Wasserburg – „Aber heid is koid, aber heid is koid!“: als hätten es die Schäffler beschworen, begann das Jahr 2019 in Wasserburg mit heftigem Schneefall. Dicke Flocken fielen vom Himmel, als die Tanzgruppe des TSV noch ihre letzten Proben absolvierte. Der Ehrentanz für den Bürgermeister, die Stadträte und Geistlichkeit vor dem Rathaus erfolgte dann auch in nasskaltem Schneematsch. Die Besucher ließen sich davon nicht die Stimmung verderben, und die Schäffler schon gar nicht. Diese haben immerhin im Schäfflerjahr davor, vor sieben Jahren, bei zweistelligen Minusgraden getanzt. „So wollen wir’s“, meinte Oberkaschperl Helmut Samer zur Wetterlage. Bis zum Faschingsdienstag hatte die Truppe ein volles Programm.
Jahr beginnt mit
schneefrei
Wenige Tage später freuten sich auch die Schulkinder über das Wetter: Vor lauter Schneechaos blieben im ganzen Landkreis die Schulen geschlossen. Auch die Wasserburger Schüler bekamen an diesem Donnerstagmorgen die Nachricht auf ihre Smartphones und durften zwei Tage zuhause bleiben. Was den Kindern jede Menge Spaß im Schnee bescherte, dürfte für so manche Eltern zu einer betreuungstechnischen Herausforderung geworden sein.
Kein „Schneefrei“ gab es für die Wasserburger Polizei. Die Beamten hatten zur Faschingszeit traditionell einiges zu tun. Wenig hilfreich war es dabei, dass ihre Polizeiinspektion am Kaspar-Aiblinger-Platz bereits das Pensionsalter erreicht hat. Die Ausstattung ist veraltet, die Arbeitsbedingungen und die Anforderungen an die Sicherheit sind unzureichend. Ein Neubau ist von Seiten des Ministeriums schon seit 2013 versprochen – nun wird er konkret. Auf einem Grundstück am Kreisverkehr Landschaftsweg, auf dem aktuell noch Garagen stehen, soll schon im Jahr 2020 gebaut werden. Auf rund 700 Quadratmetern entsteht dann das neue Diensthaus mit Nebengebäude, Garagen und mehr. Kostenpunkt: 4,4 Millionen Euro. Schon im Mai wurde ein erster Planentwurf präsentiert.
Rathaus-Aufzug
wochenlang defekt
Bereits gebaut wird an der Achatzkirche. Und das schon seit Jahren. Um die Finanzen der Heilig-Geist-Spitalstiftung, der die Kirche gehört, nicht überzustrapazieren, wurden die Renovierungsarbeiten auf mehrere Jahre gesplittet. In diesem Jahr waren das Dach, der Blitzschutz und die Kalkfassade an der Reihe.
Dass alte Gebäude ihre Tücken haben können, zeigte sich auch im historischen Rathaus. Dort war über Monate der Aufzug defekt. Für Menschen mit Gehbehinderungen waren das Bauamt im dritten oder die Finanzverwaltung im zweiten Stock quasi unerreichbar. Besonders ärgerlich für die Stadtverwaltung war, dass die Wartungsfirmen das Problem nicht in den Griff bekommen haben. Rund 16000 Euro wurden schon für Reparaturen ausgegeben. Da hat man sich entschlossen, von einem anderen Hersteller ein neues Konzept für einen Aufzug erstellen zu lassen.
Genauso wichtig wie der Blick nach vorne ist der Blick nach hinten. In verschiedener Weise beschäftigten sich die Wasserburger mit der NS-Vergangenheit. Im Luitpold-Gymnasium lief im Januar eine Ausstellung, die sich mit den Auswirkungen der NS-Herrschaft auf die Politik der Stadt beschäftigt.
