Ramerberg – Wie schön wäre Weihnachten, wenn wir alle noch staunen könnten, wie die Kinder.
Die traditionelle Stadlweihnacht in Ramerberg machte es möglich, uns wenigstens eine Stunde lang aus der Hektik der Konsumwelt zu entführen in ein Krippenbild aus längst vergangener Zeit. Denn das Staunen ist laut Platon das Grunderlebnis aller Philosophie, aller Suche nach dem Sinn. Und für Kierkegaard fängt gar mit dem Staunen das Heil an.
Initiatorin Irmengard Mayer ist mit ihrer klugen Zusammenstellung von Texten und Liedern, gar einem selbst verfassten Gedicht sehr tief eingestiegen in das Mysterium des Weihnachtsgeschehens. Und einiges ließ sich als direkter Kommentar zu unserer Zeit verstehen. Dass es eilt zu löschen, weil der Himmel brennt und wir sonst keinen mehr haben, ist da angesichts der Klimakatastrophen in unserer Welt ein nur allzu aktueller Liedtext.
Das Besondere an dieser Stadlweihnacht, die heuer schon zum fünften Mal stattfand, ist die Rückbesinnung auf das Echte, das Schlichte und die im Weihnachtstrubel nur allzu oft untergehende „stade Zeit“. Keine Opulenz, sondern Botschaft pur. Daran hielt sich nicht nur Sprecher Michael Brunnlechner. Auch den Bläsern der Stadtkapelle Wasserburg und der Hausmusik Ramerberg kam es nicht auf die kunstvolle Interpretation an, sondern auf die Sache. Die Kindergartenkinder stimmten ihr „Alle Jahre wieder“ an, und es war lieb anzuschauen, wie sich einige von ihnen ihre Haarreifen mit Sternen immer wieder zurechtrückten. Die vielen Besucher ließen sich gerne auf den mit Klangschale und wundersam anmutenden Gesang ausgestatteten Verkündigungsengel der Helga Amithra Reithmaier ein.
Und auch das Publikum wurde mit eingebunden. Erstaunlich, wie viele den Text der zweiten Strophe von „Es wird scho gleich dumpa“ kannten.
Beim traditionellen Andachtsjodler am Ende waren endgültig alle voll dabei. Vom Geist der Weihnacht erfüllt, spendeten die Zuschauer am Ende dieser Benefizveranstaltung für den Verein „Schulbildung in Madagaskar“ dann knapp 2000 Euro.