Rott – „Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“: Mit diesem Zitat von Hermann Hesse eröffnete der neu gewählte Rotter Bürgermeister Daniel Wendrock die konstituierende Sitzung des Gemeinderates. Wendrock bat auch darum neu anzufangen, ja gar neu zu denken. Er wünscht sich, offen miteinander umzugehen, ein sachliches und faires Diskutieren aller wichtigen Anliegen und ein Arbeiten über alles Parteigrenzen hinweg.
Für Wendrock hatte der Tag der konstituierenden Sitzung eine besondere Bedeutung. Vor zehn Jahren gaben er und seine Frau sich vor dem Standesbeamten Marinus Schaber das Jawort.
Auf Abstand getagt
in der Turnhalle
Die Vorsichtsmaßnahmen machten es nötig, die Sitzung in der Turnhalle mit maximal 20 Zuschauern abzuhalten. Hier konnte der nötige Abstand eingehalten werden. Die Folgen der Beschränkungen werde Rott noch spüren, sagte Wendrock. Seien schon jetzt die finanziellen Möglichkeiten wegen der anstehenden Baumaßnahmen begrenzt, würden die Einbrüche bei der Gewerbesteuer den Gemeinderat zukünftig oft fragen lassen: „Können wir uns das leisten?“
Zu Beginn der ersten Sitzung des neuen Gemeinderats muss der neue Bürgermeister vereidigt werden. Er schwört auf die Treue gegenüber dem Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland und der Verfassung des Freistaates Bayern und verpflichtet sich zum Gehorsam der Gesetze und zur gewissenhaften Erfüllung seiner Amtspflichten. Daniel Wendrock machte dies vor dem ältesten Gemeinderat Franz Riedl. Den Eid legten auch die neu gewählten Gemeinderäte Matthias Eggerl und Anna-Lena Springer von der CSU sowie Josef Kirchlechner und Christian Franke von BfR ab. Mit dabei war auch der bisherige Bürgermeister und nun neuer Gemeinderat Marinus Schaber. Die Eidesformel entspricht der des Bürgermeisters, ist aber um den Zusatz erweitert, die Rechte der Selbstverwaltung zu wahren.
Spannende Wahl:
Sewald siegt knapp
Die Aufgaben eines stellvertretenden Bürgermeisters sind vielfältig. Er vertritt den Ersten Bürgermeister als Repräsentant und übernimmt bei dessen Abwesenheit den Vorsitz bei Sitzungen und Versammlung. Er sollte leicht erreichbar und schnell verfügbar sein, wenn Entscheidungsbedarf besteht. Die Wahl des Zweiten und Dritten Bürgermeisters ist geheim.
Max Zangerl von den BfR schlug als Zweiten Bürgermeister Alfred Zimpel vor. Er wurde einstimmig gewählt. Der neue Zweite Bürgermeister von Rott ist 37 Jahre, verheiratet und Ausbilder bei der Bahn.
Spannender wurde die Wahl zum Dritten Bürgermeister. Alfred Zimpel von BfR schlug Christoph Sewald von der SPD vor. BfR und SPD waren diejenigen, die den parteilosen Daniel Wendrock im Wahlkampf unterstützten. Carola Kahles vom Rotter Forum wollte als Dritten Bürgermeister mal eine Frau sehen und schlug Marie-Luise Saller von der CSU vor. Sebastian Mühlhuber von der CSU beanspruchte den Dritten Bürgermeister für die CSU als zweitstärkste Kraft und schlug ebenfalls Marie-Luise Saller vor. Auch Johann Kerschbaum vom Rotter Forum warb für Saller. Gerade in diesen Zeiten wäre eine Ärztin im Gemeinderat doch wünschenswert, so Kerschbaum.
Das Auszählungsergebnis war knapp. Mit einer Stimme Mehrheit wurde Christoph Sewald Dritter Bürgermeister. Er ist 37 Jahre alt, verheiratet, hat zwei Kinder und ist Jobvermittler im Jobcenter des Landkreises Rosenheim. Weitere Stellvertreter wurden nicht benannt.
Die Geschäftsordnung einer Gemeinde ist wie ein Handbuch und regelt die Gemeindeorgane und ihre Aufgaben. Die bisherige Geschäftsordnung galt für den alten Gemeinderat und lief zum 30. April aus. In der neuen wurden einige Änderungen mit aufgenommen. Das sind zum Beispiel die Einladungen mit elektronischen Medien. Bis 2021 soll es ein Ratsinformationssystem geben.
Der Verfügungsrahmen für den Bürgermeister hat sich auf 20000 Euro erhöht. Und die Ausschüsse wurden neu geregelt. Der Verkehrsausschuss wird aufgelöst und dem Bauausschuss zugeordnet werden. Auch soll der Bauausschuss die Kompetenz bekommen, Aufträge bis 400000 Euro zu vergeben. Abweichend von der bisherigen Rechtslage wird die Zuständigkeit für Rangrücktrittserklärungen der gemeindlicher Rechte auf den Ersten Bürgermeister überführt. Die Verwaltungspraxis hat gezeigt, dass ansonsten oft mehrere Wochen zwischen der Anfrage des Notariats und dem Vollzug des zustimmenden Gemeinderatsbeschlusses vergehen.
Ausschusssitz an SPD
übergeben
Die Ausschussbesetzung soll das Stärkeverhältnis des Gemeinderates widerspiegeln. Grundsätzlich sind hierfür drei mathematische Proporzverfahren zugelassen: Rott hat sich für das Verfahren nach Hare-Niemayer entschieden, weil dies kleinere Gruppen bevorzugt. Trotzdem wäre die SDP in keinem Ausschuss vertreten. Aber bei dem Haupt- und Finanzausschuss haben die Bürger für Rott den dritten Namen mit Christoph Sewald von der SPD besetzt.