Corona kann ihn nicht fernhalten

von Redaktion

Isener Leopold Schulze leistet trotz Pandemie in Namibia Hilfe im Auslandspraktikum

Isen/Swakopmund – Die Corona-Krise bedroht weltweit Existenzen unzähliger Menschen. Besonders brenzlig ist die Situation in afrikanischen Townships, in denen schon zuvor Hygienemaßnahmen nur schwer umsetzbar gewesen sind. Die aktuell schwierigen Lebensumstände in Afrika erlebt der Isener Leopold Schulze hautnah mit. Der Lehramtsstudent verbringt in Namibia noch bis Jahresende ein Auslandspraktikum und setzt sich nun mit Spendengeldern für Einheimische ein.

Seit 2017 studiert Schulze in München Lehramt für Mittelschulen mit dem Schwerpunkt Geografie und Deutsch. Der 23-Jährige kommt ursprünglich aus Aufkirchen, lebt aber inzwischen in Isen. Als seine Uni, die LMU, vergangenes Jahr über Auslandspraktika informierte, war Schulzes Interesse für Namibia geweckt.

Allein im
großen Wohnheim

Der Lehrerverband BLLV organisierte für den jungen Mann einen halbjährigen Einsatz an einer deutschen Privatschule in Swakopmund, einer von Deutschen gegründeten Hafenstadt. Nur wenige Tage nach Silvester startete Schulzes Reise, und er war sofort von Namibia begeistert.

Der 23-Jährige schwärmt von freundlichen, aufgeschlossenen Menschen. „Ich fühle mich rundum wohl und hatte noch nie Angst.“ Auch der tägliche Deutschunterricht mit seiner eigenen englischsprachigen fünften Klasse lief gut an. Die ersten Erfahrungen in Namibia waren so positiv, dass der Isener die Option wahrnahm, bis Ende 2020 in Swakopmund zu bleiben und somit seine Klasse bis Schuljahresende zu unterrichten.

Doch dann kam Corona. Das Virus verbreitete sich auf der ganzen Welt, und auch die 25 in Swakopmund eingesetzten deutschen Lehramtsstudenten wurden besorgter. 20 von ihnen reisten über Rückholaktionen zurück in die Heimat. Nur Schulze und vier weitere Studenten blieben – vorerst. Inzwischen ist der Isener der einzige Bewohner des großen Praktikanten-Wohnheims.

Das Projekt des BLLV ist mittlerweile offiziell beendet und der Student auf eigene Verantwortung in Afrika. Der 23-Jährige haderte anfangs tagelang mit sich, ob er nicht doch abreisen sollte. „Zu gehen hätte sich aber damals falsch angefühlt. Ich wollte das Praktikum zu Ende bringen und habe mich damals sehr sicher gefühlt“, erklärt Schulze im Interview via Skype. Bis Mitte Mai habe es nämlich lediglich 16 Virus-Erkrankungen im ganzen Land gegeben. Einen rasanteren Anstieg der Infektionen gab es seinen Aussagen nach erst ab Ende Juni. Trotzdem griff bereits am 26. März ein strenger Lockdown. Häuser durften nur zum Einkaufen verlassen werden.

Diese stark eingeschränkte Zeit verbrachte der Isener mit seiner Betreuungslehrerin und deren Familie auf einer Farm, „weit weg von der Zivilisation“. Deutschunterricht gibt Schulze seitdem nur noch digital und lediglich zweimal in der Woche.

Zwei Monate verbrachte der Isener auf der Farm, bis er wieder nach Swakopmund zurückkehrte. Die stufenweisen Lockerungen wurden dort inzwischen wieder etwas zurückgefahren, weil es in der Nähe einen Corona-Ausbruch mit 1000 Fällen gab. „Die Küstenregion ist jetzt wieder zugesperrt“, erzählt Schulze, weswegen viele Menschen von der Regierung enttäuscht seien. „Wirtschaftlich blutet dieser Teil des Landes komplett aus. Viele verdienen gar nichts mehr, und jede Lockdown-Verlängerung verschlimmert das.“ Swakopmund sei eine Stadt mit zwei Seiten: „Wenn man weiter raus fährt, verlässt man das Luxusleben, und die Häuser werden immer kleiner und ärmlicher.“

Besonders betroffen und anfällig für neue Infektionen sind laut dem 23-Jährigen die Menschen in den Townships, in denen Hygieneregeln und Sicherheitsabstände kaum eingehalten werden können. Oft komme es dort reihenweise zu Ansteckungen.

In Schulze wuchs das Bedürfnis, Menschen, die ohne aktuelle Einnahmen waren, zu unterstützen. Er lernte seine Nachbarin kennen, die mit ihrem Projekt „LIA Africa“ (Ladies in Action Africa) besonders alleinstehende Mütter und deren Weg in die Selbstständigkeit fördert. Derzeit sei es aber noch wichtiger, Einheimische mit Lebensmitteln zu versorgen.

Der Student hilft ihr nun bei der Besorgung und Verteilung der Einkäufe. Gewisse Standorte werden regelmäßig angefahren, „aber wir hören uns auch um, wo jemand besonders leidet“, erklärt Schulze. Eine große Hilfe sei dabei der im Wohnheim angestellte Gärtner, der viele Menschen aus den Slums persönlich kenne.

Mit den Spendengeldern würde der 23-Jährige die Namibier aber gerne auch anderweitig unterstützen. Ihm schwebt für die Zukunft die Beschaffung von Nähmaschinen vor oder die Förderung eines Gartenprojekts durch Saatgut und Geräte.

Er bleibt bis
Ende des Jahres

Anfang August hat der Isener im Internet einen Spendentopf eingerichtet, der noch bis 9. September läuft. Nach nur drei Tagen war bereits sein Zielbetrag von 750 Euro erreicht, inzwischen wurden gut 1500 Euro gespendet. Durch den Wechselkurs in Rand habe dieser Betrag umgerechnet einen 20-mal höheren Wert, so Schulze. „Das ist eine enorme Summe, damit kann man richtig viel bewegen“, freut sich der angehende Lehrer. „Mit nur fünf Euro kann man schon eine Essenskiste packen.“

Bis Jahresende ist Schulze nach aktuellem Stand noch in Namibia. Das Datum der Heimreise steht noch nicht fest, da es wegen geschlossener Grenzen nur wenige Flugverbindungen gibt. Seine Entscheidung, trotz Corona in Afrika zu bleiben, bereut er aber bis heute nicht.

Weitere Informationen auf Instagram unter _leopold.s.official_.

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