Maitenbeth – Ein Kamerunschafbock, der flinker ist, als die Polizei: Im Haager Forst hält das Tier gerade die Ordnungshüter in Atem.
„Rinder, Schafe, Ziegen – wir hatten diverse tierische Einsätze an der B12 in der letzten Zeit“, sagt Gerhard Baum, Polizeichef in Haag, auf Nachfrage der Wasserburger Zeitung mit einem Schmunzeln.
Zuletzt ging es um einen Kamerunschafbock, der zusammen mit einem weiteren Artgenossen im Haager Forst umherstreifte und immer mal wieder auf der Bundesstraße stand. „So ein Tier hat mehr Gewicht als ein Reh. Wenn es einen Unfall gibt, ist das nicht ungefährlich“, so Baum weiter.
Auf „Bertl“ und
„Seppi“ getauft
Nun konnte man einen der beiden Böcke einfangen. „Der war etwas treudoof und ist stehen geblieben“, sagt Baum. Der andere sei gerissener und habe Fersengeld gegeben. Ein Bub aus Mittbach, der auf einem Hof wohnt, kennt die Böcke, hat die beiden Tiere in den vergangenen Wochen angefüttert und ihnen die Namen „Bertl“ und „Seppi“ gegeben. „Seppi“ war so zutraulich, dass er sich nun kürzlich von einer Tierfreundin aus Maitenbeth mit Futter anlocken und einfangen ließ. Nur „Bertl“ hatte darauf keine Lust.
Polizeihauptkommissar Otto Trautmannsberger hat vergangenen Donnerstag gemeinsam mit Tierarzt Dr. Christian Brüser-Pieper aus Altdorf und der Maitenbetherin versucht, das kluge Hausschaf einzufangen. „Es schüttete wie aus Kübeln und wir liefen ihm nach. Die Tierfreundin konnte den ,Bertl‘ anfüttern. Er blieb auch immer wieder stehen, ist aber dann doch abgehauen“, so Trautmannsberger. Die drei verfolgten den Bock eine Stunde im Regen durch den Wald über Stock und Stein – vergeblich. Der Bock war schneller. Der Tierarzt hatte das Betäubungsgewehr dabei und traf mit den „Distanzinjektionen“ auch das Tier. Der erste Treffer juckte den ,Bertl‘ nicht sonderlich. „Er machte ihn zwar langsamer, aber hingelegt hat er sich nicht“, sagt der Tierarzt, „dann war er auf der Hut und ließ uns nicht mehr so nah ran“. Brüser-Pieper zielte noch einmal und traf. Der Bock lief weiter. Der dritte Pfeil schließlich brach ab.
„Der verträgt scheinbar ganz schön was“, staunte Polizeihauptkommissar Trautmannsberger. Natalie Brüser-Pieper, die Frau des Tierarztes, erklärt auf Nachfrage, man müsse bei Schafen und Ziegen die Betäubung vorsichtig dosieren. „Wenn man überdosiert, können die Tiere sterben.“ Da man das Gewicht des Bockes nicht kenne, ihr Mann vorsichtig dosiert habe und der Bock durch die Aufregung wohl voller Adrenalin war, habe die Betäubung vermutlich nicht gewirkt. „Entlaufene Tiere reagieren unterschiedlich auf Narkosemittel und hier wird kein Standardnarkosemittel verwendet“, sagt Veterinärmediziner Brüser-Pieper.
Weil „Bertl“ von den Pfeilen unbeeindruckt blieb und sich nicht müde auf den Boden legte, ging die Verfolgungsjagd durch den Haager Forst weiter. „Wir sind nachgepirscht bis Hohenlinden. An der Landkreisgrenze haben wir aufgegeben“, so Trautmannsberger, der sagt: „Der ,Bertl‘ ließ sich von mir leider nur fotografisch einfangen“.
Vermutlich
ausgesetzt
Am gestrigen Montag gingen wieder Meldungen bei der Polizei in Haag ein, dass der Kamerunschafbock, den mancher Zeuge mit einer Ziege verwechselt, zwischen Straßmaier und Maitenbeth an der Straße gesichtet wurde. Wem die Tiere gehören, weiß man nicht. „Anzunehmen ist, dass sie ausgesetzt wurden, sonst hätte sich längst jemand gemeldet. Wir haben alle Jagdberechtigten gefragt, wer der Besitzer sein könnte“, sagt Polizeichef Baum. Es handle sich um wertvolle Schafe, die standorttreu seien und vermutlich von jemandem aus der Gegend ausgesetzt wurden. Der eingefangene Kamerunschafbock sei mittlerweile gut untergebracht.
Der Tierarzt und die Tierfreundin aus Maitenbeth sind in Kontakt. „Ich hab das Betäubungsgewehr im Auto, wenn der ,Bertl‘ gesichtet wird, fahr ich los. Dieses Mal mit einer etwas höheren Dosierung.“