in den Stadtplänen.

Schwalben und VHS suchen neues Zuhause

Eher zu viel Wasser gab es zur Premiere des Wasserburger Rosenmarktes, der erstmals den Töpfermarkt begleitete. Die Besucher bewunderten die farbenfrohe Rosenpracht bei Starkregen unter ihren Regenschirmen.

Kein Problem mit dem Wetter hatten die kleinen Piepmatze, die im Sommer in Scharen die Altstadt bevölkerten: Dutzende Schwalben haben ihre Nester zum Beispiel unter den Arkaden gebaut. Weil die Vögel geschützt sind, bei Umbaumaßnahmen aber häufig keine Rücksicht auf sie genommen wird, haben einige engagierte Wasserburger die Initiative ergriffen. Mit einem Flyer haben sie die Bevölkerung informiert und gebeten, Schwalbennester zu melden.

Ebenfalls ein neues „Nest“ im Visier haben die Verantwortlichen der Volkshochschule. Sie liebäugeln damit, in die Räume der Polizeiinspektion am Kaspar-Aiblinger-Platz zu ziehen. Die Polizei bekommt demnächst ein neues Dienstgebäude in der Burgau. Bereits auf zwei Jahre hat die VHS einige Flächen am Kaspar-Aiblinger-Platz angemietet, wenn die Polizei im Jahr 2021 ganz auszieht, würde man das Gebäude gerne ganz beziehen. Damit würde man dem alten Haus wieder ganz neues Leben einhauchen.

Totgeglaubte leben länger – dieser Spruch trifft auch auf die Altstadtbahn zu. Der Wunsch einer Reaktivierung der Strecke von Reitmehring nach Wasserburg begleitet einige Wasserburger schon seit der Stilllegung der Trasse nach einem Erdrutsch 1987. Im Juli fiel die Entscheidung des Verwaltungsgerichtshofes München über eine Klage des Konsortiums „Wasserburger Altstadtbahn“ gegen den Stilllegungsbescheid des Freistaates Bayern. Die Klage wurde abgelehnt, der Stilllegungsbescheid bleibt rechtskräftig – voerst, denn das Bundesverwaltungsgericht Leipzig hat jetzt das letzte Wort.

Man wird also weiterhin darauf warten müssen, mit der Bahn direkt in die Altstadt fahren zu können. Immerhin bleiben noch der Bus, das Radl, und ja, das Auto. Wer sich die lästige Parkplatzsuche sparen will, fährt einfach in eines der Parkhäuser. Die wurden in der Ferienzeit extra aufgehübscht: in der Überfuhrstraße wurde gereinigt, in der Kellerstraße die Beleuchtung auf energiesparende LEDs ausgetauscht.

Heftige Schlagabtausche

Eigentlich sollten Autos komplett aus der Hofstatt verbannt werden – das sehen zumindest die Initiatoren einer Unterschriftenaktion aus dem Jahr 2018 so. Die Gewerbetreibenden haben da eine ganz andere Meinung und hielten mit einer Unterschriftenliste „Uneingeschränkte Zufahrt in die Altstadt“ dagegen. Wie soll nun ein neues Verkehrskonzept für die Altstadt aussehen, das in Zusammenhang mit dem Städtebaulichen Entwicklungskonzept (ISEK) 2015 gefordert wurde? Über diese Frage hat sich ganz Wasserburg im Sommer ausgiebig gestritten. Eine Zweistunden-Sitzung des Stadtrates Ende Juli musste vertagt werden. Heftige Schlagabtausche zwischen Befürwortern und Gegnern der Autofreien Hofstatt in der Wasserburger Zeitung folgten.

Gut, dass da der Regen am Weinfest die Gemüter etwas herunterkühlte. Traditionell wurde dabei gemütlich in der Altstadt gefeiert, traditionell duschte es aus Kübeln, und traditionell tat das der Stimmung keinen Abbruch. Alle Besucher waren wohl auch ein bisschen froh, dass das Weinfest überhaupt stattfinden konnte. Denn nach dem vergangenen Jahr gab es die Hiobsbotschaft, das 50. Jubiläumsfest könnte das letzte gewesen sein. Der Tourismusverein war wegen zu hohem Organisationsaufwand ausgestiegen. Doch mit dem Wirtschaftsförderungsverband fand sich ein neuer Träger.

