Der Traum vom eigenen Haus

von Redaktion

Ameranger Gemeinderat diskutiert Vergaberichtlinien und Baukonzepte

Amerang – „Ist der Traum vom eigenen Haus für junge Ameranger Familien überhaupt noch erschwinglich?“ Diese Frage stand im Raum in der vergangenen Gemeinderatssitzung in Amerang. „Bei diesen Grundstückspreisen nicht“, fanden einige Gemeinderäte. Sie waren mit der Beschlussfassung aus der vorigen Sitzung unzufrieden. Da wurde der Verkaufspreis mit 243 Euro pro Quadratmeter für den vergünstigten Verkauf beziehungsweise 304 Euro pro Quadratmeter für den Verkauf zum vollen Verkehrswert festgelegt. Hinzu kommen noch Erschließungskosten von etwa 76 Euro pro Quadratmeter.

„Wer kann das bezahlen?“, fragte Gemeinderat Simon Strell (CSU) und brachte damit die Bedenken seiner Ratskollegen auf den Punkt. Deshalb wurden die Ausschreibungsbedingungen für den Verkauf von vergünstigten Grundstücken im Baugebiet Evenhausen Ost erneut beraten. Laut Strells Aufschlüsselung wären bei diesen Bedingungen bei einem Grundstück um die 500 Quadratmeter rund 180000 Euro für den Grunderwerb notwendig. Mit den Baukosten müssten dann rund 600000 Euro aufgebracht werden. Das sei für junge Familien kaum zu finanzieren.

Ein Vergleich mit den umliegenden Gemeinden Eiselfing, Obing, Pittenhart und Schnaitsee zeige, dass es dort deutlich preiswerter gehe. „Im Vergleich ist die gleiche Grundstücksgröße dort fast um 100000 Euro günstiger“. Es solle aber auf keinen Fall einen Wettbewerb unter den Gemeinden um junge Familien geben, betonte Strell und schlug einen Quadratmeterpreis von 250 Euro inklusive Erschließungskosten vor. Das sei ein 40-prozentiger Nachlass, der gerade noch annehmbar sei.

Mit 8:8 fand diese Variante jedoch nicht die notwendige Mehrheit. Die Gegner fanden, dass dies finanziell nicht zu verantworten sei, weil die Gemeinde einen hohen Preis für den Grund gezahlt habe, wie es Matthias Schmid (SPD) deutlich machte. Aber natürlich sei es wichtig, junge Familien in der Gemeinde zu halten. Deshalb müssten die Vergaberichtlinien und Baukonzepte überdacht werden. Ein Nachlass von 30 Prozent schien dem Rat nach eingehender Beratung jedoch vertretbar.

Konrad Linner (SPD) bekräftigte erneut, dass beim Thema Wohneigentum über das klassische Einfamilienhaus hinausgedacht werden müsse. Eine Doppelhausbebauung könne Kosten sparen. Aber es brauche weitere seriöse Modelle für all jene ohne große Vermögen im Hintergrund.

Die Gemeinde müsse die Grundstücke aber auch refinanzieren. Er schlug vor, mehr Grundstücke ohne Nachlass zu verkaufen, um dafür den einheimischen Bewerbern mit normalem Einkommen einen größeren Nachlass gewähren zu können.

Werner Fröwis (CSU) sah das ähnlich, gab aber zu bedenken, dass ohnehin nicht viele Parzellen zur Verfügung stünden. „Fair ist das nicht“, fand Andreas Schauberger (ÖDP). Ein paar wenige bekommen Superkonditionen und andere nicht – da brauche es schon gute Argumente. Aber klar sei auch, dass junge Familien die Lebensader eines Dorfes seien und gezielt gefördert werden müssten. Deshalb könne er vertreten, dass die, die es sich leisten können, mehr bezahlen.

Wolfgang Wittwer (FW Kirchensur) warnte davor, bei der Vergabe „Klientelpolitik“ zu machen. Es werde keine gerechte Lösung geben. Es könnten nur Leute bauen, die ohnehin Geld haben. Auch mit großem Nachlass könnten es sich andere nicht leisten.

