Die Ergebnisse der Kommunalwahlen im Wasserburger Land im Überblick:
Gars
Grundsätzlich sorgen Wahlen ja immer für Überraschungen, sagt Anton Lentner (FWG Lengmoos), der mit 42,2 Prozent nun gegen Robert Otter (parteiunabhängig; 48,9 Prozent) in der Stichwahl in zwei Wochen antritt. Lentner hat langjährige Erfahrung als Kreistags- und Gemeinderatsmitglied. Dass Robert Otter, sein Kontrahent und ein Newcomer, so weit kommt, „das hätte ich nicht gedacht“, sagt Lentner am Tag nach der Wahl zur Wasserburger Zeitung. Das habe ihn schon sehr überrascht.
Lentner zeigt sich ein wenig enttäuscht, dass seine Bemühungen in den Gremien – „da haben wir viel umgesetzt“ – in der Bevölkerung wohl nicht so angekommen seien. Mit Blick auf die Stichwahl meint der 57-Jährige, „Otter liegt vermutlich gut im Rennen. Ich bin nimmer so optimistisch, dass ich Bürgermeister werde“. Die größten Verluste habe er im Hauptort und in Gars-Bahnhof eingefahren, so der Lengmooser. „Die Garser wählen nicht gern einen ,anderen‘ – wobei Otter ja auch aus Eismannsstett stammt (Ortsteil von Lengmoos).“ Er sei froh, auf der Liste der Wählergemeinschaft West als Zweitplatzierter in den Kreistag zu ziehen. Zudem sei er Fan der Briefwahl, gerade wegen der großen Wahlzettel, die man schön auf dem Küchentisch ausbreiten kann. Eine Briefwahl sei bei der Stichwahl zudem die Chance, noch mehr Bürger zum Wählen zu motivieren.
Robert Otter (50) sagte am Abend der Wahl zum Thema Stichwahl: „Möge der Bessere oder der Glücklichere die Wahl gewinnen.“ Otter ist übrigens der älteste von vier Söhnen des Garser Altbürgermeisters Georg Otter.
Auf der Gemeinderatsliste gehören die Grünen mit einem Plus von drei Sitzen zu den Gewinnern. Verloren hat die CSU, die zwei Sitze los ist, und die FWG Gars musste auch einen abgeben.
Isen – Bei der Isener Bürgermeisterwahl wird es eine zweite Runde geben. Michael Feuerer (CSU) und Irmgard Hibler (FW) müssen sich jetzt um rote und grüne Stimmen bemühen. Michael Feuerer (CSU) und Irmgard Hibler (FW) haben es in Isen in die Stichwahl geschafft. „Ich bin mit über 30 Prozent zufrieden“, sagt Feuerer. „Enttäuscht wäre ich, wenn ich nicht in die Stichwahl gekommen wäre.“ Der CSU-Kandidat liegt mit 31,5 Prozent sieben Punkte vor seiner Mitbewerberin. Bei der Stichwahl könnte es allerdings knapp werden.
Feuerer will auch bei der nächsten Abstimmung mit „Sachlichkeit, Sachkenntnis und Erfahrung“ punkten. Neue Themen will er in sein Wahlprogramm nicht aufnehmen: „Wir werden unser Programm wie gewohnt weiterführen“, kündigt er an. Als Grund für seinen Vorsprung sieht er auch die Podiumsdiskussion, bei er der die konkretesten Vorschläge eingebracht habe. Den persönlichen Kontakt mit dem Wähler, auf den er bisher gesetzt hat, wird er wegen der Corona-Krise nicht weiterführen können. „Der Wahlkampf wird notgedrungen online stattfinden, vielleicht gibt es auch noch einen Flyer.“
Zufrieden ist auch Hibler, deren Ziel es gewesen sei, in die Stichwahl zu kommen. Ihre 27,2 Prozent seien ausbaufähig, erklärt sie selbstbewusst. In ihrem Wahlprogramm seien mit Ausbau des OVV, sparsamem Flächenverbrauch und Regionalität viele Themen, die auch grüne Wähler ansprechen könnten, meint sie. Um von sich zu überzeugen, will sie ihre berufliche Erfahrung viel mehr betonen. „Ich möchte zeigen, dass man nicht im Gemeinderat gewesen sein muss, um von der Sache etwas zu verstehen.“ Durch ihre Tätigkeit für die Kommunale Wohnungsbaugesellschaft besitze sie hier große Kenntnisse.