Mit einem weinenden und einem lachenden Auge schauten kurze Zeit später manche Wasserburger auf den Sportpark „Fit und Fun“. Dort ging mit der Schließung der Tennishalle eine Ära zu Ende. Die 2500-Quadratmeter-Halle wurde auf 20 Jahre an die Nachbarsfirma RKW vermietet, die ein Lager daraus macht. Zur Freude der Feierlustigen wurde aber auch bekannt, dass gleich nebenan eine Kultlokalität wiedereröffnet: Im Oktober startete die Disco „Universum“ den Betrieb.

Während beim Wasserburger Nachtflohmarkt Anfang August viele alte Dinge neue Besitzer bekamen – ganz nachhaltig also – musste man sich bei der Stadt eingestehen, die selbst gesetzten Klimaziele zu verfehlen. Was die Gründe dafür sind? Da waren die beiden Parteien, das Aktionsbündnis „Rio konkret“ und das Rathaus, unterschiedlicher Meinung.

Meggle-Turm
wird abgebaut

Ein Problem gelöst haben dagegen die Veranstalter vom Inndammfest: Wegen einer neuen Auflage vom Landratsamt wäre das Fest beinahe ins Wasser gefallen. Denn die Behörde wollte einen Ansprechpartner genannt haben, der als Verantwortlicher auftritt. Doch die gesamte Verantwortung aller Vereine der losen Interessensgemeinschaft „Inndammbiber“ übertragen, das wollte der bisherige Organisator nicht. Nun haben die Vereine kurzfristig eine Veranstaltungsgemeinschaft gebildet und als Ansprechpartner fungierte Andreas Roder von der Bergwacht. Für das nächste Jahr soll eine neue Organisationsform gebildet werden.

Im August rückte der Ortsteil Reitmehring in den Fokus: Wasserburgs Weltstar, die Schauspielerin Maria Schell, soll mit einer nach ihr benannten Straße im neuen Reitmehringer Baugebiet an der Schmiedwiese geehrt werden, beschloss der Stadtrat. Anfang September begann der Abbruch des 94 Meter hohen Meggle-Turms, der Stein für Stein abgetragen wird. Die Sperrung der Megglestraße aufgrund von Kanalarbeiten ist nicht nur lästig, sondern behindert auch die Feuerwehr bei ihren Einsätzen. Wegen der Umleitung könnten im Notfall die Hilfsfristen nicht mehr eingehalten werden.

Bahnübergang an B304: Verbesserungen

Gute Neuigkeiten gab es dafür von den Plänen zum Reitmehringer Bahnübergang: In einem neuen Entwurf wurden Forderungen der Stadt Wasserburg nach mehr Lärmschutz umgesetzt. Eine Lärmschutzmaßnahme wird verlängert, ein Kreisel nach oben geschlossen, der Flächenbedarf reduziert und ein Gehweg eingeplant – sehr zur Freude der Anwohner, die dem Vorhaben teils skeptisch gegenüberstehen.

Eine gesunde Skepsis, was das heutige Konsumverhalten angeht, zeigen die ehrenamtlichen Mitarbeiter des Wasserburger Weltladens. Sie setzen sich seit 30 Jahren dafür ein, das Bewusstsein für fair gehandelte Waren zu schärfen. Das Sortiment im Geschäft am Weberzipfel zeigt, dass faire Dinge schön, praktisch und lecker sind. Das Jubiläum wurde ausgiebig gefeiert – fair natürlich!

Ende September sorgte in Attl die erste „Gaudi-Olympiade“ der Stiftung Attl mit Masskrugschieben und „Drei-in-einer-Hose-Lauf“ für jede Menge Spaß. Weniger Freude hatten dagegen alle die, die nach der Sommerpause wieder im Badria abtauchen wollten. Wegen technischen Schwierigkeiten zum Beispiel am Heißwasserbecken musste das Familienbad statt bis 28. September bis 5. Oktober geschlossen bleiben.

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