Haag – In Haag lebt ein echter Zauberer! Der kann nicht nur Gummibänder von einem Finger zum nächsten wandern lassen, sondern auch Karten, dazu noch Geld oder Tücher, und die ändern ihre Farbe. Sie verschwinden und tauchen woanders wieder auf, und vieles mehr. Kinder gehen bei ihm über Scherben, ohne dass ihnen etwas passiert. Mit Feuer jongliert er eine dreiviertel Stunde am Stück. Dass es spannend bleibt, davon zeugt auch die eine oder andere Brandblase. Der Beherrscher dieser magischen Fähigkeiten heißt Markus Königseder, auch bekannt unter seinem Künstlernamen Marc King.
In Haag aufgewachsen, offenbarten sich diese Fähigkeiten aber erst in der Wasserburger Realschule, als in der neunten Klasse das traumhafte Wahlfach „Zirkuskünste“ mit Akrobatik, Jonglage und Tricks auf dem Stundenplan stand. Ein älterer Schüler hatte schon mehr drauf, zeigte das auch, da war das Interesse des jungen Markus geweckt.
Trotzdem, um eine solide Ausbildung kam auch der angehende Zauberer nicht herum, so lernte er Heilerziehungspfleger. Das hat mehr mit Zaubern zu tun, als man denkt, denn es gilt auf Menschen zuzugehen, ihre Aufmerksamkeit zu gewinnen und gemeinsam etwas zu einem Ende zu führen: „Die Ausbildung hat mir ungemein geholfen.“
Paraffin ist für die Schleimhäute nicht ungefährlich
Mit dem Zivildienst wechselte er den Beruf und war fünf Jahre lang Rettungssanitäter. „Die langen Schichten und die Nachtarbeit muss man aber aushalten“, so Königseder. Heute arbeitet er im Hauptberuf in einer Förderschule für Kinder und Jugendliche mit dem Schwerpunkt „geistige Entwicklung“. Konstant blieben aber stets das Zaubern und das Jonglieren mit Feuer.
Ist das gefährlich? „Ja, Feuer ist heiß und verzeiht keine Fehler“, doch noch nie sei ein schlimmerer Unfall passiert, dabei sei das Feuerspucken echt „nicht ohne“. Weniger durch die Flamme, sondern durch das Paraffin, das Schleimhäute auflöse. Atme man es versehentlich ein, müsse man sich zügig in ärztliche Behandlung begeben, sagt er.
Warum überhaupt Feuer? „Ich bin schon immer gerne am Lagerfeuer gesessen und hab‘ mir überlegt: Was kann ich damit machen, ohne dass es wehtut?“ Mit Blick aufs Haus forderten die Eltern aber stets: „Du gehst damit in den Garten raus!“. Dort habe er seine Jonglage verbessert und ausprobiert und sich Chemie-Basis-Wissen angeeignet: Wie verhalten sich brennbare Flüssigkeiten? „Das zeigt einem ja keiner!“
Auch der Umgang mit Glasscherben und Nagelbrett. Lediglich ein Freund, der selbst zu alt dafür wurde, gab Wissen an ihn weiter. „Vielleicht hätte ich das selber herausgefunden, aber erst viel später.“ Mit zwei Kisten Leergut wurde probiert. Kann das jeder? „Man sollte schon körperlich fit sein und mental stark, Angst ist nicht angebracht, aber Respekt!“
Bisher lief alles – und darauf ist er auch ein wenig stolz – ohne größere Verletzungen ab und ohne, dass ein Zuschauer etwas abbekommen hätte. Er zwinkert.
Aufgeregt ging‘s zum ersten Auftritt mit 16 Jahren in einen Baumarkt. Obwohl das nur fünf Minuten gedauert hatte, sollte alles klappen: „Es dauerte ein Lied lang, und ich hab alles reingepackt, was ich konnte.“ Zu diesem Engagement kam er auf dem Haager Herbstfest, dort traf er den Countrysänger Ronny Nash. Der bot ihm gleich für die Woche darauf die Rolle des Pausenfüllers an. Die Bezahlung erfolgte so: „Ich ging mit dem Hut rum.“ Bis zu den echten Gagen dauerte es zwei Jahre.
Werbung machen, gestalten und Marketing – das interessierte Markus Königseder auch, so rief er mit Anfang 20 eine Firma ins Leben. Doch mit dem Aufkommen der Online-Anbieter im Werbebereich sank die Nachfrage, seine Auftritte blieben wieder die Konstante.
Seine Kinder
sind seine
größten Kritiker
Mittlerweile hatte Markus Königseder geheiratet, ist wieder geschieden und zieht seine beiden Kinder Magdalena und Marino, sieben und neun Jahre alt, groß. Die sind seine größten Kritiker, ein Trick muss vor ihnen bestehen, „sonst hat’s keinen Zweck“. Dafür dürfen sie aber auch manchmal mit auf der Bühne stehen.
Er hat viele Ideen, aber eben aufgrund der Verpflichtung für die Kinder weniger Zeit, weshalb der Sektor Zauberei nur langsam wächst. Zu den festen Terminen zählen das Countryfest der Stiftung Attl, die Maitenbether Hofweihnacht oder das rustikale Essen im Gasthaus Wailtl in Dorfen. Einer der nächsten Termine ist der Kinderkuglball in Wasserburg, mit Zirkuskunststücken inklusive Gehen über Glasscherben.
Zu den Stammkunden zählen etwa Autohäuser, zudem wertet Königseder unterschiedliche Feiern auf, aber der Schwerpunkt ist das Kinderprogramm, das bis zu eineinhalb Stunden dauern kann. Dahinter steckt stets eine Geschichte, etwa mit dem Titel: „Wir gehen durch den Zirkus.“ Das ist etwas zum Mitmachen; Kinder, die wollen, dürfen mithelfen, auch bei der Fakir-Nummer. „Und nein, da ist noch nie was passiert.“
Erfahrungen habe er bei einem Kinderzirkus in München sammeln dürfen. Sei ein Kind nicht bei der Sache, merke er das. Es gehe darum, Grenzen zu überschreiten und innerlich zu wachsen. „Die Kinder schaffen das.“
Was ist, wenn ein Trick nicht funktioniert? „Die Kunst ist es, dass es nicht auffällt. Mich hat noch keiner ertappt.“ Es falle schon einmal etwas herunter, doch rette er die Situation mit seinem Charme, das Publikum fache die Spannung mit Klatschen bis zur Wiederholung an.
Ein Zauberer darf ja bekanntermaßen seine Tricks nicht verraten, aber tut er es nicht doch in den Workshops? „Dort geschieht auch nichts anderes, als man etwa mit einem Zauberkasten aus dem Spielwarenladen erfährt“, beteuert Königseder – nur eben mit optimaler Anleitung. Wichtig sei, dass jeder den Trick mit einfachen Mitteln nachmachen könne.
Im Keller
eine geheime Zauberwerkstatt
Hat Zaubern eigentlich Zukunft, wenn jeder im Internet den Geheimnissen ihren Reiz nehmen kann? „Ja, durchaus, man muss sich eben selber auch verändern.“ Ist das Internet sein natürlicher Feind? „Nein, ich suche ja selber Dinge, die ich nicht kenne.“ Die werden dann im Keller, dort ist seine geheime „Zauberwerkstatt“, ausgiebig getestet und verfeinert.