Auch im Stadtarchiv setzt man sich schon länger mit dem dunklen Abschnitt der Wasserburger Geschichte auseinander. Dabei geht es unter anderem um die „Euthanasie“-Opfer: Menschen, die aus der Heil- und Pflegeanstalt Gabersee und der Behinderteneinrichtung Attl deportiert und getötet wurden. Am Heisererplatz soll daher im Jahr 2020 ein Denkmal errichtet werden. Im März wurde der Gewinner des Gestaltungswettbewerbs bekannt gegeben. 60 Stelen der Künstler Dagmar Korintenberg und Wolf Kipper sollen einen Ort der Erinnerung schaffen.
Parkchaos
im Burgerfeld
Während der Bauausschuss entschied, dass am Bahnhof Reitmehring in der südlichen Bahnhofstraße weitere Parklätze entstehen sollen, herrscht im Burgerfeld Park-Irrsinn: Zwei Baustellen und die Containerschule der Berufsschule kosten etliche Parkplätze in einem Gebiet, dass eh schon als Problemfall in puncto Parken gilt. Das alltägliche Bild sind nun zugeparkte Gehwege, versperrte Sichtdreiecke und gequälte Anwohner. Bis 2022 werden die Umbaumaßnahmen an der Berufsschule wohl noch andauern.
Da werden sicher auch noch einige Male die Reporter der Wasserburger Zeitung mit Notizblock und Fotoapparat auftauchen. Die Redaktion hat Anfang Februar mit leitender Redakteurin Heike Duczek und Redakteurin Andrea Klemm neue Mitstreiter bekommen. Zusammen mit dem Team aus festen und freien Mitarbeitern wollen die Zeitungsmacher weiterhin die Themen der Region aktuell und kompetent beleuchten.
Da war es zum Beispiel mehr als eine Meldung wert, dass der Wasserburger Stadtrat nach zwei mageren Jahren für 2019 einen Rekordhaushalt von 57 Millionen Euro aufgestellt hat. Damit will man unter anderem den Wohnungsbau, das Projekt „Museumsdepot“ und die Ausstattung der Feuerwehren vorantreiben.
Ein Sorgenkind ist dabei das Badria. Mit einem Verlust von 1,5 Millionen Euro in 2019 rechnen die Betreiber, die Stadtwerke. Seit 2002 wurden 17,5 Millionen Euro für die Sanierung ausgegeben. „Wir haben ein ernsthaftes Problem mit der Liquidität“, sagte Stadtwerkechef Marius Regler. Weil man an den familienfreundlichen Preisen festhalten will, soll nun eine dauerhafte Finanzierung aufgestellt werden. Für den weiteren Betrieb wird wohl auch eine finanzielle Unterstützung der Stadt notwendig sein.
Die letzten
gebührenfreien Tage
Während das Eschensterben für spektakuläre Baumfällaktionen an der Köbingerbergstraße und der Salzburger Straße sorgt, genießen die Wasserburger die letzten gebührenfreien Park-Tage. Im Hintergrund ist schon alles vorbereitet für den 1. März. Ab dann nämlich müssen Langzeitparker in den bisher kostenlosen Parkhäusern Überfuhrstraße, Kellerstraße und Unter der Rampe zahlen. Zwar kostet die Tageskarte nur 1,50 Euro, Gebühren fallen erst ab vier Stunden an und es gibt reduzierte Jahreskarten – die Begeisterung der Anwohner und Gewerbetreibenden hielt sich dennoch in Grenzen.
Die Überwachung wurde dem Zweckverband Oberland übertragen, der auch schon den fließenden Verkehr im Stadtgebiet kontrolliert.
Weniger umstritten war der Plan eines Museumsdepots. Das Vorhaben beschäftigt den Stadtrat schon seit 13 Jahren, die konkrete Umsetzung und Finanzierung war aber kompliziert. Im März hat sich das Gremium einstimmig für den Bau am Herder ausgesprochen. Im Jahr 2020 soll es losgehen.