Auch Hibler wird den Wahlkampf künftig über Social Media führen. „Wir werden das im Team besprechen, dann geht es weiter“, sagt sie.
Da beide Kandidaten eine ähnliche Klientel bedienen, müssen sie nun Stimmen von grünen und roten Wählern holen. Grünen-Kandidat Florian Geiger hatte einen ambitionierten Wahlkampf geführt und liegt mit 24,8 Prozent nur knapp hinter den konservativ-bürgerlichen Konkurrenten. Abgeschlagen ist Albert Zimmerer (SPD) mit 16,51 Prozent.
Spannend war nicht nur die Wahl, auch die Übermittlung der Wahlergebnisse war eine Zitterpartie. Immer nur für kurze Zeit waren Isener Ergebnisse im Netz abrufbar. In Isen haben die Freien Wähler zwei Sitze hergeben müssen – die haben die Grünen eingeheimst.
Unterreit
Hier geht eine Ära zu Ende, denn Gerd Forstmeier verabschiedet sich aus der Kommunalpolitik – und macht Platz für einen Neuen: Christian Seidl (Freie Wähler Wang) ist jetzt Bürgermeister in Unterreit.
In der Zusammensetzung des Gemeinderates hat sich auch eine Änderung ergeben: Die FWG Grünthal und die FWG Unterreit haben jeweils einen Sitz an die UWG Stadl abgeben müssen.
St. Wolfgang
Hier „regiert“ weiterhin Ulrich Gaigl (Freie Wähler). Im Gremium hat sich die Sitzverteilung nur geringfügig geändert: „Entwicklung gemeinsam“ hat nur noch einen Sitz. Die CSU ist weiterhin mit einem Fünferteam vertreten, FW-Einigkeit mit vier Sitzen und die Wählergruppe Gatterberg/Freie Wählergemeinschaft Schönbrunn hat auch weiterhin zwei Leute im Gemeinderat.
Reichertsheim
Der Ort hat mit Franz Stein (63 Jahre; Einigkeit Ramsau) einen neuen Bürgermeister. Er folgt auf Annemarie Haslberger (70), die aus Altersgründen nicht mehr angetreten war. Bei der Sitzverteilung im Gemeinderat ändert sich nichts. Die Interessensgruppe Reichertsheim ist mit sechs Leuten im Gremium vertreten – ebenso wie Einigkeit Ramsau.
Kirchdorf
Frischen Wind gibt es in Kirchdorf mit Christoph Greißl (FWG). Im ganzen Altlandkreis Wasserburg ist der 34-Jährige der jüngste Bürgermeister. Zusammenarbeiten wird er im Gemeinderat mit Vertretern dreier verschiedener Listen an Freien Wählergemeinschaften. Kirchdorf ist hier mit sechs Plätzen und 53,2 Prozent die stärkste Gruppierung, die Berger haben vier Sitze und Fürholzen ist mit zwei Mann dabei.
Rechtmehring
Sebastian Linner (FWG) hatte als amtierender Bürgermeister keinen Gegenkandidaten. „Mit 60 pack ich das nochmal“, sagte er am Wahlabend. In Rechtmehring gibt es eine Liste, die Wählergemeinschaft Rechtmehring, die mit zwölf Personen den neuen Gemeinderat bildet. Acht davon sind Neulinge.
Maitenbeth
Auch in Maitenbeth gibt es eine gemeinsame Liste, die Bürgerliste. Zwölf Gemeinderäte bilden das neue Gremium rund um Bürgermeister Thomas Stark, der zuvor Gemeinderatsmitglied war. Für ihn ist nun Julia Zoßeder auf der Liste nach und in den Gemeinderat hineingerutscht. Stark tritt in die Fußstapfen von Josef Kirchmaier.