Obing – Ausführlich setzten sich die Obinger Gemeinderäte in ihrer Sitzung mit der Zukunft des ehemaligen „Gasthofs Kufner“ auseinander. Das Gebäude steht zwar nicht unter Denkmalschutz, ist aber aufgrund seiner Lage an der Ortsdurchfahrt und seiner historischen Bausubstanz ortsbildprägend. Auch wenn die B 304 in absehbarer Zeit nicht mehr an dieser Stelle verlaufen wird, wird die Wasserburger Straße zentral für den Ort Obing bleiben – und das Kufner-Gebäude hat hier einen hohen Wiedererkennungswert.
Seniorenwohnanlage
mit Betreuung
geplant
Anlass für die intensive Besprechung der Pläne des jetzigen Besitzers, der Eigentümergemeinschaft Schausbreitner, war der Antrag auf Änderung des dort gültigen Bebauungsplans „Dorfzentrum Obing-Mitte“, um das Bauvorhaben des neuen Besitzers verwirklichen zu können. Bürgermeister und Gemeinderäte sprachen sich jedoch gegen eine vorschnelle Entscheidung dazu aus und wollten weitere Abklärungen und Beratungen von Vertretern des Gemeinderates mit dem Bauherrn und Fachleuten.
Die Eigentümergemeinschaft Schausbreitner beabsichtigt, das Anwesen abzubrechen und mit etwas verändertem Grundriss neu aufzubauen. Im Erdgeschoss sollen eine Tagespflegeeinrichtung und eine Sozialstation untergebracht werden, darüber zehn Seniorenwohnungen und vier weitere Wohnungen. Ein Teil der notwendigen Stellplätze soll in einer Tiefgarage mit Zufahrt von der Wasserburger Straße aus untergebracht werden.
Bürgermeister Sepp Huber (FW) betonte, sein Ziel sei die Erhaltung des ortsbildprägenden Charakters des Anwesens. Dazu müssten vorrangig die Möglichkeiten zum Erhalt der historischen Bausubstanz und zur Bestandssanierung genauer geprüft werden. Erst wenn man hier zu keinem umsetzbaren Ergebnis komme, sollte beraten werden, welche Vorgaben im Zuge der Bebauungsplanänderung für einen Neubau insbesondere bezüglich der Fassadengestaltung gemacht werden müssten, damit der Gemeinderat dieser Änderung zustimmen kann.
Die Diskussion im Gremium entzündete sich zunächst an der Frage, wie sinnvoll die Erhaltung des Bestandsgebäudes sei, wenn man die Erfordernisse berücksichtige, die sich aus der Notwendigkeit der Einbindung in die Gesamtplanung für die Ortsmitte entsprechend dem IKEK-Ortsentwicklungskonzept ergeben. Unabdingbar sei in diesem Zusammenhang die Unterbringung von möglichst vielen Parkplätzen in einer Tiefgarage, so die mehrfache Aussage.
Bürgermeister mahnt
mehr Grün im
Zentrum an
Der Bürgermeister mahnte an, man müsse die Gelegenheit nutzen, mehr Grün in die Ortsmitte zu bringen und außerdem Freiraumaufenthaltsflächen für die Bewohner der Seniorenanlage zu schaffen. Dafür wäre ein reiner Parkplatz vor dem Anwesen an der Wasserburger Straße sicher nicht zielführend. Um hier Klarheit über die Möglichkeiten zu schaffen, solle die Gemeinde Experten mit der Überplanung des Areals beauftragen, schlug Simon Voit von der Bürgerliste vor.
Richard Mitterer und Florian Maier von der CSU und Andreas Voderhuber (BL) bezweifelten, dass im Bestand die Erfordernisse hinsichtlich der Nutzung als Seniorenwohnanlage, aber auch bezüglich der Unterbringung der Stellplätze und der Freiraumgestaltung zu erfüllen seien und stellten die Vorzüge eines Neubaus heraus. Nur in einem Neubau könne im Erdgeschoss die sehr wünschenswerte Betreuungseinrichtung für Senioren rentabel realisiert werden, war auch die Meinung von Fanni Mayer (CSU). „Wir sollten schon Vertrauen haben zu einem erfahrenen hiesigen Handwerksmeister, dass er die Gestaltung nach historischem Vorbild hinkriegt“, suchte sie Bedenken der Neubauskeptiker zu zerstreuen.
Armin G. Plank (PAO) dagegen untermauerte sein Plädoyer für die Erhaltung zumindest des Hauptteils des historischen Originals mit Bildern von weiteren fürs Obinger Ortsbild charakteristischen Gebäuden und Beschreibung der wichtigsten Charakteristika der im Stil der Ithakerhöfe ausgeführten Gebäude – da sind unter anderem die kleinen niedrigen Fenster unter dem Dach, die hohen neugotischen Fenster im Bereich der Dachauffaltung, das Mauerband unter den Fenstern, die symmetrische regelmäßige Anordnung der Fenster.
Plank zeigte sich überzeugt, dass man Bestandserhaltung und Neubau kombinieren und damit die Ansprüche an sinnvolle Nutzung des Gebäudes und Einbindung in die Ortsgestaltung erfüllen könne. Unterstützt wurde diese Überzeugung von Franz Pürner (CSU), der als konkretes positives Beispiel für sinnvolle Nutzung historischer Bausubstanz die durch Max Ober renovierte und ausgebaute Mauerberger-Villa anführte.
Ortsheimatpfleger Ludwig Bürger erhielt vom Gremium das Wort und plädierte dafür, sich auf die Aufgabe zu konzentrieren, genaue Vorgaben zur Gestaltung des Bauvorhabens zu machen. Ihm gehe es insbesondere um die Fassade auf der Süd- und Ostseite, um die regelmäßige Anordnung der Fenster und den Verzicht auf Balkone sowie die Verlegung der Tiefgarageneinfahrt auf die Nordseite. Diese Anforderungen sollten mit dem Bauherrn abgestimmt werden.
Erhalt und
Bestandssanierung
oder Teilsanierung
Im einstimmigen Gemeinderatsbeschluss wurde erst einmal festgehalten, dass vorrangig der Erhalt und die Bestandssanierung oder eine Teilsanierung zu verfolgen sei. Sollte dies zu keinem vernünftigen Ergebnis führen, sollten Vertreter des Gemeinderates mit den Bauherren und weiteren Fachleuten beraten, wie die Vorstellungen des Gemeinderates hinsichtlich der Fassadengestaltung, der Unterbringung der Stellplätze und der Anlegung der Frei- und Grünflächen bei einem Neubau positiv umgesetzt werden können.