Wasserburg macht sich „fit for opening“

von Redaktion

Internetseite des WFV geht heute online – Schutzmittellager bei Betten Klobeck

Wasserburg – Heute beraten Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten darüber, ob die bis zum 19. April befristeten Kontaktbeschränkungen weitergehen sollen oder eine langsame, schrittweise Rückkehr zur Normalität möglich ist. Das hoffen vor allem viele Geschäftsleute, die geschlossene Ladentüren in Existenznot bringen. „Wasserburg bereitet sich vor auf eine langsame Wiedereröffnung“, teilte gestern bei einer Video-Pressekonferenz mit der Wasserburger Zeitung der Vorsitzende des Wirtschaftsförderungsverbandes (WFV), Moritz Hasselt, mit.

Informationen
und Service für
die Mitglieder

„Fit for opening“ hat der WFV eine Kampagne betitelt, die morgen mit eigenem Logo auf der Internetseite der Interessenvereinigung der Wasserburger Kaufleute, Freiberufler, Gewerbetreibenden und Selbstständigen online geht. Die Rubrik informiert über alle Vorbereitungen, die der WFV für seine Mitglieder trifft – für den Zeitpunkt, an dem die Bundesregierung und die Bundesländer Lockerungen beschließen, die die Öffnung von Läden unter Bedingungen wieder ermöglichen. Auf der Internetseite findet der Verbraucher nicht nur die Information, welche Regeln er in Zukunft zu beachten hat, sondern der Ladenbesitzer auch eine Möglichkeit, Schutzausrüstungen zu bestellen. Sogar ein zentrales Materiallager gibt es – im Bettenfachgeschäft Klobeck.

Initiatoren der Informationsplattform mit zentraler Bestellmöglichkeit sind die designierten CSU-Stadträte Christoph Klobeck und Heike Maas. Hinter ihrem Vorschlag steht die gemeinsamen Fraktion von CSU und Wasserburger Block.

„Wir haben die Idee gerne aufgegriffen“, sagt Moritz Hasselt, WFV-Vorsitzender. Er sieht in der Internetplattform vor allem einen wichtigen Service für die Mitgliedsgeschäfte. Denn wenn der Einzelhandel wieder seinen Verkauf an der Ladentheke aufnehmen darf, müssen neue Hygieneregeln beachtet werden. Der Markt für Schutzausrüstungen ist jedoch leer. Vor allem Inhaber oder Pächter kleiner Läden tun sich schwer, an Desinfektionsmittel oder Schutzmasken heranzukommen. Sie werden oft auch nur in großen Mengen angeboten, die ein kleines Geschäft gar nicht benötigt.

Der WFV will den Geschäften helfen, bei der Recherche und Bestellung unterstützen. Das eigene Büro kann als Lager jedoch aufgrund fehlenden Platzes nicht dienen. Christoph Klobeck hat sich deshalb bereit erklärt, in seinem zentral gelegenen Bettenfachgeschäft in der Herrengasse Räumlichkeiten zur Verfügung zu stellen. Klobeck hat über ein Netzwerk umfangreich einkaufen können – Mund-Nasen-Masken, Handschuhe, Kittel und Desinfektionsmittel. Zum Einkaufspreis gibt er die Schutzmaterialien eins zu eins an Ladenbesitzer und Geschäftsleute oder Freiberufler, die wieder in Kundenkontakt treten können, weiter. Die bestellte Ware wird individuell zusammengepackt und vor die Ladentür gestellt – bereit zum Abholen.

Klobeck legt Wert auf die Feststellung, „dass wir den Kliniken das Equipment nicht weggekauft haben“. Vielmehr habe der WFV Kontakte zum Großhandel genutzt, gebe auch einfache Masken, die nicht zertifiziert seien, weiter. Über die Homepage „Fit for soft opening“ gibt es auch Informationen, wer in der Stadt Mund-Nasen-Masken näht, welcher Glaser Plexiglasscheiben herstellt, wo es sonst noch Desinfektionsmittel zu kaufen gibt.