Bürgermeister Gust Voit (CSU) gab zu bedenken, dass ein Klientel an Bewerbern an der Finanzierung scheitere. Für die brauche es neue Modelle, beispielsweise die Erbpacht.

Allerdings habe das Auswirkungen auf den Schuldenstand der Gemeinde, weil die Refinanzierung der Grundstücke hinausziehe, gab Rupert Rußwurm (CSU) zu bedenken. Mit den Gegenstimmen von Simon Strell (CSU) und Werner Höhne (FW Kirchensur) wurde der Quadratmeterpreis auf 213 Euro ohne Erschließungskosten festgesetzt.

Das Fördermodell Wohnbau müsse über das Einfamilienhaus hinausgehen, sagte Christl Kerstens (CSU) und fasste damit die Überlegungen vieler Ratskollegen zusammen.

Neuer Weg:
„Baugruppe“

Demnach zählt es zu den Kernaufgaben der Gemeinde, ein bedarfsgerechtes und vielfältiges Wohnraumangebot zur Verfügung zu stellen. Die weitere Entwicklung muss den erkennbaren individuellen Anforderungen der Menschen in unterschiedlichen Lebenslagen und Haushaltsgrößen gerecht werden. „Diesen Anforderungen kann für ländliche Strukturen eine als „Baugruppe“ bezeichnete Bauform in besonderer Weise gerecht werden“, sagte Geschäftsleiter Helmut Stadler, der das Modell vorstellte. Es eigne sich auch für die Schaffung von Wohneigentum und erfülle die Vorgaben der gemeindlichen Richtlinien für das Einheimischenmodell in idealtypischer Weise. Praktische Erfahrung in der Umsetzung hat aktuell die Stadt Wasserburg mit einer Baugruppe für sieben Parteien im Baugebiet „südlich der Schmiedwiese“ in Reitmehring. Das Grundstück wurde von der Stadt veräußert und das Gemeinschaftsprojekt derzeit als Baugemeinschaft unterrichtet. Auch die Gemeinde Kirchanschöring hat mit dem Projekt „Hipflham“ eine Baugruppe entwickelt, die eine kostengünstige Lösung für ein vielfältiges Wohnangebot darstellt und das aktuell vor der Realisierung durch eine Baugemeinschaft steht.

Bewerbung Anfang
März bis Ende April

Die Gemeinde Amerang bereitet derzeit die Vergabeunterlagen für acht Parzellen im Baugebiet „Evenhausen Ost“ vor. Deren Grundstücksfläche beträgt zwischen 525 und 630 Quadratmeter und eine einheitliche überbaubare Grundfläche für die Hauptgebäude von 120 Quadratmetern. Für die etwa 755 Quadratmeter große Parzelle 13 lässt der Bebauungsplan eine überbaubare Grundfläche von 160 Quadratmetern zu. Bauwillige können ihre Bewerbungen in der Zeit von Anfang März bis Ende April einreichen. Dann soll es auch die Möglichkeit geben, sich auf ein Baugruppenmodell zu bewerben, um den Kreis der Bewerbungen über den Familieneigenheimbedarf hinaus zu erweitern. Eine Infoveranstaltung dazu soll im März stattfinden.

Baugruppe

Angesichts der stetig steigenden Immobilienpreise wird es immer schwerer, den Traum vom eigenen Haus zu realisieren. Eine Chance, die Kosten zu drücken, ist der Zusammenschluss von Bauwilligen zu Baugemeinschaften. Möglich sind der Bau von Doppelhaushälften oder Reihenhäuser, die auf gemeinsam erworbenen Grundstücken neu errichtet werden oder auch Mehrparteienhäuser, in denen später jeder Beteiligte seine Eigentumswohnung bekommt.

Während der Bauzeit agieren alle gemeinsam, um sich Kostenvorteile zu sichern. Nach der Fertigstellung wird jeder Mitbauherr dann Eigentümer seines Reihenhauses oder seiner Doppelhaushälfte, samt eigenem Grundstücksanteil. Handelt es sich um ein Mehrparteienhaus, wird jedes Mitglied der Baugruppe Teileigentümer. Darin unterscheidet sich eine Baugruppe von einer Genossenschaft.

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