Frasdorf/Rohrdorf – „Jetzt noch das Kreuz auf der Krone und das Zepter der Madonna ankleben, die blauen Servietten müssen noch gefaltet und die Christusfiguren in die Folie eingepackt werden“. Katharina Schmid, die Vorsitzende des „Helferkreises für die Diözese Ternopil“, hat ihre Augen überall. So kurz vor dem Besuch des Seminaristenchores aus der Diözese Ternopil laufen die allerletzten Vorbereitungen auf Hochtouren. Mit ein paar Helferinnen aus der Vorstandschaft des „Helferkreises“ packt sie an diesem Abend daheim in der Wohnstube die Geschenke für die Gäste zusammen. „Gastgeschenke sind unbedingt notwendig, das ist einfach der Brauch in der Ukraine“.
Bischofsmesse
in Planung
Der grobe Ablauf ist klar: acht junge Männer aus dem Priesterseminar Ternopil in der Westukraine kommen vom 13. März bis zum 23. März in die Landkreise Rosenheim und Traunstein, feiern in den Pfarreien mit den Pfarrgemeinden Gottesdienst nach ukrainischem Ritus und begleiten diese Gottesdienste mit geistlichen Liedern. Zusätzlich wird am Samstag, 21. März, zum 20-jährigen Bestehen des Freundeskreises in der Kirche von Greimharting eine Bischofsmesse mit zwei ukrainischen Bischöfen, acht Priestern und den acht Chorsängern gefeiert, im Anschluss ist für geladene Gäste eine Feierstunde im Gemeindehaus von Greimharting. 1996 kam zum ersten Mal ein Chor aus Ternopil in den Chiemgau, der Ökonom der Erzeparchie und Bischofssekretär Pfarrer Vasyl Shafran war damals bereits dabei und begleitet auch in diesem Jahr die Gruppe.
Und nun geht es in die Einzelheiten: Zehn Tage wollen sinnvoll organisiert sein. Zum ersten Mal seit dem Beginn der Besuche vor über 20 Jahren ist keine formelle Einladung mehr notwendig, die jungen Männer und ihre Begleitung können einfach mit ihrem Pass aus der Westukraine durch Ungarn und Österreich bis nach Bayern durchfahren. Die Gemeinde Rohrdorf wird ihnen jedoch eine Bescheinigung ausstellen, dass sie Gäste hier in der Region sind. Schon seit den ersten Besuchen ist die Verteilung der Seminaristen auf viele Gastfamilien geregelt, hier in der Fremdenverkehrsgegend ist an Betten kein Mangel. Alle finden einen Platz und sind zehn Tage lang „Kind im Haus“ ihrer Familien. Auch das Frühstück spendieren die Herbergseltern und so ist das Übernachtungsproblem seit Langem gelöst. Die Hauptaufgabe für Katharina Schmid und ihre Helfer war es, die Pfarrer und Pfarrgemeinderäte in der Region von der Notwendigkeit der Auftritte der Sänger in ihren Kirchen zu überzeugen. „Seit dem letzten Besuch vor drei Jahren haben in den Pfarreien wieder einige Wechsel stattgefunden und da müssen wir unser Vorhaben immer wieder neu erklären“. Doch auch diese Hürde ist genommen, haarklein ist der Auftrittskalender abgestimmt, die Pfarreien können sich darauf vorbereiten. Der Erlös der Veranstaltungen wird in diesem Jahr für die Erneuerung der sanitären Anlagen im Seminar verwendet. Das Kloster verfügt über eine große Landwirtschaft mit 1200 Hektar Land, auf dem Getreide, Mais und Zuckerrüben angebaut wird, in den Stallungen stehen rund 100 Milchkühe, die Schweinezucht ist gerade im Entstehen.
Die große Landwirtschaft der Diözese wird aktuell komplett neu organisiert, dabei können sie erste Eindrücke von der Schafmilch-Produktveredelung beim Anderlbauern in Frasdorf, bei der Eismanufaktur, beim Bäcker Bauer in Neubeuern oder bei der Hühnerhaltung beim Wastlbauern in Elperting gewinnen. Bei allen Besuchen und Aktivitäten ist ein Betreuer aus dem Helferkreis mit dabei, der für den Ablauf verantwortlich ist. Keine Frage soll unbeantwortet bleiben, kein Gast soll hilflos irgendwo alleine zurückbleiben.
Blau wie der
ewige Himmel
Die Vorbereitungen für die 20-Jahr-Feier in Greimharting sind ebenfalls weitestgehend abgeschlossen, mittlerweile sind sogar die Geschenke alle verpackt: eine Patrona Bavariae für Wassyl Semenjuk, Erzbischof der Erzeparchie Ternopil-Sboriw/Ukraine und viele Figuren des auferstandenen Heilands für die Seminaristen. Sogar an die Farbe der Servietten beim gemeinsamen Mittagessen hat Katharina Schmid gedacht: sie leuchten in Blau und Gelb – blau wie der ewige Himmel und gelb wie die unendlichen Weizenfelder der Ukraine.