Die Homepage mit ihren Serviceangeboten zeigt nach Meinung von Heike Maas: „Die Wasserburger Geschäftswelt weiß, wie es weitergehen kann und bereitet sich, unterstützt vom WFV, vor. Denn diese Krise verlangt nach Antworten auf Fragen und nach Lösungen.“

So sieht es auch der WFV, der schnell reagiert hat mit der ersten Antwort auf die Kontaktsperren und Ladenschließungen: „Wasserburg liefert“ informiert über die vielfältigen Bestellmöglichkeiten und Hol- und Bringdienste der Geschäfte. Jetzt sollen sich diese, unterstützt vom WFV, auch vorbereiten für den nächsten möglichen Schritt: eine Lockerung der Corona-Maßnahmen, auch wenn gestern noch nicht feststand, ob und wenn ja, wann und wie.

Warnung vor zu frühen, überstürzten Lockerungen

Klobeck hält generell nichts davon, zu früh wieder zu öffnen. Denn ein Fall dürfe nicht eintreten: dass aufgrund einer zweiten Erkrankungswelle wenige Wochen später erneut die Schließung komme. „Das wäre fatal“, sagt er.

Auch Hasselt, Inhaber eines Uhren- und Schmuckgeschäfts, appelliert angesichts der Tatsache, dass es um Menschenleben geht, dafür, die Rückkehr zum normalen Leben nicht zu überstürzen – obwohl vor allem viele kleine Läden aus dem Non-Food-Bereich um ihr Überleben kämpfen. Hasselt erinnert jedoch daran, dass es Branchen gibt, die es noch schwerer haben, weil sie mit Lockerungen so schnell gar nicht rechnen können: etwa die Schausteller, die von Großveranstaltungen wie dem Wasserburger Frühlingsfest.

Die Wasserburger Geschäftsleute reagieren noch sehr besonnen auf die großen Umsatzeinbußen, berichten Hasselt und Klobeck einhellig. Dass das Jahr 2020 mit einem Umsatzminus abschließen wird, sei jedoch allen klar. Von heute auf morgen werde auch bei einer Lockerung der Ausgangsbeschränkungen das Konsumverhalten nicht wieder so ausfallen wie vor der Corona-Krise.

„Wir müssen uns auch daran gewöhnen, dass Einkaufen in der nächsten Zeit anders ablaufen wird als früher“, sagt Maas. Sie könnte sich Lockerungen nach dem österreichischen Modell vorstellen: mit klaren Regeln zum Abstand halten im Geschäft, zur Anzahl der Personen, die es betreten dürfen, zum Tragen von Mund-Nasen-Schutz und zum Händewaschen und Desinfizieren. All diese Maßnahmen werden, davon ist Hasselt überzeugt, erst vom Tisch sein, wenn Medikamente und Impfstoffe bereit stehen.

Maas gibt offen zu, dass sie als Kundin auch auf die Wiedereröffnung ihrer Lieblingsgeschäfte wartet. Und auf eine Rückkehr des Lebens in der Stadt. Die Stimmung sei derzeit gedrückt. Die Tatsache, dass der WFV vorbereitet sei für die Zeit der Lockerungen, sei auch ein Mutmacher, findet sie.

Klobeck stellt fest, dass nach der ersten Schockstarre viele Kollegen kreativ auf die Situation reagiert haben – mit Online-Shops und Lieferdiensten sowie viel Telefonberatung oder Videokonferenzen mit dem Kunden. „Ich spüre auch eine tiefe Verbundenheit der Kunden mit dem lokalen Einzelhandel. Wir hoffen, dass dieses Bewusstsein auch nach der Krise anhält.“

Hier gibt es Infos

Wasserburg „fit for opening“ wird auf der Internetseite des Wirtschaftsförderungsverbandes Wasserburg (WFV) eingestellt: www.wfv-wasserburg.de. Geschäftsleute, die den Bestellservice für Schutzausrüstungen nutzen möchten, schreiben eine Mail an

info@wfv-wasserburg.de.

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