Wasserburg – „24 Buntstifte“ wünscht sich ein Bub, ein „Zebra-Kuscheltier“ ein Mädl, eine „zehn Meter lange Lichterkette“ ein anderes. Auch Eintrittskarten ins Badria stehen ganz oben auf den Wunschzetteln, die die Kinder heuer an den Wasserburger Wunschbaum „gehängt“ haben.
Gestern war Geschenkeverteilung – und auch in diesem 16. Jahr der Aktion bog sich der Gabentisch in der Tafel unter den vielen Paketen. Mit glänzenden Augen nahmen über 150 Mädchen und Buben ihre Präsente, die sie heute unter dem Christbaum auspacken dürfen, in Empfang. Tränen der Freude vergossen auch diesmal nicht nur viele Eltern, die Unterstützung vom Verein Wunschbaum erhalten, sondern auch dessen Helfer. Sogar Vorsitzender Peter Fichter hatte „nasse Augen“, als er beobachtete, „wie so ein kleiner Pimpf mit einem riesengroßen Paket strahlend den Raum verließ“.
„Wir bereiten Freude – und haben selber viel Freude an unserem Ehrenamt. Das hebt sich sozusagen auf“, stellt der Wirt des Stechl-Kellers fest, der die Aktion vor 16 Jahren gemeinsam mit Freunden ins Leben gerufen hat. Seit elf Jahren ist der Wunschbaum als Verein organisiert. Einen richtigen Baum gibt es aber nicht, dafür zwei Briefkästen auf der Burg und in der Nähe der Geschäftsstelle der Wasserburger Zeitung, in die die Kinder ihre Wunschzettel werfen können. Das Christkindl entleert sie regelmäßig und schickt dann seine Helfer aus dem Verein los zum Einkaufen. Das geschieht ganz bewusst in Geschäften der Innstadt und des Wasserburger Landes – „nicht bei Amazon“, erklärt Fichter. Dank fleißiger Spender – Firmen und Privatleute, Geschäftsleute, Vereine und Organisationen – ist heuer so viel Geld zusammengekommen, dass für über 150 Kinder Geschenke im Wert von etwa 50 Euro erworben werden konnten.
Der Einkauf hat dem Team heuer besonders viel Spaß bereitet, denn bei den Wünschen geht der Trend wieder weg von Hightech hin zu den Klassikern: Spiele, Spielzeug, Bücher, Kleidung, Gutscheine für Ausflüge, wobei das Familienbad Badria ganz hoch in der Gunst steht. „Die Wünsche sind nach vielen Jahren, in denen Handys und Playstation im Mittelpunkt standen, wieder geerdet“, freut sich Fichter. Sogar die gute alte Holzeisenbahn stand heuer auf einem Wunschzettel.
Den dürfen seit einigen Jahren nicht nur Wasserburger Kinder ausfüllen, sondern auch Mädchen und Buben aus dem Alt-Landkreis. Die Familien bleiben anonym: Die Pakete erhalten Nummern, über die sie zugeordnet werden.
Auswahl der
Beschenkten verläuft
unbürokratisch
Unbürokratisch geht es zu bei der Auswahl der Familien, die der Wunschbaum mit einem Präsent unterstützt. Der Verein hält Kontakt zu einem dichten Netzwerk an Organisationen, die Familien benennen, bei denen der Geldbeutel nicht so groß ist oder die sich in einer besonders schwierigen Lage befinden. Unter anderem schlagen die Wasserburger Tafel, der Kinderschutzbund, das Mehrgenerationenhaus, die Familienberaterin Erika Pohl, Kindergärten und Schulen, das Sozialamt der Stadt und weitere karitative Verbände Familien vor. Diese Kontaktstellen wissen am besten, wer Hilfe benötigt, wenn es darum geht, den Kindern zu Weihnachten eine Freude zu bereiten, für die die Familienkasse nicht reicht.
So wie bei der alleinerziehenden Mutter dreier Kinder, die anonym bleiben möchte. Seit 2012 wird sie vom Wunschbaum-Team geschenketechnisch unterstützt. „Für meine Kinder ist das wie ein Ritual. Schon Wochen vorher blättern sie in Katalogen und kleben sich einen Wunschzettel zurecht. Da sind sie regelrecht in einem Fieber.
Und am 24. Dezember gehen wir gemeinsam um 10 Uhr zur Bescherung, das gehört einfach dazu.“ Sie freut sich über die bodenständigen Wünsche ihrer neun- bis 14-jährigen Sprösslinge: Spiele, Lego und Playmobil. „Ich bin total gegen Spielekonsolen und Tablets. Wenn Kinder bloß noch da rein glotzen, schadet das ihrer Entwicklung“, ist die Wasserburgerin überzeugt.
Der Wunschbaum beschenkt übrigens nicht nur an Heiligabend, sondern das ganze Jahr hindurch. Zu Schulbeginn unterstützt er Familien beim Kauf der teuren Schulranzen für Abc-Schützen.
Er spendiert in Notfällen Kindern ein Fahrrad, finanziert Schwimmkurse – eine Herzensangelegenheit von Fichter, der niemals erleben möchte, „dass ein Wasserburger Kind im Penzinger See ertrinkt“.