Halfing – Eine Bohrtiefe von rund 1900 Metern, eine jährliche Erdgasförderung von 100 Millionen Kubikmetern und 80000 Haushalte, die in Zukunft mit Erdgas versorgt werden könnten – das sind die Eckdaten, mit denen die Firma Wintershall Dea eine Wiederaufnahme der Erdgasförderung in Irlach im Gemeindebereich Halfing plant. Doch für zahlreiche Anwohner, die sich unter anderem in der Bürgerinitiative „Pro Halfing“ organisiert haben, geht es um mehr als nur Fakten. Die Bürgerinitiative kritisiert die geplanten Bohrungen. In einer Online-Petition wird unter anderem der Umgang mit den Trinkwasserressourcen angeprangert. Rückenwind bekommt die Initiative „Pro Halfing“ nun von dem bekannten bayerischen Schauspieler Eisi Gulp, der selbst in Pittenhart wohnt.
Warum ist es Ihnen wichtig, sich gegen eine Erdgasförderung zu positionieren?
Grundsätzlich ist mir Umweltschutz sehr, sehr wichtig. Das, was die Forschung vor 40 Jahren angekündigt hat, ist alles eingetroffen. Unsere größte Aufgabe ist es, den Treibhauseffekt zu stoppen. Es ist nicht fünf vor zwölf, es ist fünf nach zwölf. Dennoch glaube ich, dass wir etwas tun können. Wenn jeder vor seiner eigenen Haustür vernünftig agiert und seinen Dreck sinnbildlich nicht zu dem Nachbarn schiebt, können wir viel erreichen. Beim Erdgasfracking ist das größte Problem das Methangas, das entweicht. Allein im Sommer 2017 wurden 600 Millionen Tonnen Methangas ausgeschüttet.
Wie sind Sie persönlich betroffen?
Ich lebe hier in der Gegend nicht weit weg von der geplanten Bohrstelle. Die Verunsicherung ist da, dass durch die Arbeiten das Grundwasser verunreinigt wird.
Sie solidarisieren sich mit der Initiative „Pro Halfing“. Wie unterstützen Sie die Bürgerinitiative?
Ich bin gerne bereit, sollte es meine Zeit zulassen, bei öffentlichen Veranstaltungen zu sprechen und auf das Thema aufmerksam zu machen.
Wintershall Dea sagt, dass Erdgas, der CO2-ärmste fossile Energieträger ist und Erdgas als Partner der erneuerbaren Energien zum Erreichen der Klimaschutzziele unerlässlich ist. Wie stehen Sie zu dieser Aussage?
Das müsste man sich ganz genau anschauen. Ich bin kein Wissenschaftler, aber wo große Profitinteressen dahinterstehen, habe ich immer meine Zweifel. Und wir haben definitiv Möglichkeiten für nachhaltigere Energiegewinnung. Erdgasgewinnung findet zwar nach wie vor statt, sie aber nun zusätzlich in Irlach, in der Nähe von Wasserschutzgebieten zu setzen, ist meines Erachtens überhaupt nicht einzusehen.
Sie haben die Wasserschutzgebiete angesprochen: Wintershall Dea behauptet, dass die verarbeiteten Rohre aus Stahl die grundwasserführende Zone schützen. Haben Sie Angst, dass durch die Bohrungen das Grundwasser verunreinigt wird?
Ja. Technik ist nie zu 100 Prozent sicher. Das haben wir bei Atomkraftwerken gesehen. Mein tiefstes Inneres und mein gesunder Menschenverstand sagen mir, dass wir im Jahr 2021 leben. Warum wollen wir jetzt noch mal einen Faktor schaffen, der den Klimawandel antreibt?
Interview: Katharina Koppetsch